Fritz Bruch (* 1854; † 11. Januar 1937) war ein Bochumer Abenteurer und Gastwirt. Er war am Bau der Cable Cars in San Francisco beteiligt und nahm an einer Rettungsexpedition im arktischen Meer teil. Bruch entdeckte eine Landzunge im Nordosten der Wrangelinsel, die als „Bruch Spit“ nach ihm benannt wurde. Heute erinnert die Straße Bruchspitze in Altenbochum an „Bochums größten Abenteurer“.
Leben Fritz Bruch wuchs als Kind von Gastwirten im Bochumer Stadtteil Altenbochum auf. Im Alter von 15 Jahren soll er von zuhause ausgerissen sein, und in Rotterdam als Schiffsjunge auf einem Dampfschiff oder Segelschiff angeheuert haben. Von 1869 bis 1894 bereiste er verschiedene Länder wie Australien, Japan, Hongkong, China, Tasmanien und die Philippinen. Dabei verdiente er sich unter anderem als Goldgräber, Farmarbeiter, Matrose, Walfänger und Holzfäller. Anfang der 1880er Jahre wurde Bruch in New York Mitglied der amerikanischen Marine.
mini|Berrys Karte der Wrangelinsel von 1881 1881 schloss er sich als Bootsmannsmaat einer Schiffs-Rettungs-Expedition der USS Rogers an, um die Mannschaft der verschollenen Jeannette in der Arktis zu suchen. Die 38-köpfige Besatzung (12 Offiziere und 26 Crew-Mitglieder, darunter „Frederick Bruch“) erreichte trotz Stürmen und Packeis die Wrangelinsel vor der sibirischen Küste. Dort musste die Rettungsaktion wegen eines Brandes an Bord der USS Rogers abgebrochen werden. Dennoch gelang der Expedition eine genauere Beschreibung der Wrangelinsel. Im Nordosten der Insel entdeckte Fritz Bruch eine bis dahin auf Seekarten nicht verzeichnete Landzunge. Der Kapitän der USS Rogers, Lieutenant Robert M. Berry, benannte die Landzunge zu Ehren Bruchs „Bruch Spit“ (Spit für Sandbank). Die Bezeichnung Bruch Spit findet sich unter anderem auf einer alten Seekarte aus dem Nachlass von Fritz Bruch, die zeitweise im Stadtarchiv Bochum ausgestellt wurde. In einem Reisebericht aus dem Jahr 1916 wird die Bruch Spit ebenfalls in einem Kapitel über eine Reise auf die Wrangelinsel erwähnt.
Nach Recherchen der Historikerin Ingrid Wölk ist die Bruch Spit auf neueren Karten nicht mehr verzeichnet. Dennoch wird der Name auch im 21. Jahrhundert noch wörtlich verwendet, etwa in einem Abschlussbericht des Alaska Department of Fish and Game aus dem Jahr 2019 sowie in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung aus dem Jahr 2022.
Ab 1888 arbeitete Bruch als Vermesser oder Vermessungshelfer am Bau der Cable Cars in San Francisco und wurde später Betriebsleiter der Bahn. Als er Jahrzehnte später im Juni 1925 zu einer Reise nach San Francisco zurückkehrte, berichtete die US-Zeitung San Francisco Examiner unter der Überschrift „Back Home. Powell Line Builder Here“ über Bruch „aus Altenbochum an der Ruhr“.
Ein übersetztes Zitat von Fritz Bruch aus dem Artikel lautet:
Nach seiner Rückkehr aus den USA übernahm Bruch ab 1893 die Gaststätte seiner Eltern in Altenbochum. Er führte die Gaststätte bis zu seinem Tod im Jahr 1937 fort. Fritz Bruch starb am 11. Januar 1937 kurz bevor Journalisten ein Interview mit ihm auf Schallplatte aufzeichnen wollten. Die Straße „Bruchspitze“ in Altenbochum wurde kurz nach seinem Tode nach ihm benannt. Das Haus an der Wittener Straße 218, in dem sich einst die Gaststätte der Bruchs befand, ist bis heute erhalten. Die Vorderseite des Hauses hat Fritz Bruch in Anlehnung an seine Seefahrten und den Bau der Straßenbahn mit mehreren Ankern und Rädern verzieren lassen.
Rezeption und Widersprüche Der Nachlass von Fritz Bruch wurde dem Stadtarchiv Bochum übergeben und dort im Rahmen einer Ausstellung zeitweise der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Historiker Hans H. Hanke widmet Fritz Bruch ein Kapitel seines Buches Bochum auf den zweiten Blick. Auch Ingrid Wölk stellt Bruchs Biografie in ihrem Buch Hundert sieben Sachen. Bochumer Geschichte in Objekten und Archivalien näher vor.
Trotz der bis heute anhaltenden medialen Rezeption liegen rund um das Leben von Fritz Bruch mehrere, teils widersprüchliche Informationen vor. Während manche Quellen berichten, dass Bruch in San Francisco heiratete und Vater von zwei Kindern wurde, geben andere an, dass er kinderlos starb. Zudem werden in einigen Quellen für Fritz Bruch die Vornamen Friedrich und Frederick genannt. Widersprüchlich erscheint zudem ein Vermerk aus dem Jahr 2013 auf dem Portal Westfälische Geschichte, wonach das Bochumer Stadtarchiv davon ausgehe, dass sich Bruch keinesfalls in der Arktis aufgehalten habe, sondern Gastwirt in Bochum gewesen sei. Öffentliche Belege für diese Aussage des Stadtarchivs finden sich jedoch nicht.
Nachweise
Kategorie:Person (Bochum) Kategorie:Deutscher Emigrant in den Vereinigten Staaten Kategorie:Person (San Francisco) Kategorie:Person (Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten) Kategorie:Gastwirt Kategorie:Entdecker (19. Jahrhundert) Kategorie:Arktis Kategorie:Geboren 1854 Kategorie:Gestorben 1937 Kategorie:Mann