Die Portiunkula-Kapelle (von ) ist eine kleine Votivkapelle auf dem Abtsberg in Gengenbach, einer Kleinstadt im baden-württembergischen Ortenaukreis. Der Kapellenbau wurde infolge eines Gelübdes auf Initiative der Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu in Gengenbach erbaut. Zu Ehren des Heiligen Franziskus ist die Bauform der Kapelle an die namensgebende Portiuncula-Kapelle in Assisi angelehnt.

Geschichte Die Geschichte der Portiunkula-Kapelle in Gengenbach ist untrennbar mit dem Orden der Franziskanerinnen vom Göttlichen Herzen Jesu verbunden. Nachdem die Schwesterngemeinschaft 1929 in den Besitz des Abtsbergs gelangt war, übernahmen die Franziskanerinnen auch das auf dem Berg gelegene verwahrloste Hofgut, setzten es wieder instand und ließen sich dort nieder. Durch die Bewirtschaftung der Abtsberger Weinberge konnte die Gemeinschaft ihre eigene Versorgung sicherstellen. Um die Arbeit der Schwestern im Weinbau angenehmer zu gestalten, wurde am Ort der heutigen Portiunkula-Kapelle in den Folgejahren eine kleine Hütte errichtet, die als Rastmöglichkeit diente und Schutz vor Unwetter bot. Im Laufe der Jahre geriet die Schutzhütte jedoch zunehmend in Vergessenheit und verfiel zusehends.

Als die Ordensschwester M. Angelucia Fröhlich im Mai 1990 vom Abtshof kommend zum Gebet auf den Abtsberg hochstieg, entdeckte sie am Hang die verfallene und überwachsene Berghütte. Da sie ein Jahr zuvor eine Vision hatte, der zufolge ein franziskanisches Meditations- und Gebetszentrum auf dem Abtsberg entstehen solle, sprach sie ein Gelübde gegenüber der Gottesmutter Maria. Falls ihre Vision sich erfülle, werde sie am Ort der baufälligen Hütte eine Votivkapelle nach dem Vorbild der „Portiuncula“ in Assisi errichten lassen. Der Ausblick von der Ruine ins Kinzigtal erinnerte Schwester Angelucia Fröhlich an Franz von Assisi, der beim Austritt aus einer Höhle über dem Rieti-Tal wahrscheinlich eine ähnliche Aussicht erblickt habe.

Mit der Gründung des Vereins „Franziskanisches Werk für Evangelisierung Spoleto“ wurde im März 1991 der erste Schritt zur Gründung des „Meditations- und Gebetszentrums La Verna“ auf dem Abtsberg vollzogen. Aus Dankbarkeit für die Erfüllung ihrer Vision setzte auch Ordensschwester Angelucia Fröhlich ihr Gelübde um und initiierte im Folgejahr den Bau der „Portiunkula-Kapelle“ in Gengenbach. Über mehrere Monate hinweg bauten Mitglieder des neu gegründeten Vereins und viele freiwillige Helfer die Kapelle in ihrer Freizeit in Eigenarbeit auf. Die für den Bau verwendeten Bruchsteine wurden wiederverwendet und stammten von einem etwa 200 Jahre alten Wohnhaus eines Vereinsmitglieds, das kurze Zeit vorher abgerissen worden war. Gemäß dem Gelübde orientierte sich die Bauform der neuen Kapelle in Grundzügen an der Portiuncula-Kapelle von Assisi, die Franziskus in Eigenleistung wiederhergestellt haben soll und die als Ursprungsort der franziskanischen Orden gilt.

Baubeschreibung Die Kapelle ist ein kleiner Satteldachbau aus Bruchsteinen mit eingezogener Apsis im Osten, hölzernem Dachvorbau über dem Eingang im Westen und einem offenen hölzernen Glockenreiter. Die Ortgänge sind mit Holzbrettern verkleidet, eine hölzerne Kassettentür führt ins Innere der Kapelle. Der Innenraum wird von einem Tonnengewölbe aus Holz überspannt. Zwei kleine Rundbogenfenster an den Seiten und vier halbkreisförmig angeordnete Fenstersegmente über der Apsis sorgen für eine spärliche Beleuchtung im Inneren, wodurch im kleinen Kapellenraum eine andächtige Atmosphäre entsteht. Die Bauform der Kapelle ist in Grundzügen an die deutlich aufwändiger ausgemalte Portiuncula-Kapelle in Assisi angelehnt, von der sich auch der Name des Gengenbacher Kapellenbaus ableitet.

Ausstattung Die Ausstattung der Kapelle ist relativ schlicht gehalten. Zu beiden Seiten eines schmalen Ganges, der direkt auf die Apsis zuführt, stehen mehrere kleine hölzerne Sitzbänke. An der Apsiswand hängt ein schlichtes, aus zwei Rundbalken zusammengesetztes Holzkreuz. Es wird flankiert von zwei Holztafeln, die den Erzengel Gabriel und die Gottesmutter Maria zeigen. Beide Malereien sind Ausschnitte desselben Bildes, das die Verkündigung des Herrn darstellt. Unter dem Kreuz steht ein hölzernes Sedile hinter einem schmalen halbrunden Holztisch, der Platz für Blumenschmuck bietet. Links der Apsis befindet sich ein Opferlichtständer, rechts ein hölzernes Lesepult mit Bibel. Tageslicht gelangt durch drei Buntglasfenster in den Kapellenraum. Das halbrunde Fenster über der Apsis ist in vier Segmente gegliedert, die im unteren Bereich verbrettert sind und im oberen Bereich bogenförmig angeordnete Sonnenstrahlen zeigen. Das rechte Seitenfenster thematisiert die Pfingsterzählung und zeigt eine Taube inmitten von Flammen. Auf dem linken Seitenfenster ist das Heiligste Herz Jesu vor dem Heiligen Kreuz dargestellt, aus der rechten Seite des Herzens fließen Blut und Wasser gleichzeitig heraus.

Glocke In einem offenen hölzernen Dachreiter ist eine kleine Glocke aufgehängt, die von Hand geläutet werden kann. Sie wurde 1911 von Benjamin Grüninger in Villingen gegossen und hing ursprünglich in der St.-Anna-Kapelle in Triberg im Schwarzwald. Die Glocke hat einen Durchmesser von 615 mm, ein Gewicht von 110 kg und weist den Schlagton e″+2 auf.

Tourismus mini|hochkant|Am Wanderziel „Portiunkula-Kapelle“ führen der Tälerpfad und der Ortenauer Sagenrundweg „Bergle“ vorbei. Die Portiunkula-Kapelle ist ein beliebtes Ziel für Wanderungen in Gengenbach und kann über mehrere Wanderwege erreicht werden. Sowohl der Tälerpfad von Biberach nach Gengenbach als auch der Ortenauer Sagenrundweg „Bergle“ führen an der kleinen Votivkapelle vorbei. Zudem ist die Portiunkula-Kapelle das Ziel mehrerer Andachtswege, die von den Franziskanerinnen vor Ort eingerichtet wurden und am Tagungshaus des Ordens beginnen. Hierzu gehören der Franziskusweg (auch „Trimm-dich-Pfad für die Seele“ genannt), der Sonnengesangweg und der während der Corona-Pandemie entstandene Engelsweg. Im Laufe der Jahre hat sich die Kapelle zu einem beliebten Andachts-, Meditations- und Gebetsort entwickelt. Hiervon zeugen viele Steine mit aufgemalten Dankesworten und Gebeten, die um die Kapelle verteilt liegen. Der Platz vor der Kapelle ist mit Sitzbänken ausgestattet und bietet als Aussichtspunkt einen schönen Blick ins Kinzigtal.

Weblinks Informationen zur Portiunkula-Kapelle auf der Website von Spoleto

Einzelnachweise

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