mini|hochkant|Stammwappen derer von Ostrowski (nach Lothar Müller-Westphal) Ostrowski (auch Ostrowsky, Ostrowska o. ä.) ist der Name eines aus dem polnischen Adel stammenden Geschlechts. Ein Teil dieser Familie fand nach ihrer Flucht aus Polen in den 1760er Jahren eine neue Heimat in Preußen sowie eine Aufnahme in den preußischen Adel.Gothaisches Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser, Band 11, Verlag des Deutschen Adelsarchivs, Marburg 2025, S. 385. Zweige der Familie bestehen bis heute in Norddeutschland fort.

Die Familie ist zu unterscheiden von einer Reihe gleichnamiger, aber wappenverschiedener Geschlechter,Hefner/Grenser/Mülverstedt (1878), S. 289.Mülverstedt (1906), S. 143. u. a. den polnisch-preußischen Ostrowski, die der polnischen Wappengemeinschaft Rawicz angehörten und mit Thomas Ravita Adam von Ostrowski, ehemaliger litauischer Kronschatzmeister, angesessen in Neuostpreußen am 6. Juli 1798 anlässlich der Erbhuldigung in Berlin in den preußischen Grafenstand erhoben wurden.Friedrich Heyer von Rosenfeld, Ivan von Bojničić: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch, Bd. 4 (Habsburgermonarchie), 14. Abt.: Der Adel von Galizien, Ladomerien und der Bukowina, Nürnberg 1905, S. 87 f. (uni-goettingen.de) und Tfl. 97 (uni-goettingen.de); Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser, 53. Jg., Gotha 1880, S. 651–653 (Google Bücher); Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser, Teil B, 112. Jg., Gotha 1939, S. 408–410 (Google Bücher); Maximilian Gritzner: Chronologische Matrikel der Brandenburgisch-Preußischen Standeserhöhungen und Gnadenacte von 1600–1873. Mitscher & Roestell, Berlin 1874, S. 65.

Geschichte Die genaue Herkunft der Familie ist urkundlich nicht belegbar. Noch vorhandene Schriften lassen jedoch den Schluss zu, dass die Familie mit hoher Wahrscheinlichkeit aus dem Ort Popławy, in der ehemaligen Woiwodschaft Sandomir gelegen, stammt. Hier lebte der Gutsbesitzer Joseph von Ostrowski (ca. 1721–1800) mit seiner Ehefrau Barbara von Lipski (ca. 1736–1806) und seinen fünf Kindern. Von den Verwandten ist nur bekannt, dass ein Bruder von Joseph Adjutant beim preußischen König Friedrich II. (1712–1786) gewesen sein soll.

mini|Joseph von Ostrowski, Stammvater der preußischen Linie Aufgrund der durch den Tod des polnischen Königs August III. (1696–1763) im Jahr 1763 und den durch die darauffolgenden Auseinandersetzungen zwischen den Adelsparteien der Czartoryski und Potocki aufkommenden Landesunruhen, sah sich die Familie gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Während drei ältere Kinder in der Obhut ihres Großvaters auf dem Stammgut zurückblieben, flüchtete Joseph mit seiner Ehefrau Barbara und seinen unmündigen Kindern Maria Elisabeth und Adam nach Grünberg in Schlesien, wo er 1766 das Bürgerrecht der Stadt erhielt und das Schießhaus pachten konnte. 1767 wurde dem Ehepaar ein weiterer Sohn mit dem Namen Johann Friedrich Wilhelm geboren. Bald darauf zog die Familie in die Mark Brandenburg, wo Joseph schon 1769 in Zechlin, Ostprignitz, Brigade-Offiziant zu Pferd der Königlich-preußischen General-Tabak-Administration wurde. Hier hinderten ihn zwar seine eingeschränkten Deutschkenntnisse an einer weiteren Karriere, aber nicht nur seine Söhne, sondern nahezu alle Enkel und Urenkel traten in den folgenden 200 Jahren in den Offiziersdienst ein. Im Jahr 1772 wurde die Tochter Dorothee Elisabeth von Ostrowski (1772–1848) geboren. Sie lernte in Zechlin den späteren Oberförster Johann George Carl Ernst Köllner (1761–1828) kennen und heiratete ihn. Dieser Ehe entstammten drei Söhne und zwei Töchter. Das Ehepaar wohnte zuletzt in Grammentin, wo der Oberförster Köllner 1828 verstarb. Nach dem Tod ihres Ehemannes zog Dorothee zu einer Schwester und verstarb 1848 in Eberswalde. Die Brüder Adam (ca. 1762–1843) und Johann Friedrich Wilhelm von Ostrowski (1767–1842) gründeten jeweils neue Familienzweige.

Adam heiratete 1803 die Magdalena Friederike von Piper (1777–1805), einzige Tochter des königlichen-preußischen Geheimen Oberfinanzrats und Direktors der Oberrechnungskammer, Wilhelm Christian von Piper und der Maria Sophia Schrader. Kurze Zeit nach der Geburt ihres ersten Sohnes Wilhelm Karl (* 1804) verstarben Mutter und Kind. Nachdem Adam unversehrt aus dem Krieg gegen Frankreich heimkehrte, heiratete er in zweiter Ehe 1809 Anna Maria Durchschlag, Tochter des Hofschneidermeisters Johann Friedrich Durchschlag und der Dorothea Elisabeth Döhe, welche sich zu Lebzeiten von Friederike hingebungsvoll um diese gekümmert hatte.

Dieser Ehe entstammt unter anderem die Tochter Emilie Caroline Louise von Ostrowski (auch von Ostrowska) (1817–1866). Emilie begleitete ihren Vater zu Hoffestlichkeiten, wo sie den Prinzen August von Preußen (1779–1843) kennenlernte. Bis zu dem frühen Tod des Prinzen im Jahr 1843 war sie ab 1835 die Frau an dessen Seite.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 100, Nr. 1929 - Acta betreffend das Gesuch der Emilie von Ostrowska sich fortan Frau von Ostrowska nennen zu dürfen, abgerufen am 4. August 2026.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 133, Nr. 879 - Acta betreffend Angelegenheiten der Emilie von Ostrowska während ihres Verhältnisses mit dem Prinzen August von Preußen, insbesondere deren Haushalt, Dienerschaft, abgerufen am 4. August 2026.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 133, Nr. 880 - Acta betreffend Angelegenheiten der Emilie von Ostrowska während ihres Verhältnisses mit dem Prinzen August von Preußen auch die Reisen derselben, abgerufen am 4. August 2026.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 133, Nr. 882 - Acta betreffend das Verhältnis des Prinzen August von Preußen mit der Emilie von Ostrowska, insbesondere deren Reisen nach der Schweiz, nach dem Taunus und nach Ischl, abgerufen am 4. August 2026.Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz, I. HA Rep. 133, Nr. 890 - Acta des Hofmarschall-Amtes der Königlichen Hoheit des Prinzen August von Preußen betreffend den Haushalt der Emilie von Ostrowska während ihres Verhältnisses mit dem Prinzen August von Preußen, abgerufen am 4. August 2026. Aus der Verbindung soll eine uneheliche Tochter namens Charlotte (* 1838) stammen, offiziell geführt als „Charlotte Gottschalk, Tochter des Schuhmacherlehrlings August Gottschalk.“Sebastian Borger: Die verlorene Tochter der Hohenzollern. In: Berliner Morgenpost (morgenpost.de) vom 30. Januar 2011. Abgerufen am 5. August 2026. Nach dem Tod von August von Preußen heiratete Emilie Caroline Louise von Ostrowski den königlich-preußischen Rittmeister Heinrich August Albrecht von Huët (1804–1878). Ein vermutlich im Auftrag von August von Preußen von dem berühmten Porträtmaler Franz Xaver Winterhalter (1805–1863) 1837/1838 erstelltes Ölgemälde von Emilie ist seit dem Zweiten Weltkrieg verschollen.Emmy von Ostrowski auf lostart.de, abgerufen am 4. August 2026.

Nach der Auflösung der Armee fand Adam eine neue Aufgabe als Kreis-Brigadier bei der Kurmärkischen Gendarmerie Brigade zu Perleberg. Im Jahre 1819 wurde ihm der Abschied mit dem Charakter als Major bewilligt.Militär-Wochenblatt No. 140, Berlin 27. Februar 1819, S. 902 (Online MDZ). Seine letzten Jahre verbrachte Adam als Pensionär in seinem Haus in Berlin, wo er 1843 an Lungenversagen starb. Alle männlichen Nachkommen von Adam, sofern sie das Erwachsenenalter erreichten, wurden preußische Offiziere. Von all jenen erlitt einzig Oscar Waldemar Kanuth von Ostrowski (1848–1870) im Deutsch-Französischen Krieg sein Schicksal auf dem Schlachtfeld. Er erlag noch auf dem Transport ins Lazarett seinen schweren Verwundungen, welche er sich bei dem Versuch der Erstürmung einer Stellung während der Schlacht bei Spichern zugezogen hatte.Hans Schimmelpfeng: Geschichte des 2. Hannoverschen Infanterie-Regiments No. 77 (1866–1913), Gerhard Stalling Verlag, Oldenburg 1913, S. 16. Der Zweig des Adam erlosch mit dem Tod der Johanna Amalie von Ostrowski im Jahr 1965 in Celle.

mini|Schloss Kannawurf, 2009 Der Zweig des Johann Friedrich Wilhelm besteht bis heute fort. Johann Friedrich Wilhelm heiratete im Jahr 1799 auf Schloss Schweinsburg in Crimmitschau Christiane Ernestine von Berbisdorf (1775–1830), die er während seiner Zeit als Werbeoffizier in Coburg im Haus der Frau Geheimrätin von Porzig kennengelernt hatte. Zu Beginn des Krieges gegen Frankreich rückte Johann Friedrich Wilhelm mit seinem Regiment aus und kehrte mit diesem nach der unglücklichen Schlacht bei Auerstedt nach Magdeburg zurück. Dort stand er 1806 als Capitain im Regiment „Prinz Ludwig Ferdinand“.Zedlitz-Neukirch (1837), S. 488. Nach der Kapitulation von Magdeburg und der Auflösung der Armee nahm er den Abschied und zog sich mit seiner Familie auf das schwiegerelternliche Schloss Kannawurf zurück, das Johann Friedrich Wilhelm und seine Ehefrau Christiane Ernestine einige Jahre später zu einem Teil erbten. Das Schloss und die zum Gut gehörende Patrimonialgerichtsbarkeit gehörten der Familie von Ostrowski ab 1812/1814 zusammen mit den von Helmolt, dann zusammen mit den von Portzig und ab 1824 schließlich allein.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, A 35, 02.10.03.01. Schlossgut, 1554-1859 (Gliederungsgruppe) (Benutzungsort: Wernigerode), abgerufen am 5. August 2026.Landesarchiv Sachsen-Anhalt, H 355 Gutsarchiv Kannawurf, 1508-1867 (Bestand) (Benutzungsort: Wernigerode), abgerufen am 5. August 2026. Die Kinder Mathilde (1800–1886) und Otto von Ostrowski (1804–1863) erbten das Schlossgut von ihren Eltern. 1834 verstarb die erst 23-jährige Frau des Kammerjunkers Otto von Ostrowski zu Schloss Kannawurf, Molly Constanze geborene Herrfurth (1811–1834) aus dem Hause Oberthau.Allgemeiner Anzeiger und Nationalzeitung der Deutschen, Nr. 72, Freitag, den 14. März 1834, Sp. 858 (Google Bücher). Aus der Ehe stammten zwei Kinder: Hugo von Ostrowski (1832–1874) und Molly Ida von Ostrowski (1834–1903). Noch im Todesjahr von Molly Constanze Herrfurth heiratete Otto in zweiter Ehe Antonie Herrfurth (* 1804), eine ältere Schwester der verstorbenen Molly Constanze. Aus dieser zweiten Ehe stammten Bruno von Ostrowski (* 1835), Fanny von Ostrowski (1837–1871) und Liddy von Ostrowski (* 1838). 1839 verkauften die Geschwister Mathilde und Otto von Ostrowski Gut Kannawurf an den Fürsten Günther Friedrich Carl von Schwarzburg-Sondershausen und zogen nach Erfurt. Hier war Otto von Ostrowski als Kreis-Feuersozietäts-Direktor der Thuringia Versicherung tätig sowie im Stadtrat vertreten. Seinen Schwiegersohn aus der 1863 geschlossenen Ehe seiner Tochter Fanny, Karl Ferdinand Wehle (* 1819), unterstützte er beim Aufbau der Eisenbahn- und Allgemeinen Rück-Versicherungs-Gesellschaft Thuringia, dessen Direktoren sie von der ersten Stunde an waren.Thuringia – 100 Jahre einer deutschen Versicherungsgesellschaft, Chronik zur Jubiläumsfeier, Süddeutscher Verlag, München, 1953.

mini|hochkant|Grab von Ernst Ludwig Herrfurth (1830–1900) und Molly Ida Herrfurth geborene von Ostrowski (1834–1903) in Berlin-Schöneberg