mini|Palazzo del Termine – Der Ende des 15. Jahrhunderts errichtete Nordflügel in der Via Dossi Der Palazzo del Termine oder Palazzo della Lega oder Palazzo di Nicolò d’Arco ist ein Stadtpalais in der italienischen Kleinstadt Arco im Trentino. Er ist einer von fünf Palazzi in Arco, die von verschiedenen Familienzweigen der Arcos errichtet und bewohnt wurden. Der Palazzo ist mit Fresken verziert, die vom kulturellen Klima des Hofes der Gonzaga in Mantua beeinflusst sind.

Geschichte mini|hochkant|Nord- und Ostflügel Im 16. Jahrhundert kam es im Zuge der Renaissance, auch dank des zunehmenden Handels und des damit verbundenen Reichtums, zu zahlreichen Veränderungen in Arco. In dieser Zeit des Umbruchs entschlossen sich die Arcos, neue und bequemere Residenzen im Zentrum der Stadt zu errichten und die Burg Arco als Wohnsitz aufzugeben.Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 5.

In diesem historischen Kontext entstand Ende des 15. Jahrhunderts nach dem östlich angrenzenden Palazzo Nuovo der zweite Familienpalast in der Stadt. Er wurde zwischen den 1480er und 1490er Jahren errichtet. Sein Bau steht im engen Zusammenhang mit der testamentarischen Ernennung der Brüder Andreas und Ulrich von Arco zu gleichberechtigten Erben durch ihren Vater, Franz von Arco, im Jahr 1482. Möglicherweise entschlossen sich die beiden Brüder daraufhin, jeweils ein eigenes Stadtpalais zu errichten.Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 5–6.

Eine Datierung des Baus ist unter anderem anhand der Fresken möglich, mit denen der Palazzo del Termine sowohl Innen als Außen verziert ist. Die ältesten davon finden sich im zweiten Stock des Nordflügels und können dem späten 15. Jahrhundert zugeordnet werden. Sie entstanden vermutlich, wie die Fresken in der Kirche San Rocco im Stadtteil Caneve, im Zusammenhang mit der Hochzeit von Ulrich von Arco mit Susanna di Collalto, die je nach Quelle 1480Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 6. oder 1481Silvia Coraiola: Arco dipinta nel Quincento: Il palazzo d‘Arco – Marchetti e la chiesa San Rocco a Caneve. S. 127. zelebriert wurde. Beide Freskenzyklen wurden vom gleichen Maler, Gaspare Rotaldo, ausgeführt und zählen zu den ältesten Renaissance-Fresken im Bereich des Oberen Gardasees.Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 19.

Bauherr war Ulrich von Arco, worauf das Fresko seines Stammwappens, und das seiner zwei Ehefrauen, Cecilia di Gonzaga und Susanna di Collalto, hindeuten.Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 7. Nach dem Tod von Ulrich von Arco wurde er von seinen beiden Söhnen Nicolò und Paolo d’Arco bewohnt. Ende des 16. Jahrhunderts gelangte er durch Heiratspolitik in den Besitz des Andreasischen Familienzweiges.Romano Turri: Il Palazzo di Nicolò d’Arco, o del Termine, o della Lega. S. 40–44.

1825 verkauften die mittlerweile in Salzburg lebenden Nachfahren den Palazzo del Termine an Bartolomeo Marcabruni, der dem reichen Besitzbürgertum der Stadt angehörte. Möglicherweise verbrachte Giovanni Prati hier 1848 seinen Hausarrest, zu dem er von den österreichischen Behörden verurteilt worden war. 1880 kaufte die Familie Baldessari das Gebäude. Noch vor dem Ersten Weltkrieg zog der Bauernbund in das Haus. 1933 musste der von den Faschisten nicht gern gesehene Bauernbund ausziehen. An seiner Stelle zog die örtliche Raiffeisenbank ein, die den Bau renovieren ließ. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs war im Palazzo del Termine die örtliche Parteizentrale der Democrazia Cristiana untergebracht. Seit 1956 befindet sich dort ein Gaststättenbetrieb. Zwischen 1980 und 1984 wurde das Gebäude umfassend renoviert.Romano Turri: Il Palazzo di Nicolò d’Arco, o del Termine, o della Lega. S. 50–51.

Name Der Bau wurde im Laufe der Geschichte unterschiedlich benannt. Jede Bezeichnung ist eng mit dem Verwendungszweck des Palastes verbunden. Nach der Adrianischen Teilung 1512 hieß er zunächst Palazzo del Termine in Anlehnung daran, dass er nach der Aufteilung der Grafschaft auf die beiden Brüder Andreas und Ulrich von Arco an der Grenze (ital. termine) der beiden Signorien lag. Noch im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde er nach seinem wohl berühmtesten Bewohner, dem Poeten und Humanisten Nicolò d’Arco, benannt.Romano Turri: Il Palazzo di Nicolò d’Arco, o del Termine, o della Lega. S. 33. Im 18. Jahrhundert taucht in notariellen Urkunden der Name Palazzo Vascolante oder Vasocolante in Anlehnung an den gleichnamigen Stadtteil auf.Romano Turri: Il Palazzo di Nicolò d’Arco, o del Termine, o della Lega. S. 46. Noch vor dem Ersten Weltkrieg wurde er als Palazzo della Lega bekannt, da er Sitz des örtlichen Bauernbundes, der Lega dei Contadini, war.

Beschreibung mini|Die im späten 19. Jahrhundert erbaute Südfassade in der Via Vergolano Der Bau wurde am Fuß des Burgberges in leicht abschüssigem Gelände errichtet. An der einige Meter höheren Nordseite liegt der ehemalige Haupteingang des Gebäudes. Nach dem Bau des Nordflügels Ende des 15. Jahrhunderts entstanden im 16. Jahrhundert die Ost- und Westflügel.Nicolò Rasmo: Beni culturali nel Trentino: Affreschi e sculture. Interventi dal 1979 al 1983. S. 80–81. Im späten 19. Jahrhundert wurden die beiden Seitenflügel schließlich durch den Südflügel miteinander verbunden.Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 8.

Der Palazzo hat einen hufeisenförmigen Grundriss und besitzt einen Innenhof. An den Nordflügel schließen die symmetrischen und etwas niedrigeren Ost- und Westflügel an. Letztere sind an der Südseite durch den nur einstöckigen Südflügel in der Via Vergolano miteinander verbunden. An den Nahtstellen sind am West- und Ostflügel noch die zum Teil zugemauerten ehemaligen Fenster- und Türöffnungen zu erkennen. Vermutlich befand sich früher an der Stelle des Südflügels eine Terrasse oder ein Portikus, wie er noch am Palazzo Nuovo zu sehen ist. Eine Besonderheit im Trentiner Raum stellen die Kamine im venezianischen Stil dar, wie sie auch am nur wenige hundert Meter entfernten Palazzo Marchetti vorzufinden sind. Der hoch aufragende Nordflügel in der Via Dossi besticht auch durch seine auffällig stark vergitterten Fenster im Erdgeschoss.Romano Turri: Il Palazzo di Nicolò d’Arco, o del Termine, o della Lega. S. 53.

Von Innenhof des Palazzo führen zwei Freitreppen in den ersten Stock, in dem sich die Repräsentationsräume befanden.

Fresken mini|hochkant|Palazzo del Termine – Ostseite mit freskiertem Dachüberstand und „venezianischem“ Kamin Im Innenhof ist der Dachüberstand mit Fresken ausgeschmückt die Episoden aus dem in der Renaissance sehr populären Factorum ac dictorum memorabilium libri IX von Valerius MaximusElisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 47. zeigen. Dieser Zyklus wird von verschiedenen Stammwappen unterbrochen. Letztere stellen zusammen mit anderen in den Innenräumen des Palazzo del Termine befindlichen Wappen eine Art Stammbaum der Grafen von Arco dar.Romano Turri: Il Palazzo di Nicolò d’Arco, o del Termine, o della Lega. S. 42–43, 53. Die Wappen sollen aber zudem den Besuchern des Palastes den sozialen Aufstieg und Rang der Familie Arco verdeutlichen.Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 17.

Am Dachüberstand des Innenhofs sind von Ost nach West die Stammwappen der Collalto, der Trautmannsdorf, des Familienzweiges des Ulrich von Arco, das durchbrochene Wappen mit den Farben der Erzherzöge von Österreich, das Reichsbanner, das Familienwappen derer von Cles, das Wappen der Serego-Malaspina und als Letztes, das der Gonzaga zu sehen.Romano Turri: Il Palazzo di Nicolò d’Arco, o del Termine, o della Lega. S. 53–56.

Ausgeführt wurden die Malereien 1537 im Auftrag von Nicolò d’Arco durch Dionisio Bonmartini, der zu den bedeutendsten trentiner Malern seiner Zeit zählt. In seinen Arbeiten am Palazzo del Termine, sind deutliche Bezüge zur figurativen Kultur des Veroneser Manierismus sowie Einflüsse von Giulio Romano zu erkennen. Beeinflusst wurde Bonmartini zudem von den Arbeiten des Dosso Dossi, Marcello Fogolino und des Romanino, die im Auftrag von Fürstbischof Bernardo Clesio am Castello del Buonconsiglio in Trient tätig waren. Der Maler hinterließ am Dachüberstand des Ostflügels unterhalb des Motivs, das sich mit der Legende von Gaius Mucius Scaevola befasst eine Inschrift. Weitere Motive gehen auf die Figuren des Marcus Curtius, Manius Curius Dentatus, der Lucretia und des Ptolemaios XIII. ein, der Caesar den Kopf des Pompeius überreicht.Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 21–22, 49–56.

Über den Episoden des Factorum sind im Innenhof eine Reihe von Szenen mit spielenden Putten abgebildet. Einer der Putten hält ein Buch in der Hand, aus dem der Leitspruch des Hauses mit dem Wunsch nach Frieden für die Bewohner hervorgeht: Pax huic domini et omnes abitantes in es (Friede sei mit diesem Herrn und mit allen, die in dir wohnen).Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 65.

Von Bonmartini stammen auch die Fresken, an dem zur Via Dossi gelegenen Dachüberstand an der Nordseite des Palazzo del Termine. Sie zeigen Szenen aus den Metamorphosen des Ovid. Ebenso wurden von ihm die Fresken im sogenannten Studienzimmer des Nicolò d’Arco angefertigt. Letzteres wird im Innenhof über ein Steinportal im lombardischen Stil aus dem 16. Jahrhundert betreten. Das Zimmer, mittlerweile als Speisesaal der Gaststätte genutzt, ist wie der Dachüberstand mit verschiedenen Stammwappen geschmückt. In der Mitte des Tonnengewölbes prangt das Banner von Kaiser Karl V. Rechts neben dem Eingang ist das Bildnis des Auftraggebers, Nicolò d’Arco, abgebildet. Die Fresken des Studienzimmers sind von Arbeiten im Palazzo del Te und Palazzo Ducale in Mantua beeinflusst.Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 33–42.

Im ersten Stock findet sich in einem großen Saal ein weiterer zum Teil nur fragmentarisch erhaltener Freskenzyklus mit Grotesken, die von Arbeiten von Marcello Fogolino inspiriert und zwischen 1539 und 1545 entstanden sind. Ebenfalls zum Teil bemalt ist die Kassettendecke des Saals, die der Kassettendecke im benachbarten Palazzo Marchetti ähnelt. Sie ist mit weiteren Stammwappen verwandter Adelsgeschlechter verziert, wie den Madruzzo und den Wolkenstein.Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. S. 95–99.

Literatur Nicolò Rasmo: Beni culturali nel Trentino: Affreschi e sculture. Interventi dal 1979 al 1983. Provincia autonoma di Trento – Assessorato alle attività culturali, Trient 1983. Romano Turri: Il Palazzo di Nicolò d’Arco, o del Termine, o della Lega. In: il Sommolago: periodico di arte, storia e cultura. Jahrgang 8 – Nr. 3, Dezember 1991, S. 33–64. Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. In: il Sommolago: periodico di arte, storia e cultura. Jahrgang 25 – Nr. 3, Dezember 2008, S. 5–114. Silvia Coraiola: Arco dipinta nel Quincento: Il palazzo d‘Arco – Marchetti e la chiesa San Rocco a Caneve. Il Sommolago – Comune di Arco, Arco 2019, ISBN 978-88-99769-116.

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Einzelnachweise

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