Jed (* 1977 in Bellingsham, Washington; † Juni 1995 in Acton, Kalifornien) war ein Wolfshundmischling (Wolfdog), der in den 1980er- und 1990er-Jahren zentrale Rollen in verschiedenen amerikanischen Spielfilmen von Walt Disney Pictures und Universal Pictures einnahm.

Leben und Wirken als Tierdarsteller Jed war ein Wolfshund-Mischling, eine Kreuzung aus Wolf und Alaskan Malamute. Seine Mutter war ein kanadischer Küstenwolf (Vancouver Island Wolf) und sein Vater ein Alaskan Malamute aus Juneau. Diese Mischung gab ihm sein markantes, urwüchsiges Aussehen. Er wurde 1977 auf dem Areal der Whatcom Humane Society (WHS), einer gemeinnützige Tierschutzorganisation im US-Bundesstaat Washington, geboren und bald nach seiner Geburt von Gerhardt "Gary" Winkler, einem Sammler von sibirischen Huskys und Alaskan Malamute, adoptiert. Später wurde er von Clint Rowe zum Tierdarsteller ausgebildet.

Seit den frühen 1980er-Jahren trat Jed in vielen bekannten amerikanischen Spielfilmen in Rollen als Hund bzw. Wolf auf.

Das Ding aus einer anderen Welt (1982) Sein Debüt gab er 1982 in dem Horrorfilm Das Ding aus einer anderen Welt (The Thing) des Regisseurs John Carpenter. In diesem tritt er in der Anfangsszene des Films als ein von einer formwandelnden außerirdischen Lebensform befallener bzw. physisch übernommener Schlittenhund auf, der von einem norwegischen Hubschrauber durch eine offene Arktislandschaft gejagt und beschossen wird. Er verkörpert dabei das erste Lebewesen, das die im Mittelpunkt des Films stehende entkorporisierte Kreatur – die die Fähigkeit besitzt, auf die Körper anderer Lebewesen überzuspringen und diese zu übernehmen – kontrolliert, um eine amerikanische Forschungsstation in der Arktis als zentralen Handlungsschauplatz des Films zu übernehmen. Nachdem er die Stattion erreicht wird in mehreren kurzen Szenen gezeigt, wie er in unheilschwangerer Weise die Gänge und Räume derselben erkundet, bevor er in den Hundezwinger der Station gebracht wird. Vom Zeitpunkt der nachfolgenden Transformation der außerirdischen Kreatur in ihre nächste Gestalt (durch grauenerregende Absorbierung weiterer Hunde) an wurde die Kreatur dann nicht mehr durch Jed, sondern durch eine Mischung aus komplexen Handpuppen, Schaumlatexattrappen, animatronischen Elementen, Hydraulik und Kabelsteuerungen, verkörpert.

In Filmkritiken und von Zuschauern wurde das Tier für sein unheimliches und „un-hundetypisches“ Verhalten gelobt. Speziell seine Fähigkeit, die menschlichen Darsteller längere Zeit intensiv anzustarren, ohne in die Kamera zu blicken, trug massiv zur Paranoia-Atmosphäre der Sequenzen, in denen er zu sehen ist, bei.

Das Abenteuer der Natty Gann (1985) 1985 spielte er eine wichtige Rolle – in den End-Credits des Films wird er noch vor den menschlichen Darstellern aufgelistet – in dem von den Disney Studios produzierten Abenteuerfilm Die Abenteuer der Natty Gann (The Journey von Natty Gann). In diesem verkörpert er einen Wolf (einfach „Wolf“ genannt), der früh im Film von der Protagonistin Natty (gespielt von Meredith Salenger), einer jungen Ausreißerin, die während der Ära der Großen Depression (ca. 1935) auf abenteuerlichen Wegen die Reise von Chicago in die Gegend von Seattle zurücklegen muss, um ihren Vater zu finden, gerettet wird: Er wird von einer Gruppe brutaler Männer in quälerischer Weise gezwungen, an grausamen Tierkämpfen teilzunehmen, bis die Titelheldin zufällig Zeuge eines solchen Kampfes wird und ihm hilft, seinen Peinigern zu entkommen. Er revanchiert sich für seine Rettung, indem er bei einem kurz darauf erfolgenden Wiedersehen in einem Frachtzugwagon, in den beide sich unabhängig voneinander als blinde Passagiere einschleichen, für den Großteil der weiteren Filmhandlung ihr ständiger Begleiter und treuer Beschützer auf der Reise nach Washington State wird.

Die bemerkenswerten Fähigkeiten und die darstellerische Leistung des Tiers in diesem Film wurden von Kritikern und Publikum mit großem Lob bedacht: Die expressive Kraft, mit denen das Tier Gefühle wie Zuneigung, Dankbarkeit und Freundschaft zur Schau stellte, wurden vielfach als bahnbrechend für ein Tier im Kino beschrieben, da Jed völlig ohne die typischen, oft künstlich wirkenden Tricks klassischer Filmhunde auskam.

Kritiker hoben speziell die folgenden Aspekte seines schauspielerischen Talents hervor:

Das „Gedankenlesen“ und die emotionale Tiefe: Kritiker vermerkten bewundernd, dass das Tier eine unglaubliche visuelle Präsenz besaß, bei der man als Zuschauer jederzeit genau zu wissen glaube, was innerlich in ihm vorgeht. Eine vielzitierte Kritik notierte, dass das nuancierte Spiel die bekannte Filmhündin Lassie „wie eine Amateurin“ aussehen lasse, da seine Mimik nie dressiert, sondern stets als tatsächlich von ihm empfunden und absolut glaubwürdig wirke. Die Unabhängigkeit vom Tiertrainer: Während Tiere in Hollywood-Produktionen traditionell in Szenen oft merklich an der Kamera vorbeischauen, um Blickkontakt mit ihrem Trainer zu halten, der sie mit Handzeichen dirigiert, glänzte das Tier durch die Fähigkeit, vollkommen natürlich mit den menschlichen Darstellern zu interagieren und die Filmcrew hinter der Kamera komplett zu ignorieren, wodurch es die Illusion, ein echter, wilder Wolf und kein dressiertes Tier zu sein, perfekt aufrechterhielt. Die Balance von Wildheit und Verletzlichkeit: Die Presse lobte die Fähigkeit des Tieres, in einer Hundekampfszene und anderen Szenen eine erschreckende, ungezähmte und brutale Urgewalt auszustrahlen, in anderen Szenen, so beim gemeinsamen Schlafen mit der Hauptdarstellerin in einem Zugwagon oder beim Zusammensitzen am Lagerfeuer, aber eine tiefe Treue, Melancholie und Verletzlichkeit zu zeigen.

Zeitgenössische Rezensionen nannten Jed infolgedessen vielfach den besten Hunde-Schauspieler seiner Zeit.

Aufsehen erregten zumal die Stunt-Leistungen Jeds in dem Natty-Gann-Film:

In einer der intensivsten Szenen nimmt ein Lkw-Fahrer Natty als Anhalterin im Fahrerhaus mit, während der „Hund“ auf der offenen Ladefläche mitfahren darf. Als der Fahrer unerwartet versucht, das Mädchen sexuell zu bedrängen, reagiert der Wolf, indem er von hinten die Glasscheibe zwischen Ladefläche und Fahrerkabine durchschlägt und den Angreifer anfällt, so dass Natty entkommen kann. In mehreren weiteren spektakulären Szenen ist zu sehen, wie das Tier im vollen Lauf in einen offenen Güterwagon eines fahrenden Zugs hineinspringt bzw. wie es eine längere Distanz auf einer erhöhten Böschung neben einem fahrenden Zug entlangrennt, bevor es in einer dramatischen Einstellung aus der Höhe auf einen randvoll mit Getreidekörnern gefüllten offenen Güterwagon (Hopper Car) aufspringt (wobei die Körner den Aufsprung weich abfedern).

Wolfsblut (1991) 1991 besetzte die Wald Disney Company Jed erneut als Hundedarsteller in einer filmtragenden Rolle: Diesmal trat er als Titelfigur in einer Adaption des Jack-London-Romans Wolfsblut (White Fang) auf, in der er an der Seite von Ethan Hawke spielte.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Jed bei seinem Hundetrainer Clint Rowe in Kalifornien.

Literatur Wolf Meets Civilization, in: New York Times vom 18. Januar 1991. The Journey of Natty Gann bei TV-Tropes

Weblinks Eintrag in der Internet Movie Database "The thing about that dog in “The Thing,” now in the National Film Registry", bei: Timeless Stories from the Library of Congress (Beitrag über Jed im Blog der US-Kongressbibliothek anlässlich der Aufnahme von The Thing in die National Filmregistry)

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