Grace Kodindo (geb. 1960 in Doba, Tschad) ist eine Geburtshelferin im Tschad. Sie hat sich für Verbesserungen der reproduktiven Gesundheitsversorgung eingesetzt, nicht nur im Tschad, sondern auch in armen Ländern weltweit. Sie wurde in zwei BBC-Dokumentationen porträtiert: „Dead Mums Don’t Cry“ (2005 – Tote Mütter weinen nicht), die ihre Bemühungen zur Senkung der Sterblichkeitsrate von Schwangeren und Müttern dokumentiert, und „Grace Under Fire “ (2009 – Grace unter Feuer), die über ihre Beteiligung an einem Programm zur reproduktiven Gesundheitsversorgung in der Demokratischen Republik Kongo berichtet.

Leben Jugend und Ausbildung Grace Kodindo wurde 1960 in Doba im Süden des Tschad geboren. Sie ist die Tochter von Jean Kodindo Demba, einem Regierungsbeamten. Wie ihre vier leiblichen Brüder und Schwestern und ihre Halbgeschwister, wurde sie zur Schule geschickt. Nach ihrem Schulabschluss am Lycée Félix Éboué in N’Djamena erhielt sie ein Stipendium der kanadischen Regierung, welches ihr ein Studium der Medizin an der Université de Montréal ermöglichte.Emmanuel Kwaku Akyeampong, Henry Louis Gates, Steven J. Niven: Dictionary of African Biography. OUP USA: S. 406– google books ISBN 978-0-19-538207-5

Karriere Nach ihrer Rückkehr in den Tschad heiratete sie Amos Réoulengar, der 1982 Mitglied der Regierung von Hissène Habré wurde. Das Paar hatte zwei Söhne, trennte sich jedoch Ende der 1990er Jahre. Mitte der 1980er Jahre verbrachte Kodindo vier Jahre im Sudan, wo sie sich zur Gynäkologin ausbilden ließ. 1990 begann sie dank eines Stipendiums der französischen Regierung, die Säuglingssterblichkeit im Tschad zu senken, die mit 800 Todesfällen pro 100.000 Geburten die höchste weltweit war. Auch nach Auslaufen der Förderung arbeitete sie weiterhin in Krankenhäusern mit unzureichenden Ressourcen. Ihr selbstloser Einsatz in den 1990er Jahren wurde von Fachleuten in Europa und Nordamerika anerkannt.

Neben ihrer medizinischen Tätigkeit lehrte Kodindo auch Medizinstudenten an der Universität N’Djamena. Von 1997 bis 2006 arbeitete sie mit ihrer tschadischen Kollegin, der Ärztin Mariam Brahim, zusammen und koordinierte 1999 ein landesweites Programm zur Gesundheitsaufklärung von Kindern.Jeremy Rich: Kap. Brahim, Mariam. In: Dictionary of African Biography. vol. 1. Oxford University Press 2012: S. 519–520. google books ISBN 978-0-19-538207-5 Kodindo engagierte sich gegen weibliche Genitalverstümmelung und klärte über die damit verbundenen medizinischen Komplikationen auf. Für ihren Einsatz wurde sie 1997 mit der tschadischen Ehrenmedaille und im Jahr 2000 mit dem FIGO/Columbia University Mailman School of Public Health Distinguished Community Service Award für Notfallversorgung in der Geburtshilfe ausgezeichnet. Sie baute eine immer engere Beziehung zur Columbia University auf und lehrte schließlich an der Mailman School of Public Health.

2005 strahlte die BBC die Dokumentation „Dead Mums Don't Cry“ aus, die Kodindos Bemühungen zur Senkung der Sterblichkeitsrate von Frauen in Afrika während Schwangerschaft und Geburt dokumentierte. Damals lag die Sterblichkeitsrate schwangerer und gebärender Frauen im Tschad bei 9 %. Der Film wurde vielfach gezeigt und war Teil einer Präsentation von Kodindo an der New York University im Oktober 2007. Die dadurch gewonnene Aufmerksamkeit führte zur Gründung der gemeinnützigen Organisation „Hope for Grace Kodindo“, die Gesundheitsprogramme für Frauen in armen afrikanischen Ländern finanziert. Dank dieser Förderung konnte Kodindo im Mai 2008 dem Europäischen Parlament berichten, dass die Sterblichkeitsrate bei Geburten im größten Entbindungskrankenhaus des Tschad von 14 % auf 2,3 % und die Sterblichkeitsrate während der Schwangerschaft von 23 % auf 7,3 % gesunken war. Aufgrund des wachsenden Interesses an ihrer Arbeit wurde Kodindo eingeladen, an der von der Columbia University und Marie Stopes International ins Leben gerufenen RAISE-Initiative teilzunehmen.

2009 führte ihr Engagement in einem Programm für reproduktive Gesundheitsversorgung in der Demokratischen Republik Kongo zu einer zweiten BBC-Dokumentation mit dem Titel „Grace Under Fire“. Diese schilderte die Schwierigkeiten von Frauen bei der Geburt in einem Kriegsgebiet. Kodindo kommentierte: „Die mit Abstand größten Opfer dieses Konflikts sind Zivilisten – nicht die Kämpfer. Und die Frauen und Kinder leiden am meisten – ihr Bedarf ist am größten“ („By far the biggest casualties of this conflict are civilians – not the fighters. And the women and children suffer the most – their need is greatest“). Im selben Jahr wurde ihr von der dänischen Regierung die Millennium Development Goal Torch für ihren Einsatz für die reproduktive Gesundheitsversorgung von Frauen weltweit verliehen.

Einzelnachweise

Weblinks The Challenges of Family Planning in Conflict Areas., Grace Kodindo video from ECSP. youtube.com

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