mini|Fritz Ramseyer

Fritz Ramseyer, offiziell Friedrich August Louis Ramseyer (* 7. Oktober 1840 in Neuchâtel, heimatberechtigt in Konolfingen, Kanton Bern; † 6. August 1914 ebenda), war ein Schweizer evangelischer Missionar der Basler Mission an der Goldküste, im heutigen Ghana.

Leben Ramseyer war ein Sohn des Unternehmers Samuel Louis Ramseyer und seiner Frau Louise Madeleine, geborene Hammer. Von 1861 bis 1864 besuchte er die Missionsschule Basel, aber er wurde nicht ordiniert. Von 1864 bis 1908, also ganze 44 Jahre, war er für die Basler Mission als Missionar an der Goldküste im heutigen Ghana tätig. Zuerst leitete er Bauarbeiten bei Christiansborg, der ehemaligen dänischen Festung bei Accra, er lernte Englisch und die örtliche Sprache Ga. Im April 1866 heiratete er die ihm nachgesandte Schweizerin Rose Bontems, und das junge Ehepaar wurde nach Anum am Voltafluss, in eine damalige politische Konfliktzone, versetzt.

1869 nahmen Soldaten der Aschanti das Ehepaar Ramseyer, ihren kleinen Sohn und den Missionskaufmann Johannes Kühne gefangen und verschleppten sie nach Kumase. Der Sohn starb unterwegs. Die Aschanti wollten sie als Faustpfand gegenüber den englischen Kolonialherren einsetzen, was jedoch nicht gelang. Nach vier Jahren wurden sie freigelassen, weil England seine Militärmacht trotzdem gegen das Aschantireich vorrücken liss und Komasi sogar zerstörte. In Tagebüchern hielten die beiden Männer ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Beobachtungen fest. Fritz Ramseyer zog nach Abetifi in der Region Kwawu, wo er unter Zustimmung der örtlichen Chefs eine Missionsstation eröffnen, in Dörfern predigen und Kirchen und Schulen gründen konnten. Dank Vermittlung von Ramseyer konnte Ende der 1880er-Jahre der englische District Commissioner Doctor Smith einen Protektoratsvertrag mit den lokalen Herrschern unterzeichnen. Nach 1888 erstellte Ramseyer auch Fotografien, die in Europa in Bildbänden, Büchern und Broschüren publiziert und auch bei zahlreichen Vorträgen gezeigt wurden.

Die britische Besetzungsmacht eroberte Komasi erneut am 17. Januar 1896, der Asantehene, der Herrscher, Agyeman Prempe wurde abgesetzt und mit seinem Hof weit weg auf die Seychellen verbannt. Zusammen mit seinem Neffen Edmond Perregaux begann Ramseyer vor Ort zu wirken, und im Jahr darauf wurde die erste Taufe durchgeführt. Im Jahr 1900 kam es zu einem letzten Aschanti−Aufstand unter Yaa Asantewaa, der Mutter des Königs, der aber von den Briten niedergeschlagen wurde. Fritz und Rose Ramseyer fanden mit weiteren Europäern in dieser Zeit zuerst Zuflucht in einem britischen Fort ausserhalb Komasi und flohen später in den Süden an die Küste, wo die Briten uneingeschränkt herrschten. Einige einheimische Christen wie Maxwell Okanta, Helena Sakyiama und Samuel Otu starben im Fort oder anderswo während des Aufstands.

Im Dezember 1900 konnte Ramseyer zurückkehren und mit dem Wiederaufbau der Missionsstation beginnen. Im Jahr darauf wurden die Einheimischen N. V. Asare und Samuel Kwafo seine Mitarbeiter. Die Missionare Andreas Bauer, Arthur Jehle, Friedrich Adolf Jost, Immanuel Bellon und Balthasar Groh arbeiteten auch mit Ramseyer zusammen, und sie führten seine Arbeit fort und gründeten weitere 16 Missionsstationen. Ramseyer wurde einerseits von vielen Einheimischen geschätzt und geehrt, andererseits wurde er auch als britischer Spion angesehen und von einigen Aschantis abgelehnt.Emmanuel Anim Nyanteh: A Dream Becoming a Reality: Missionary Fritz Ramseyer and the beginning of Christianity on the Asante Land, Website eccleshistsoc.wordpress.com (7. Mai 2024, englisch, abgerufen am 31. Juli 2026)

Wegen Krankheit musste seine Frau Rose Ramseyer die Goldküste 1904 verlassen und starb zwei Jahre später in der Schweiz. Fritz verbrachte noch vier weitere Jahre in Kumase und kehrte 1908 in die Schweiz zurück, wo er 1914 mit 74 Jahren starb. Damals zählte man in Kumasi 20 christliche Gemeinden, etwa 800 Getaufte und 17 Schulen.Manuela Koncz: Vergesset Asante nicht! Der Beitrag des Basler Missionars Friedrich August Louis Ramseyer zur Asante Mission 1864–1896, Universität Wien, Wien 2021, S. 138

1926 wurde die von ihm unterstützte Missionskirche, die 1828 gegründetPresbyterianische Kirche von Ghana (PCG), Website ems-online.org (2023, abgerufen am 2. August 2026) und im 20. Jahrhundert nach schottischem Vorbild neu organisiert wurde, als Presbyterian Church of the Gold Coast (PCG) unabhängig.Peter Haenger: Fritz Ramseyer: Schweizer Missionar und kolonialer Agent, Website blog.nationalmuseum.ch (29. Oktober 2024, Aktualisiert am 17. Dezember 2025, abgerufen am 31. Juli 2026) Bis ins 21. Jahrhundert sind Tausende von Ortsgemeinden entstandenEmmanuel Anim Nyanteh: A Dream Becoming a Reality: Missionary Fritz Ramseyer and the beginning of Christianity on the Asante Land, Website eccleshistsoc.wordpress.com (7. Mai 2024, englisch, abgerufen am 31. Juli 2026), die 1.471.000 Mitglieder umfassen (Jahr 2024).PCG Membership Statistics 2024 Report, Website de.scribd.com (2025, englisch, abgerufen am 2. August 2026)

Familie Im April 1866 heiratete er in Ghana Rose Louise Bontems, eine Tochter des Henri Louis François, die 1906 starb. Ab 1908 war er mit Elisa Uranie Bornand, Tochter des Justin, verheiratet.

Gedenken mini|Ramseyer Memorial Presbyterian Church in Kumasi Ramseyer prägte sowohl die Arbeit der Mission vor Ort als auch das Bild von Afrika und dessen Missionare im Westen. Sein Tagebuchbericht von 1874 über seine Gefangenschaft im Königreich Asante unter dem Titel Vier Jahre in Asante wurde beachtet und auf Französisch und Englisch übersetzt und mehrfach aufgelegt.

In Ghana sind heute mehrere Kirchen, einheimische Bildungsinstitutionen sowie die Schweizerschule in Accra nach ihm benannt.

Die von Ramseyer gemachten Fotografien ab 1888 werden im Archiv der Basler Mission und der Yale University aufbewahrt.Paul Jenkins: Ramseyer, Fritz. Alternate Names: Friedrich Augustus Louis Ramseyer, 1840–1914, Basel Mission, Ghana, Dictionary of African Christian Biography, Website dacb.org (aus: Gerald H. Anderson: Biographical Dictionary of Christian Missions, W. B. Eerdmans Publishing Company, Grand Rapids 1998; englisch, abgerufen am 31. Juli 2026)

Schriften (Auswahl) Vier Jahre in Asante, Tagebücher der Missionare Ramseyer und Rühne aus der Zeit ihr Gefangenschaft, bearbeitet von Hermann Gundert, 1874; reprint 2010. Four Years in Ashantee, 1875. Achtzig Ansichten von der Goldküste nach Originalaufnahmen des Missionars Fritz Ramseyer, Neuchâtel 1895.

Literatur

Hans Anstein: Nicht durch Heer oder Kraft. 125 Jahre Basler Mission, 1815–1940, Missionsbuchhandlung Basel 1940. Kwame Arhin: The missionary role on the Goldcoast and in Ashanti: Reverend F. A. Ramseyer and the British take-over of Ashanti 1869–1894, in: Research Review 4/2, 1968, S. 1–15. Rexford Kwasi Asamoah-Prah: The Contribution of Ramseyer to the Development of the Presbyterian Church of Ghana in Asante, Dissertation, Kumasi 2011. Die Basler Mission im Spannungsbereich afrikanischer Integrationsversuche und europäische Kolonialpolitik (Kawhu/Ghana, 1875–1888), M. A. Thesis, Universität Basel, Basel 1989. Bruno Bassi: The beginnings of the Presbyterian Church (the Basel Mission Work) in Kwahu, Ghana. Seminararbeit. Abetifi 1977. Adam Jones: Four Years in Asante One Source or Several? History of Africa 18, 1991, S. 173–203. Gottfried Keller: Fritz Ramseyer. Ein Gotteszeuge an der Goldküste, 1950. Irmgard Kirchner: Weisse Herren und Schwarze Christen. Aktivitäten der Basler Mission in Ashanti, Ghana, zwischen 1896 und 1914, im Kontext der frühen Kolonialgeschichte. Ein Beitrag zur Ethnohistorie, Dissertation an der Universität Wien, Wien 1989. Manuela Koncz: Vergesset Asante nicht! Der Beitrag des Basler Missionars Friedrich August Louis Ramseyer zur Asante Mission 1864–1896, Universität Wien, Wien 2021 (doi:10.25365/thesis.14764). M. A. Kwamena-Poh: The Reverend E A. Ramseyer and the Foundation of the Presbyterian Church in Kumase, University Press, Kumasi 1974. Gottlieb Nyfeler: Die Geschichte der Basler-Mission in Asante, Missionshaus Basel 1925. Gottlieb Nyfeler: Zweimal dem Tode entronnen. Aus dem bewegten Leben von Fritz Ramseyer, Missionsbuchhandlung Basel 1942. Fritz Raaflaub: Der bleibende Auftrag. 150 Jahr Basler Mission, Evangelischer Missionsverlag Basel/Basileia Verlag Stuttgart 1965. W. J. Rottmann: Church History in Twi. Wilhelm Schlatter: Geschichte der Basler Mission 1815–1915. Die Heimatgeschichte der Basler Mission. 2 Bände, Missionsbuchhandlung, Basel 1916. Christine Christ-von Wedel, Thomas K. Kuhn (Hrsg.): Basler Mission. Menschen, Geschichte, Perspektiven 1815–2015. Basel 2015.

Weblinks

Fotografien des Missionars Ramseyer, Afrika im Fokus – BM Archives, Universität Zürich, Website adfontes.uzh.ch (2026). Peter Haenger: Fritz Ramseyer: Schweizer Missionar und kolonialer Agent, Website blog.nationalmuseum.ch (29. Oktober 2024, Aktualisiert am 17. Dezember 2025). Paul Jenkins: Ramseyer, Fritz. Alternate Names: Friedrich Augustus Louis Ramseyer, 1840–1914, Basel Mission, Ghana, Dictionary of African Christian Biography, Website dacb.org (aus: Gerald H. Anderson: Biographical Dictionary of Christian Missions, W. B. Eerdmans Publishing Company, Grand Rapids 1998). Emmanuel Anim Nyanteh: A Dream Becoming a Reality: Missionary Fritz Ramseyer and the beginning of Christianity on the Asante Land, Website eccleshistsoc.wordpress.com (7. Mai 2024, englisch). Andrea Rhyn: Der Mann mit der Glocke, Website mission-21.org (2017).

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