mini|Nicolas Legendre – Pietà. Église Saint-Merri, Chapelle de la Pietà Nicolas Legendre (* 7. August 1619 in Étampes; † 28. Oktober 1671 in Paris) war ein französischer Bildhauer und Holzschnitzer des 17. Jahrhunderts.
Leben Nicolas Legendre wurde am 7. August 1619 in Étampes geboren. Über seine Ausbildung ist wenig gesichert bekannt. Älteren biografischen Quellen zufolge soll er sich die Bildhauerei weitgehend im Selbststudium angeeignet haben. Zu seinen frühen Arbeiten zählten steinerne Statuen des heiligen Bruno für die Kartause Gaillon. Am 2. August 1664 wurde er als Mitglied in die Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen; sein Aufnahmestück war eine Büßende Magdalena aus Terrakotta. Im Jahr 1665 wurde er zum Adjoint à Professeur an der königlichen Bildhauerschule gewählt. Nicolas Legendre arbeitete wiederholt für Pariser Kirchen. Für die Kirche Saint-Paul schuf er einen umfangreichen Skulpturenschmuck aus Holz, für die Kirche St-Nicolas-du-Chardonnet fertigte er Statuen, Stuckarbeiten und eine Pietà. Letztere wurde von 1802 bis 1805 in die Kirche Saint-Merri überführt. In Saint-Nicolas-du-Chardonnet wurde Legendre nach seinem Tod auch bestattet. Durch seine Verbindung zum Hofmaler Charles Le Brun erhielt er zudem Aufträge für das Schloss Vaux-le-Vicomte, den Landsitz des Finanzministers Nicolas Fouquet. Im Prozess gegen Fouquet trat Legendre als Gläubiger auf. Nicolas Legendre war zweimal verheiratet. Ein Sohn aus erster Ehe war ab 1682 als Bildhauer tätig.
Werke (Auswahl) Zu Nicolas Legendres nachweisbaren Arbeiten zählen:
Statuen des heiligen Bruno (Stein) für die Kartause von Gaillon, Bildhauerarbeiten für die Abbaye de la Victoire in Senlis, Holzschnitzerei am Portal des Collège de la Marche in Paris sowie zwei Engelsfiguren an der Fassade des Hôtel de Beauvais in Paris (1657) sowie vier Kinderstatuen am Portal des Schlosses Meudon (1658) sowie Stuckdecken im Schloss Vaux-le-Vicomte (1660), Skulpturenschmuck der Fassade zur Rue des Bernardins sowie Ausstattung der Marienkapelle und der Kapelle der Sterbenden in der Kirche Saint-Nicolas-du-Chardonnet in Paris (1662), die vollständige Holzausstattung (Basreliefs und Einzelfiguren) der Kirche Saint-Paul in Paris (1665), zwei Steinfiguren des heiligen Benedikt und der heiligen Scholastika für das Portal des Benediktinerinnenklosters in Issy, Fronton mit den Allegorien der Mäßigung und der Klugheit für das Collège des Quatre-Nations, in Zusammenarbeit mit Martin Desjardins, der die Arbeiten nach Legendres Tod vollendete, Marmorstatue der heiligen Radegunde, gestiftet von Anna von Österreich im Jahr 1658 für die Kirche Sainte-Radegonde in Poitiers, mit dem Bildnis der Stifterin, zwei hölzerne Figuren der Fama für das königliche Gemach im Louvre, zwei Kinderfiguren für die ehemalige Kirche Saint-Jacques-la-Boucherie in Paris, Figuren des heiligen Leu und des heiligen Gilles für Étampes, vier Steinmedaillons am Louvre (1669), in Zusammenarbeit mit Laurent Magnier, Reliefs der Brunnenanlage Bain des Nymphes im Park von Versailles (um 1668–1670) nach Entwürfen von François Girardon in Zusammenarbeit mit Laurent Magnier, dekorative Bildhauerarbeiten für den Park von Versailles, die Tuilerien und den Louvre.
Literatur Nicolas Legendre. In: Allgemeines Künstlerlexikon Online. De Gruyter, Berlin/Boston, 2009 ff. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris, 2006.
Stanislas Lami: Dictionnaire des sculpteurs de l'école française sous le règne de Louis XIV. Paris 1906 (mit Werkverzeichnis). Eugène Vial, André Girodie: Les artistes décorateurs du bois. Bd. I, Paris 1912. Henry Lemonnier: L'art français au temps de Richelieu et de Mazarin. Paris 1893, S. 174, 379, 384 ff. Hyacinthe Herluison: Actes d'état civil d'artistes français. Orléans 1873, S. 231. Bulletin de la Société de l'Histoire de l'Art français. 1924, S. 29–30. Louis Dussieux, Eudore Soulié, Philippe de Chennevières u. a.: Mémoires inédits sur la vie et les ouvrages des membres de l'Académie royale de peinture et de sculpture. Bd. I, Paris 1854, S. 408–414. Grégory Vouhé: Nicolas Legendre. Anne d'Autriche et Radegonde. In: L'Actualité Poitou-Charentes. Nr. 98, Oktober–Dezember 2012.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer des Barock Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Bildschnitzer Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1619 Kategorie:Gestorben 1671 Kategorie:Mann