mini|hochkant|Laurent Magnier: Le Printemps (1674/1681) Marmor. Château de Versailles Laurent Magnier (* 1618 in Paris; † 6. Februar 1700 ebenda) war ein französischer Bildhauer.

Leben Laurent Magnier war der Vater und Lehrer des Bildhauers Philippe Magnier. Zunächst arbeitete er als Mitarbeiter seines Vaters, bevor er sich von 1638 bis 1643 in Italien weiterbildete, insbesondere durch Antikenstudien in Rom. Ab 1643 betrieb er eine eigene Werkstatt in Paris und wurde in die Académie de Saint-Luc aufgenommen. Für deren Belange engagierte er sich stark: 1650 war er Juror und Aufseher, 1651 bemühte er sich – vergeblich – um einen Zusammenschluss mit der Académie royale de peinture et de sculpture. Er handelte eine Vereinbarung zum Wechsel von Meistern der Académie de Saint-Luc zur Académie royale ohne Vorlage eines Aufnahmestücks aus. Diese wurde jedoch nicht umgesetzt. Zudem verfasste er ein neues Statut zur Regelung der Meisterzulassung. Von 1655 bis 1658 war er Schatzmeister der Académie de Saint-Luc.

1664 wurde er agréé, 1667 schließlich Mitglied der Académie royale. Das dabei vorgelegte Marmorbasrelief Le Combat de l’Art contre la Nature (Louvre) fand große Zustimmung bei Charles Le Brun, der Magnier in der Folge mehrfach königliche Aufträge vermittelte. 1675 erwarb er ein Landhaus in Longjumeau (Essonne), wo sich durch die Beziehungen zu Antoine Coëffier de Ruzé weitere Aufträge ergaben. Ab 1687 war er associé à professeur, ab 1690 professeur und ab 1692 schließlich conseiller professeur der Académie royale. Kontakte zu bedeutenden Künstlern seiner Zeit sind durch Taufpaten seiner Kinder überliefert, darunter François Anguier und Charles Errard sowie die Ehefrau von Jacques Sarazin.

Die frühesten dokumentierten Werke Magniers sind religiöse Skulpturen für die Pariser Kirchen Sainte-Catherine (Basrelief, 1643) und Notre-Dame-d’Auteuil (nicht erhaltene Holzarbeiten für den Hochaltar, 1645). Damit machte er einflussreiche potenzielle Auftraggeber auf sich aufmerksam, insbesondere den kunstsinnigen Kanzler Pierre Séguier. Für diesen fertigte er von 1645 bis 1648 zunächst Wappenschilde und drei Statuen für den Couvent des Pères de Notre-Dame de Nazareth in Paris; diese sind heute nicht mehr erhalten. Über diese Kontakte erhielt er ab 1652 zahlreiche lukrative Aufträge für königliche Residenzen. Von 1652 bis 1655 war Laurent Magnier in den Gemächern Ludwigs XIV. im Pariser Louvre mit diversen Holzarbeiten beschäftigt, darunter Ornamente für die Deckenmalerei im Cabinet du Roi (nicht erhalten) sowie ein Basrelief mit Kindern (um 1655, vor Ort erhalten). Im Jahr 1665 lieferte er das Modell für einen von Jean Gravet in Form eines Schiffs gefertigten goldenen Tafelaufsatz, der den Namen Nef du Roi trug und zu den bedeutendsten Stücken der königlichen Sammlungen zählte. Das Modell basierte auf einer Zeichnung von Charles Le Brun. Das Original ist verschollen, doch es ist unter anderem durch eine Plafondmalerei von René-Antoine Houasse in Versailles (Salon de l’Abondance) überliefert.

mini|Laurent Magnier: Le Combat de l’Art contre la Nature (1667). Musée du Louvre, Paris Laurent Magnier führte in enger Zusammenarbeit mit Nicolas Legendre mehrfach Stuck- und Holzdekorationen für königliche Schlösser aus: in den Tuilerien in Paris (1666–1670), der Chambre du Roi in Chambord (1668), der Grande Galerie im Louvre (1668–1671) und im Petit Appartement du Roi in Schloss Saint-Germain-en-Laye (1669; alle nicht erhalten). Von 1680 bis 1682 fertigte er für die Gartenfassade des Schlosses Clagny zwei Steinstatuen, die ebenfalls nicht erhalten sind. Auch für die Stadt Paris war er tätig und lieferte unter anderem Brunnenschmuck für die Fontänen Capucines (1674), Échaudé (1675) und du Pont Notre-Dame (1676; allesamt nicht erhalten). Daneben arbeitete er weiterhin für Kirchen und Kapellen, vor allem nach Entwürfen von Pierre Bullet. Für die Kapellen Sainte-Marguerite (vergoldete Bronze und Holz, 1677–1679) und Saint-Casimir (1682) in der Pariser Kirche Saint-Germain-des-Prés fertigte er die Altäre, die sich noch heute dort befinden.

Werke (Auswahl) Fontainebleau, Musée national du Château, ehemaliges Appartement der Königinmutter, um 1654/55 Paris, Louvre Paris, Kirche Saint-Germain-l’Auxerrois: Kanzler Étienne II d’Aligre, Statue, Marmor, 1677 (Hauptwerk; Überrest von dessen Grabmal) Paris, Lycée Henri-IV (ehemalige Abtei Sainte-Geneviève): u. a. fünf Statuen, Stein, 1680 Pontoise, Église du Carmel: Notre-Dame de Miséricorde, Statue, Stein, um 1645/52 (ursprünglich vier Figuren) Rennes, Palais de Justice (ehemaliges Parlament der Bretagne), ehemalige Grande Chambre du Parlement, Plafond: gesamtes Schnitzwerk, Holz, um 1658 Versailles, Schloss, Park, Bain des Nymphes: Basrelief, Blei, 1670 Versailles, Schloss, Park: Flora, Statue, Marmor, um 1674/81 (nach Zeichnung von Charles Le Brun) Versailles, Schloss, Park, Parterre de Latone: Circé, Herme, Marmor, 1684–1686 (nach Zeichnung von Pierre Mignard) Versailles, Schloss, Hauptgebäude, Nordfassade: Statuen, Basreliefs, 1671 Versailles, Schloss, Antichambre und Escalier de la Reine: Stuckarbeiten, 1678–1681 Longjumeau, Pfarrkirche Notre-Dame: Kruzifix, Marmor, um 1690 (ehemals am Hochaltar der Kirche des Priorats Saint-Éloy in Longjumeau)

Literatur

François Souchal: French Sculptors of the 17th and 18th Centuries. The Reign of Louis XIV. Bd. III, Cassirer, Oxford 1987 (Werkverzeichnis und Literatur). Pierre Kjellberg: Dictionnaire de la sculpture française du Moyen Âge au XXe siècle. Éditions de l’Amateur, Paris 1992. Jean-René Gaborit (Hrsg.): Musée du Louvre. Département des Sculptures du Moyen Âge, de la Renaissance et des Temps modernes. Sculpture française II. Renaissance et Temps modernes. 2 Bde., Réunion des Musées Nationaux, Paris 1998. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 9: Maele – Müller. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009.

Weblinks

Catalogue des sculptures des jardins de Versailles et de Trianon

Einzelnachweise

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