Rethinking History (Untertitel: The Journal of Theory and Practice) ist eine englischsprachige geschichtswissenschaftliche Fachzeitschrift, die sich mit Geschichtstheorie und experimentellen Formen der Geschichtsdarstellung befasst. Die Zeitschrift erscheint seit 1997 und wird vom Wissenschaftsverlag Routledge, einem Imprint der Verlagsgruppe Taylor & Francis, herausgegeben.

Konzept Im Vorwort zur ersten Ausgabe gab der Gründungsherausgeber Alun Munslow an, dass die Gründung vom Postmodernismus geprägt sei. Die Zeitschrift sollte dabei zu einem Diskurs über historische Methodik und die Darstellung geschichtswissenschaftlicher Ergebnisse anregen. Außerdem sollte die Zeitschrift eine Plattform zur Veröffentlichung neuer Formen des historischen Erzählens sein. Einen ähnlichen Anspruch formulierte der Mitgründer Robert A. Rosenstone in der dritten Ausgabe.

Geschichte Der erste Jahrgang von Rethinking History erschien 1997. Das erste Heft enthielt ein zwanzigseitiges Editorial des britischen Historikers und Geschichtstheoretikers Alun Munslow. Munslow gehörte gemeinsam mit dem amerikanischen Historiker und Filmtheoretiker Rosenstone zu den Gründungsherausgebern der Zeitschrift.

Im Jahr 2004 gaben Munslow und Rosenstone den Sammelband Experiments in Rethinking History heraus. Der Band versammelte experimentelle historische Arbeiten und enthielt passende Einführungen zur theoretischen und praktischen Ausrichtung der Zeitschrift. Unter den Autoren waren die Historiker David Igler, William Deverell und Greg Dening.

Im Jahr 2017 gab Munslow die Herausgeberschaft an die Historiker Kalle Pihlainen (Universität Turku) und Patrick Finney (Aberystwyth University) weiter. 2020 erschien ein Jahr nach Munslows Tod ein Nachruf für ihn.

Im Jahr 2018 blickte Jaume Aurell auf die Entwicklung der Zeitschrift zurück und attestierte ein Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation. Der Aufsatz erschien in der Zeitschrift selbst.

Beispielsartikel Im Jahr 2003 schrieb Jonathan Walker den Aufsatz Pistols! Murder! Treason! Darin geht es vordergründig um den Mord des kaiserlichen Gesandten Giulio Cazzari 1622 in Venedig durch den Geheimagenten Gerolamo Vano. Der Aufsatz ist allerdings nicht nur eine Nacherzählung der Ereignisse, sondern bindet auch ein Daumenkino eines Musketenschusses, einen Comic, intertextuelle Zitate und historische Quellen ein.

Aaron Sachs veröffentlichte 2010 den Beitrag Letters to a tenured historian, in dem er sich im Stile eines Briefromans an einen erfahrenen Historiker wandte und von seinen Schwierigkeiten mit konventionellen Geschichtsdarstellungen berichtete. Der Aufsatz wurde von anderen Autoren in Rethinking History aufgegriffen und kontrovers diskutiert. Die Historikerin Christine M. de Matos zitiert Sachs mehrfach und bezeichnet Historiker mit ähnlichem Ansatz als „Fictorians“.Christine M. de Matos: Fictorians: historians who 'lie' about the past, and like it. In: TEXT: Journal of Writing and Writing Programs, 28 (2015). (Digitalisat)

In der ersten Ausgabe von 2023 veröffentlichte der Sporthistoriker Douglas Booth den Artikel Experiments in History: The Voice of Bondi. Darin erzählt er die Geschichte des Bondi Beach bei Sydney. Dabei erzählt er erst klassisch aus menschlicher Sicht und später dann aus der Sicht des Strandes selbst. Der entsprechende Teil ist eine Zusammenfassung des Kapitels „The Voice of Bondi“ aus Booths Buch Bondi Beach von 2021, das noch ausführlicher die „Autobiografie“ des Strandes darstellt. Eric Sager rezipiert Booths Ansatz als alternative Perspektive der Geschichtsbetrachtung.

Rezeption Eine zeitgenössische Rezension des ersten Jahrgangs durch Morten Ranum charakterisierte Rethinking History als offenen Raum für Reflexionen über Geschichte in Theorie und Praxis sowie für Experimente mit historischen Schreibweisen. Er wies auch auf den Fokus der Zeitschrift auf den angloamerikanischen Raum hin. Er lobte den Fokus auf alternative Methoden wissenschaftlichen Schreibens, da theoretische Kritik an wissenschaftlichen Methoden auch praktische Folgen haben sollte. Ranum betonte, dass die Artikel und Buchrezensionen ähnlichen Abschnitten in traditionellen Zeitschriften entsprechen. Dies hielt er für eine gute Sache, um auch traditionelle Historiker mit der Zeitschrift anzusprechen. Auch die Artikel besprach er wohlwollend und wies auf experimentelle Aspekte hin.

Im Jahr 2011 diskutierte die Historikerin Ludmilla Jordanova in einem Aufsatz die verschiedenen Ansätze, Geschichtstheorie zu analysieren. Darin verglich sie auch Rethinking History mit der seit 1960 bestehenden Zeitschrift History and Theory. Letzterer wies sie zwar auch eine gewisse Themenbreite zu, die sich auch mit Fotografie und Film befasste. Allerdings hob sie besonders bei Rethinking History die Breite an Themen hervor. Auch wies sie darauf hin, dass dort deutlich mehr Redakteure Beiträge veröffentlichten, während bei History and Theory eine Trennung zwischen Autoren und Redakteuren zu bestehen schien. Für Rethinking History stellte sie auch eine Fülle an „kreativeren“ Artikeln und Rubriken hervor, die sich nicht an klassische Konventionen hielten. Dabei verwies sie darauf, dass in den Geschichtswissenschaften oft Texte als unprofessionell kritisiert werden, um eine eigentliche Abneigung gegen den Autoren zu kaschieren. Sie schließt damit, dass die Themen oft Geschmacksache und damit schwer zu beurteilen seien.

Weblinks Offizielle Website

Einzelnachweise

Kategorie:Geschichtswissenschaftliche Zeitschrift Kategorie:Englischsprachige Vierteljahreszeitschrift Kategorie:Ersterscheinen 1997