Die AEG Flugzeugbau war als Flugtechnische Abteilung der AEG samt ihrer Flugzeugfabrik einer der ersten deutschen Flugzeughersteller und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Lieferanten der deutschen Luftstreitkräfte im Ersten Weltkrieg. Entwicklung bis 1914

mini|Flugboot (Prototyp 1913) mini|Unbewaffneter Aufklärungszweisitzer AEG B.I vor dem Flugzeugschuppen in Nieder Neuendorf (1914) mini|Bewaffneter Aufklärungszweisitzer AEG C.IV (1916) mini|Bombenflugzeug AEG G.IV (1917) mini|Jagdflugzeug AEG D.I (Prototyp 1917) mini|Gepanzertes Erdkampfflugzeug AEG J.I (1917) mini|Riesenflugzeug AEG R.I (1918)

1910 begann die AEG auf einem 5,6 km² großen Areal in Hennigsdorf bei Berlin den Bau eines großangelegten Industriekombinats. Das Betriebsgelände lag verkehrsgünstig an der 1906 zum Großschifffahrtsweg Berlin–Stettin ausgebauten Havel und verfügte über die Kremmener Bahn über Anschluss nach Berlin und, nachdem westlich von Nieder Neuendorf ein weiterer Bahnhof entstand, über die Strecke Nauen–Velten nach Spandau.

Auf dem Areal entstanden bis 1914 in rascher Folge verschiedene Fertigungsbetriebe z. B. für Industrieporzellan, Kunstglimmer, Öltuch, Lacke, Heizapparate und Lokomotiven.

Vorkriegszeit bis 1914

Nachdem der amerikanische Flugpionier Orville Wright im September/Oktober 1909 auf dem Tempelhofer Feld sowie auf dem Bornstedter Feld bei Potsdam mit seinem Wright Flyer Model A-Flugapparat großes Publikumsinteresse erregt hatte, gründete die AEG zusammen mit anderen Maschinenbau- und Rüstungsunternehmen in Berlin-Johannisthal die Flugmaschine Wright GmbH, die sie 1910 als Flugtechnische Abteilung in die AEG AG integrierte und unter Nutzung von vorhandenen Gebäuden und Anlagen auf dem Hennigsdorfer Gelände ihren Betrieb aufnehmen ließ.

Anfang 1911 wurde nach dem Vorbild der Wright-Maschine der Doppeldecker Z.1 gebaut, der im November 1911 seinen Erstflug absolvierte. Damit war die Basis für die weitere Reihe von Doppeldeckern gelegt, die bis zur Z.10 und darüber hinaus mit bewaffneten Militärflugzeugen fortgeführt wurde. Die dabei entwickelte und von entsprechenden Schweißverfahren begleitete Holz-Stahlrahmen-Bauweise wurde aufgrund ihrer Widerstandsfähigkeit bis 1918 erfolgreich angewandt.

Neben den Z-Doppeldeckern entstanden ein Flugboot für die Marine und als Versuchstypen zwei Eindecker AEG E.2, nach ihrem Konstrukteur Ingenieur Wagner Wagner-Eule benannt. Das erste der beiden Exemplare befindet sich heute im stark beschädigten Zustand im Polnischen Luftfahrtmuseum in Krakau, das zweite fiel 1914 einem Hallenbrand zum Opfer.

Im Sommer 1912 brachte der Zweidecker Z.3 als Innovation abklappbare Tragflächen, die den Transport über Straße und Schiene erleichterten, und bei militärischen Einsätzen auch das getarnte Unterziehen der Maschinen in Schuppen oder in Wald und Buschwerk ermöglichten. Dieses Flugzeug führte zu erfolgreichen Entwicklung der bei Kriegsbeginn eingesetzten AEG B-Flugzeuge, zweisitzigen noch unbewaffneten Aufklärungsdoppeldeckern mit Reihenmotor.

Die in Hennigsdorf gebauten Flugzeuge wurden bis 1912 im teilmontierten Zustand per Bahn oder LKW verlastet zum Versuchsflugplatz am Großbeerener Weg in Teltow transportiert, wo sie endmontiert und erprobt wurden, bis das westlich von Nieder-Neuendorf errichtete Fabrikflugfeld (Flugplatz Nieder Neuendorf) den Testbetrieb und den Flugverkehr mit dem Militärflugplatz in Döberitz sowie den Betrieb einer 1913 eröffneten Fliegerschule ermöglichte.

Kriegszeit 1914–1918

Flugschule und Werksflugplatz

Die AEG-Flugschule in Nieder-Neuendorf, deren Offiziersunterkunft 1914 durch eine nördlich des Gutshauses Nieder-Neuendorf gebaute Wohnbaracke mit Fliegerheim ergänzt wurde, wurde nach Kriegsausbruch an die Fliegerersatzabteilung FEA 1 in Adlershof angegliedert. Als Fluglehrer und Testpilot wirkten dort zeitweilig die Militärflieger Theodor Schauenburg und Walter Mackenthun.

Im September 1914 kam es in der Flugzeughalle auf dem Flugfeld Nieder-Neuendorf bei Reparaturen am Betriebsstoffsystems der bereits erwähnten zweiten, fast fertiggestellten Wagner-Eule zu einem Brand, der weitere fünf Maschinen und die Halle zerstörte. Im Oktober 1914 wurde das abgebrannte Gebäude rasch wieder aufgebaut und gleichzeitig der Bau neuer Fabrikhallen westlich der Porzellanfabrik in Angriff genommen.

Ebenso wurde in der Nacht des 22. auf den 23. Mai 1915 das Gebäude der flugtechnischen Abteilung durch einen Großbrand vernichtet.

Im Verlauf des Krieges erfolgte der weitere Ausbau des Werksflugplatzes, wo auch Endmontage- und Reparaturen durchgeführt wurden, durch weitere Flugzeugschuppen, Motorhäuschen und Motorprüfschuppen, Benzinlager, Wohnbaracken, Sanitäranlagen, Unterrichtsgebäude, Pumpenhaus und ein Transformatorenhäuschen.

Im Frühjahr 1917 wurde die Flugzeugführerausbildung in der Fliegerschule Nieder-Neuendorf zugunsten des weiteren Ausbaus von Fabrikations- und Abnahmebetrieb aufgegeben.

Flugzeugbau

Mitte 1915 wurde die neue Flugzeugfabrik unter Technischer Leitung von Direktor Kurt Baßler und Chefkonstrukteur Georg König in Betrieb genommen. Diese wurde durch weitere Hallen und eine mechanische Werkstatt erweitert, dazu kamen eine Sauerstoff-Erzeugungsanlage und eine Acetylen-Anlage sowie eine Rohrzieherei. Die Inspektion der Flieger (Idflieg) etablierte im Auftrag der Luftstreitkräfte eine ständige Bauaufsicht zur Prüfung und Abnahme von Bauteilen und Flugzeugen mit Material-Prüf- und Kontroll-Abteilung.

Für den Versand der Flugzeuge an die Front wurde im Süden des Betriebsgeländes eine Verladehalle mit Eisenbahnanschluss errichtet, über die auch beschädigte oder defekte Flugzeuge zur Reparatur angeliefert wurden.

Die AEG Flugzeugbau lieferte bis Kriegsende 1918 u. a. 658 C- und 523 G-Flugzeuge an die deutschen Luftstreitkräfte und die Kaiserliche Marine.

Kriegsende und Nachkriegszeit

Das Kriegsende und die Auflagen des Versailler Vertrags führten 1919 zum Ende des AEG-Flugzeugbaus. Die meisten zugehörigen Anlagen wurden bis 1922 abgebrochen, einige verbleibende Fabrikteile für den Lokomotivbau bis 1945 genutzt, bis auch diese 1945 bei einem Luftangriff schwer beschädigt und später vollständig abgerissen wurden. Das ehemalige Fliegerheim wurde in den 1990er Jahren zugunsten neuer Bebauung abgerissen.

Literatur

Günter Kroschel, H. Stützer: Die deutschen Militärflugzeuge 1910–1918. Lohse-Eissing, 1977. ISBN 978-3-8132-0148-2. Heinz Nowarra: Die Entwicklung der Flugzeuge 1914–18. München 1959.

Weblinks

Geschichte | AEG Industrial Engineering – https://aeg-ie.com/de/unternehmen/geschichte/ (31. Juli 2026)

Einzelnachweise

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