Die Marineinfanterie der Streitkräfte der Ukraine (, ) stellen die Marineinfanterie der ukrainischen Streitkräfte und sind seit 2023 eine separate strategische Teilstreitkraft. Sie werden für amphibische, luftgestützte und amphibisch-luftgestützte Operationen eingesetzt, allein oder in Koordination mit Verbänden und Einheiten der Bodentruppen, um Küstenabschnitte, Inseln, Häfen, Flottenstützpunkte, Küstenflugplätze und andere Küstenobjekte einzunehmen. Es kann auch zur Verteidigung von Marinestützpunkten, wichtigen Küstenabschnitten, einzelnen Inseln und Küstenobjekten sowie zur Sicherung feindlicher Gebiete eingesetzt werden.
Geschichte bis 2014 Die ukrainische Marineinfanterie stammt von den Formationen der Marineinfanterie der Schwarzmeerflotte der ehemaligen Kaiserlich Russischen Marine ab.
Hetmanat
Der ehemalige General der kaiserlichen russischen Armee, Pawlo Skoropadskyj, erkannte die Bedeutung der Marineinfanterie für die Sicherheit des neugegründeten Staates. Als Oberbefehlshaber der Land- und Seestreitkräfte trieb Skoropadskyj die Aufstellung der Marineinfanterie bereits in seinem ersten Amtsmonat voran. Am 23. Mai 1918 befahl er dem Marineabteilung, mit der Aufstellung einer Marineinfanteriebrigade aus drei Regimentern zu beginnen.
Die Aufgabe der Marineinfanterie bestand im Schutz der Küstengebiete, der Garnisonierung von Festungen und der Durchführung von Landungsoperationen. Gemäß Befehl war die Brigade in drei Regimenter unterteilt. Das erste Regiment war für das Gebiet zwischen der Westgrenze und dem Dorf Sytschawka bei Odessa zuständig. Das zweite Regiment deckte das Gebiet zwischen Sytschawka und Stanislawow ab. Das dritte Regiment sicherte das Gebiet von Stanislawow bis Perekop. Die Brigade war außerdem für die Bewachung des Eigentums der Marinebehörde verantwortlich.
Am 31. August 1918 erhielt jedes Regemint ein festes Hauptquartier. Der Standort des 1. Regiments befand sich in Odessa, das des 2. in Mykolajiw und das des 3. in Cherson. Ebenfalls zu dieser Zeit wurden zu dem drei Kavallerie-Schwadronen aufgestellt. Die erste war in Odessa, die zweite in Otschakiw und die dritte in Perekop stationiert.
Volksrepublik
Noch im selben Jahr wurde Skoropadskyj in einem von Symon Petljura angeführten Aufstand gestürzt und die Volksrepublik wiederhergestellt. Die Marineinfanterie diente ihrer Nation weiterhin treu, nun dem Banner der Ukrainischen Volksrepublik. Eine Schlüsselfigur der Marinetruppen während des ukrainischen Unabhängigkeitskrieg war der ehemalige Marineminister Mychajlo Bilynskyj. Im April 1919 wurde unter Bilynskyjs Kommando die 1. Marineinfanteriedivision aufgestellt. Die Einheit umfasste ein Marineinfanterieregiment, in welcher Huzulen aus der Umgebung von Kolomyja dienten. Viele von ihnen hatten zuvor in der österreichisch-ungarischen Marine gedient und wurden aufgrund ihrer geringeren Toleranz gegenüber kommunistischen Ideen rekrutiert. Die Einheit zeichnete sich durch ihre schwarzen Uniformen aus, die sowohl von Offizieren als auch von Mannschaften getragen wurden. Zur Ausrüstung der Soldaten gehörten Marinedirke.
Bilynskyjs Einheit nahm am erfolgreichen ersten Winterfeldzug teil, wurde aber nach dem Rückzug über den Sbrutsch wurden viele ihrer Soldaten in Internierungslager gebracht. Nach dem Vertrag von Riga marschierte die Einheit im Rahmen des zweiten Winterfeldzugs in die von den Bolschewiki kontrollierte Ukraine ein, um das Gebiet zu plündern und einen Aufstand gegen Moskau anzuzetteln. Am 12. November 1921 wurde Bilynskyj beim Überqueren des Flusses Teteriw verwundet, und am 17. November wurden die ukrainischen Truppen in der Schlacht bei Basar von der Kavallerie Grigori Kotowskis geschlagen. Umzingelt vom Feind, beging Bilynskyj Selbstmord, um der Gefangennahme zu entgehen. Dies markierte den letzten bewaffneten Versuch, die Unabhängigkeit der Ukraine während dieses Krieges zu erlangen.
Zu seinen Ehren trägt die 36. Marineinfanteriebrigade heute seinen Namen, welche während der Belagerung von Mariupol 2022 selbst bis zu letzt stand hielt.
Unabhängige Ukraine Am 22. Februar 1992 leistete das 880. Separate Marineinfanteriebataillon der Schwarzmeerflotte den Treueid auf die Ukraine.
Nach der Gründung der Seestreitkräfte am 1. Juli 1993 als eigenständige Teilstreitkraft wurde ein erstes Bataillon der Marineinfanterie in Sewastopol aufgestellt. Die ersten Marineinfanteristen wurden von den luftbeweglichen Truppen versetzt. Am 1. September 1993 wurde das 41. Separate Marineinfanteriebataillon gebildet. Am 20. September 1994 wurde die 4. Marineinfanteriebrigade im Dorf Tylowe auf der Krim stationiert. Von Mai 1996 bis 1998 war die Brigade Teil der Nationalgarde. 1998 wurde sie den Seestreitkräften unterstellt und in 1. Separate Marineinfanteriebrigade umbenannt. Im Jahr 1999 bestand die Brigade aus zwei Bataillonen mit insgesamt 1.500 Marineinfanteristen. Um die Jahre 2003 und 2004 wurde die sie um ein Bataillon verkleinert.
Das 1. Marineinfanteriebataillon war fortan der 36. Küstenverteidigungsbrigade unterstellt und in Feodossija stationiert.
Im Jahr 2013 beschloss das Kommando der Seestreitkräfte die Aufstellung eines neuen Marineinfanteriebataillons auf Basis eines mechanisierten Küstenverteidigungsbataillons aus Kertsch. Im Dezember 2013 leisteten die Angehörigen des neuen 501. Marineinfanteriebataillons ihren Eid.
Russisch-Ukrainischer Krieg
Annexion der Krim und Krieg im Donbas Die ukrainischen Marineinfanteristen waren mitunter die ersten die mit der russischen Invasion konfrontiert waren. Im Rahmen der Annexion der Krim überquerten russische Soldaten, später bekannt als Grüne Männchen, Ende Februar 2014 die Straße von Kertsch. Sie umstellten die Kasernen des 501. Bataillons in Kertsch, des 1. Bataillons in Feodossija und der 36. Brigade in Perewalne, wie auch des 127. Bataillons der Küstenwache. Sie wurden entwaffnet und vor die Entscheidung gestellt, sich den russischen Streifkräften anzuschließen oder in die unbesetzte Ukraine eskortiert zu werden, während einige ukrainische Offiziere gefangen genommen wurden.
Von den 300 Soldaten des 501. Bataillons kehrten nur 64 in die unbesetzte Ukraine zurück, während an seiner Stelle das russische 501. Marineinfanteriebataillon aufgestellt wurde. Von den 600 des 1. Bataillons setzten nur 137 ihren Dienst in den ukrainischen Streitkräften fort. Die 36. Küstenverteidigungsbrigade erlitt dasselbe Schicksal und wurde 2015 formell aufgelöst. Die Verbliebenen Marineinfanteristen setzten sich nach Mykolajiw ab. Dort wurde an der Stelle der Küstenverteidigungsbrigade und auf Basis der Überbleibsel der beiden Bataillone Anfang 2015 die heutige 36. Marineinfanteriebrigade gegründet.
Der einzige Verband der Marineinfanterie der nicht auf der Krim befand, war das 73. Marine-Speznas-Zentrum, welches in Otschakiw stationiert ist. Sein damaliger Kommandeur, Sintschenko Oleksij, welcher im August 2014 in der Oblast Donezk fiel, war der erste Marineinfanterist der im Kampfeinsatz starb.
Das aufgefrischte 1. Marineinfanteriebataillon wurde im Herbst ebenfalls in den Osten entsendet und erlit am 29. Oktober 2014 sein ersten Verlust in der Nähe von Mariupol. Der Marinesoldat war ein Major und wurde getötet, als seine Stellung unter russisches Artilleriefeuer geriet.
Noch im selben Jahr wurde der 16. November zum offiziellen Feiertag der ukrainischen Marineinfanterie erklärt, da an diesem Tag im Jahr 1992 der erste Treueid der Marineinfanteristen abgelegt wurde. Der Feiertag blieb bis 2018 an diesem Datum.
2016 begann die Militärakademie Odessa mit der Ausbildung des ersten Jahrgangs von Marineinfanterieoffizieren. Zuvor gab es keine spezielle Ausbildungsstätte für Marineinfanterieoffiziere, sondern sie stammten aus anderen Teilstreitkräften wie den Landstreitkräften oder den Luftbeweglichen Truppen. Aufgrund des Offiziersmangels in der Marineinfanterie wurden einigen Kadetten der Akademie, die für die Luftbeweglichen Truppen ausgebildet wurden, stattdessen Lehrgänge zur Marineoffizierslaufbahn angeboten. 2018 schlossen die ersten zwölf dieser Kadetten ihre Ausbildung als Leutnante der Marineinfante ab.
Im Januar 2018 wurde bekannt gegeben, dass die ukrainische Führung die Gründung eines Marinekorps plante, um alle Marineinfanterie- und Küstenartillerieeinheiten der ukrainischen Marine unter ein gemeinsames Kommando zu stellen. Zu diesem Zeitpunkt war die Marineinfanterie immer noch Teil der Seestreitkräfte. Die Schaffung dieser Struktur war ein Schritt zur Annäherung der Marine an NATO-Standards. Am 22. Februar 2018 dann wurde das Marineinfanteriekommando per Dekret geschaffen.
Am 23. Mai 2018 feierte die Marineinfanterie erstmals ihren heutigen Jahrestag. Der Feiertag wurde von Präsident Petro Poroschenko eingeführt um die ukrainische Militärgeschichte würdigen. Er erinnert an die Aufstellung der ersten Marineeinheiten im Mai 1918 während des Unabhängigkeitskrieges. Zudem wurden die schwarzen Barette durch blau-grüne, offiziell bennnat als Meereswelle, ersetzt.
Vollinvasion 2022 Auch seit Beginn der vollumfänglichen russischen Invasion sind die ukrainischen Marineinfanteristen aktiv in Kampfhandlungen verwickelt.
Mariupol Am 12. April 2022 tauchten Videos auf, die Soldaten des 501. Bataillons der 36. Brigade zeigten, die schworen, ihre Stellungen nicht aufzugeben. Sie meinten: „Wir halten jeden Teil der Stadt, wo immer es möglich ist“ und „Aber die Realität ist, dass die Stadt eingekesselt und blockiert ist und es keine Munitions- oder Lebensmittelversorgung gibt.“ Am nächsten Tag verkündeten das russische Verteidigungsministerium, dass 1.026 ukrainische Marinesoldaten, darunter 162 Offiziere, der 36. Brigade in Mariupol ihre Waffen niedergelegt und kapituliert hätten. Der Sprecher des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Oleksandr Motuzyanyk, erklärte, er habe keine Informationen zu dieser Behauptung. Weder das Büro des ukrainischen Präsidenten noch der ukrainische Generalstab äußerten sich umgehend dazu. Ein Berater des Präsidenten Wolodymyr Selenskyj erklärte, eine weitere Marineinfanterieeinheit, die im Zentrum von Mariupol eingekesselt war, habe den Durchbruch geschafft und sich mit dem Asow-Regiment verbunden. Am 16. April hatten sich die Marineinfanterie und das Asow-Regiment im Eisen- und Stahlwerk Asowstal, der letzten ukrainischen Bastion in Mariupol, verschanzt. Am 17. Mai kapitulierten die verbleibenden Verteidiger von Asowstal.
Gründung der eigenständigen Teilstreifkraft Anlässlich des 105. Geburtstags der Marineinfanterie am 23. Mai 2023 verkündete Präsident Selenskyj bei einem Besuch einer Einrichtung der Marineinfanterie, dass sie ab diesem Tag, nach mehr als drei Jahrzehnten seit seiner Reaktivierung, offiziell von der ukrainischen Marine getrennt und zu einer eigenständigen Teilstreifkraft der Streitkräfte der Ukraine erhoben werden. Dies sei ein Zeichen der Dankbarkeit für ihre Dienste an Nation und Volk, insbesondere während der andauernden russischen Invasion. Sein Kommandeur ist nun Teil des Generalstabs der Streitkräfte und wird vom ihrem Oberbefehlshaber ernannt.
Gründung des Marineinfanteriekorps Etwas ein Jahr später, am 16. März 2024, wurde das 30. Marineinfanteriekorps gegründet, welches alle kämpfenden Verbände der mittlerweile stark gewachsenen Marineinfanterie zusammenfasst.
Struktur 35px Kommando der Marineinfanterie (MUN A2022, Mykolajiw) 25px Marineinfanterie-Rekrutierungszentrum 25px Marineinfanterie-Grundausbildungsschule 25px 80. Marineinfanterie-Hauptquartier- und Dienstbataillon 25px 80. Seelsorgezentrum 25px 241. Marineinfanterie-Trainingszentrum 25px 319. Fernmeldeknoten 30px 30. Marineinfanteriekorps (MUN A4878) Hauptquartier 25px 7. Flugabwehrraketendywision 25px 15. Unterstützungsregiment 25px 18. Panzerabwehrbataillon 25px 32. Artilleriebrigade 25px 34. Küstenverteidigungsbrigade 25px 35. Marineinfanteriebrigade 25px 36. Marineinfanteriebrigade 25px 37. Marineinfanteriebrigade