Quintet (London) 2004 (Live at the Royal Festival Hall) ist ein Musikalbum von Anthony Braxton. Die 2004 in der Royal Festival Hall in London entstandenen Aufnahmen erschienen im Oktober 2005 auf Leo Records.
Hintergrund Das Album dokumentiert die BBC/Jazz on 3-Mitschnitte des Anthony-Braxton-Quintetts, das 2004 beim London Jazz Festival den ersten Teil des Programms spielte. Braxton wechselte hier häufig die Instrumente – neben seinem Sopransaxophon spielte er auch Alt-, Tenorsaxophon und Klarinette. Am Schlagzeug saß Satoshi Takeishi; die Trompete spielte Taylor Ho Bynum, Chris Dahlgren Bass und Mary Halvorson Gitarre. Das Stück beginnt mit Braxtons Sopransaxophon, einer schlanken, aber prägnanten E-Gitarre, gedämpfter Trompete, Kontrabass und Tom-Tom-betonten Drums. Alle spielen eine Reihe von abrupten Motiven, die als ausgedehntes Thema des Werkes fungieren. Die Band kehrt im Laufe der 49 Minuten immer wieder zu diesem Thema zurück, während verschiedene Themen und Improvisationen eingeführt werden.
Titelliste Anthony Braxton: Quintet (London) 2004 (Live at the Royal Festival Hall) (Leo Records – CD LR 449) Composition 343 − Part 1 49:17 Composition 343 − Part 2 10:52
Die Komposition stammt von Anthony Braxton.
Rezeption mini|Taylor Ho Bynum, Moers Festival 2007 Thom Jurek verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und schrieb, wer geglaubt habe, Anthony Braxtons letztes großes Quartett – mit Marilyn Crispell Gerry Hemingway und Mark Dresser – sei seine letzte große Band gewesen, sollte seine Meinung überdenken. Dokumentation des Auftritts des neuen Braxton-Quintetts in London 2004 beweist – mit einer Band, die er seitdem zusammenhält –, hat er eine weitere zusammengestellt. Mit einem einstündigen Set aus „Composition 343“ habe diese junge Band das Publikum zu Tränen hingerissen. Die Band würde im Laufe der 49 Minuten immer wieder zum Thema der Komposition zurückkehren, während verschiedene [weitere] Themen und Improvisationen eingeführt werden. Das Zusammenspiel der Musiker sei hier verblüffend.
Die Dramatik und die dynamischen Wechsel seien stellenweise atemberaubend, und die erzeugten Spannungen fast unerträglich, da Braxton in seinen Werken nie die Bereitschaft gezeigt habe, sie aufzulösen. Nach dem Ende des Stücks hätte sich das Publikum überwältigt von dem Erlebten gezeigt (ein Gefühl, das zweifellos jeder teilt, der diese Aufnahme wiederholt und unvoreingenommen hört), erleichtert aufgeatmet und Braxton und seine Band mit tosendem Applaus gefeiert. Der zweite Titel, „Composition 343, Pt. 2“, sei die Zugabe der Band und wirke wie eine frei improvisierte Komposition. „Composition 343“ sei ein wahres Meisterwerk seines Schaffens, interpretiert von Bandmitgliedern, die es verstanden, jene ganz eigene, tiefgründige Stimmung in ihm zu erzeugen. Brillant und uneingeschränkt empfehlenswert. mini|Mary Halvorson Dieses Konzert sei der unbestrittene Höhepunkt des London Jazz Festivals 2004 gewesen, meint John Eyles in All About Jazz. Braxton, der nach Jahren (Jahrzehnten?) erstmals wieder in Großbritannien auftrat, spielte den ersten Teil eines Doppelkonzerts (im zweiten Teil trat Cecil Taylor auf) und hael allen die Show gestohlen. Diese Veröffentlichung sei für alle, die das Konzert besucht oder im BBC-Rundfunk gehört haben (es handelt sich um die BBC-eigene Aufnahme), eine originalgetreue Wiedergabe der Musik. Wer es noch nie gehört hat, dem würde ein wahrer Genuss bevorstehen. „Composition 343“ set so kantig und atonal wie kaum ein anderes Stück von Braxton. Dennoch würde er das Orchester mitreißend anführen und der Interpretation Leben und Energie verleihen. In seinen Händen wirke das Werk stimmig. Er präsentiere sich als Musiker in beeindruckender Form; seine Soli seien abwechslungsreich und fesselnd; sein Höhepunkt folge nach etwa sechzehneinhalb Minuten mit einem ausgedehnten, rasant artikulierten Solo, das dem Ensemble einen Adrenalinschub verleihe. Auch die anderen Musiker würden Anerkennung verdienen; insbesondere die Trompete ergänze das Saxophonspiel des Bandleaders perfekt. Taylor Ho Bynum erreiche dieselbe Balance zwischen Artikulation und Unvorhersehbarkeit wie Braxton selbst. Eine besondere Erwähnung verdiene auch die Gitarristin Mary Halvorson, die stets mit frischen Ideen und interessanten Einfällen aufwarten.
Ein wesentlicher Grund für die Popularität des Mitschnitts sei die unverkennbare Jazz-Bezugskraft gewesen, meint John Fordham (The Guardian). Der Chicagoer Multiinstrumentalist habe mit seinem Schüler Taylor Ho Bynum einen Free-Jazz-Trompeter mit einer ganz eigenen, kantigen und präzisen Spielweise, den brillanten Perkussionisten Satoshi Takeishi und die beiden aufmerksamen und gruppenorientierten Musiker Chris Dahlgren (Bass) und Mary Halvorson (Gitarre) zusammengebracht.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2005 Kategorie:Livealbum Kategorie:Anthony-Braxton-Album