Gerti Dücker (vollständig Gertrud Dücker; * 9. Februar 1928 in Coesfeld; † 24. Juni 2025) war eine deutsche Zoologin, Verhaltensforscherin und Hochschullehrerin. Von 1970 bis zu ihrer Emeritierung 1993 leitete sie die neu gegründete Abteilung für Verhaltensforschung am Zoologischen Institut der Universität Münster. Ihre Arbeiten befassten sich insbesondere mit den Sinnes- und Kognitionsleistungen von Wirbeltieren. Die Universität Münster würdigte sie als eine Pionierin der deutschen Kognitionsbiologie.

Leben und akademische Laufbahn Gertrud Dücker wurde als Tochter des Fabrikanten Bernhard Dücker in Coesfeld geboren. Sie besuchte dort von 1934 bis 1938 die Grundschule und anschließend das Städtische Gymnasium. Nach der kriegsbedingten Unterbrechung ihrer Schulzeit wechselte sie 1946 an die Marien-Oberschule in Warendorf, an der sie Ostern 1949 das Reifezeugnis erhielt.

Zum Wintersemester 1950/51 begann Dücker an der Universität Münster ein Studium der Zoologie, Botanik und Chemie. Am 7. Dezember 1956 wurde sie bei dem Zoologen und Evolutionsbiologen Bernhard Rensch mit der Arbeit Untersuchungen über das Farb- und Helligkeitssehen und Instinkte einiger Viverriden und Hauskatzen magna cum laude promoviert. Zum 1. Februar 1957 erhielt sie am Zoologischen Institut die Stelle einer wissenschaftlichen Assistentin.

1962 wurde Dücker Kustodin am Zoologischen Institut. 1965 habilitierte sie sich mit einer Untersuchung über geometrisch-optische Täuschungen bei Wirbeltieren; im folgenden Jahr wurde sie Oberkustodin. 1970 erfolgte ihre Ernennung zur Wissenschaftlichen Rätin und Professorin. Zugleich übernahm sie die Leitung der neu gegründeten Abteilung für Verhaltensforschung am Zoologischen Institut. Seit 1987 führte sie den Titel Universitätsprofessorin. Zum 1. März 1993 wurde sie emeritiert. Aus Anlass ihres Ausscheidens veranstalteten das Institut für Neuro- und Verhaltensbiologie sowie ihre Schüler und Mitarbeiter am 5. Februar 1993 ein Festkolloquium.

Dücker starb am 24. Juni 2025 im Alter von 97 Jahren.

Forschung und Lehre Dückers Forschung umfasste das Farbsehen und andere Sinnesleistungen von Wirbeltieren, die Entwicklung und Evolution angeborener Verhaltensweisen sowie Lern-, Abstraktions-, Gedächtnis- und Problemlöseleistungen. Sie untersuchte zahlreiche Wirbeltiergruppen, darunter Schleichkatzen, Primaten, Nagetiere, Vögel, Fische und Reptilien.

Ein Schwerpunkt lag auf vergleichenden Untersuchungen kognitiver Fähigkeiten. Gemeinsam mit Bernhard Rensch erforschte sie unter anderem visuelle Generalisierung, Manipulationsleistungen und das Lösen von Schnurzugaufgaben. Mit Jürgen Lethmate veröffentlichte sie 1973 eine Untersuchung zum Selbsterkennen im Spiegel bei Orang-Utans und anderen Primaten. Die Arbeit gehört zu den frühen Studien über Spiegelverhalten und Selbsterkennung bei Menschenaffen und entdeckte bei dem Orang-Utan Weibchen Suma erstmals Anzeichen dafür, dass die Tiere ihr Spiegelbild nicht nur erkennen, sondern auch echtes Interesse an ihrem Erscheinungsbild zeigen.Frans de Waal: Are We Smart Enough to Know How Smart Animals Are?. Norton, 2016, S. 244–245

Dücker verband experimentelle Verhaltensforschung mit vergleichender Sinnesphysiologie. Noch nach ihrer Emeritierung war sie an Arbeiten beteiligt, darunter eine 1996 veröffentlichte Untersuchung über die taktile Unterscheidung von Größe und Form durch einen Kalifornischen Seelöwen.

In der Lehre galt Dücker als engagierte Hochschullehrerin. Nach Angaben der Universität Münster förderte sie den wissenschaftlichen Nachwuchs mit besonderem Einsatz.

Gedenken Im Jahr 2026 richtete der Fachbereich Biologie der Universität Münster die Gerti-Dücker-Vortragsreihe ein. Die von der Gleichstellungskommission initiierte Reihe stellt herausragende Wissenschaftlerinnen vor und soll zugleich Studentinnen und Mitarbeiterinnen den Austausch mit den Referentinnen ermöglichen. In den Richtlinien zur Vortragsreihe wird Dücker als eine der ersten Professorinnen des Fachbereichs und als international bekannte Pionierin der Kognitions- und Verhaltensbiologie bezeichnet.

Schriften (Auswahl) Farb- und Helligkeitssehen und Instinkte bei Viverriden und Feliden. In: Zoologische Beiträge. Neue Folge, Band 3, 1957, S. 25–99. mit Bernhard Rensch: Versuche über visuelle Generalisation bei einer Schleichkatze. In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 16, 1959, S. 671–692. Spontane Bevorzugung arteigener Farben bei Vögeln. In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 20, 1963, S. 43–65. Das Verhalten der Schleichkatzen (Viverridae). In: Handbuch der Zoologie. Band 8, 1965, S. 1–48. Untersuchungen über geometrisch-optische Täuschungen bei Wirbeltieren. In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 23, 1966, S. 452–496. mit Bernhard Rensch: Manipulierfähigkeit eines jungen Orang-Utans und eines jungen Gorillas. In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 23, 1966, S. 874–892. mit Jürgen Lethmate: Untersuchungen zum Selbsterkennen im Spiegel bei Orang-Utans und einigen anderen Affenarten. In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 33, 1973, S. 248–269, doi:10.1111/j.1439-0310.1973.tb02094.x. mit Bernhard Rensch: The Solution of Patterned String Problems by Birds. In: Behaviour. Band 62, 1977, S. 164–173, doi:10.1163/156853977X00081. mit Bernhard Rensch und M. Stascheit: Investigations on the Retroactive Influence of Latent Visual Learning on Previously Formed Memory Traces in Fish. In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 54, 1980, S. 309–326. mit M. Horster und Ch. Luscher: Manipulierfähigkeit und Erlernen von Handlungsketten: Untersuchungen an Sciuriden. In: Zeitschrift für Tierpsychologie. Band 60, 1982, S. 146–165. Bernhard Rensch. Kurzbiographie und Verzeichnis seiner wissenschaftlichen Veröffentlichungen. Schriftenreihe der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, Band 9, Münster 1985. mit S. Jämmrich: Untersuchungen zu Transferleistungen bei Vögeln (Melopsittacus undulatus und Carduelis carduelis) bei manipulativen Aufgaben. In: Journal für Ornithologie. Band 132, 1991, S. 199–207. mit Guido Dehnhardt: Tactual discrimination of size and shape by a California sea lion (Zalophus californianus). In: Animal Learning & Behavior. Band 24, 1996, S. 366–374, doi:10.3758/BF03199008. als Herausgeberin: 100 Jahre Bernhard Rensch. Biologe – Philosoph – Künstler. Lit, Münster 2000, ISBN 3-8258-4956-2.

Literatur Daniel Droste: Zwischen Fortschritt und Verstrickung. Die biologischen Institute der Universität Münster 1922 bis 1962. Veröffentlichungen des Universitätsarchivs Münster, Band 6. Aschendorff, Münster 2012, ISBN 978-3-402-15885-2, S. 228–229.

Weblinks

Gerti Dücker auf der Website der Abteilung für Verhaltensbiologie der Universität Münster Gerti Dücker in der Deutschen Digitalen Bibliothek

Einzelnachweise

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