Das Austauschkind ist ein Jugendroman der österreichischen Schriftstellerin Christine Nöstlinger, der im Jahr 1982 beim Verlag Jugend & Volk veröffentlicht wurde. Das Buch wurde bis 2017 in beinahe 20 Sprachen übersetzt – darunter Chinesisch, Türkisch und Griechisch – und gilt als Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur.
Inhalt Die Sommerferien des 13-jährigen Ewald Mittermeier, der mit seiner Schwester Sybille und seinen Eltern in Wien wohnt, verlaufen durch das Austauschkind Jasper aus England äußerst turbulent. Eigentlich hätte ja Jaspers Bruder Tom nach Österreich kommen sollen, doch der hat sich das Bein gebrochen und war deshalb verhindert. Und eigentlich hätte der Austausch gar nicht mit der Familie Mittermeier, sondern mit der Familie Stollinka stattfinden sollen, deren Sohn Peter vor einiger Zeit sechs Wochen in England bei Toms Familie verbracht hat. Doch der Stollinka-Opa ist plötzlich sehr krank geworden und musste zwecks Pflege bei der Familie einziehen, sodass dort kein Platz mehr für eine weitere Person war. Und weil Ewalds Englisch-Aussprache verhindert hat, dass er im Schulzeugnis ein Sehr gut bekommen hat, ist es seinen Eltern nur recht gewesen, für die Stollinkas einzuspringen, damit Ewald seine fremdsprachlichen Fertigkeiten mit einem englischen Austauschkind ein wenig aufpolieren könne.
Doch Jasper entpuppt sich als jemand, der so gar nicht in die geordnete Welt und deren Normen von Ewalds Eltern passt: Seien es seine äußerst ungewöhnlichen Essgewohnheiten, sein seltsames Faible für eine Steinesammlung, seine mangelnde Körperpflege, seine Selbstverständlichkeit, nackt in der Wohnung herumzulaufen oder seine Vorliebe, im Prater haufenweise Geld am Flipperautomaten zu verspielen. Während Sybille rasch Gefallen an dem unkonventionellen Engländer findet und Ewald sich nach einiger Zeit ebenfalls mit ihm anfreunden kann, finden sich die Eltern – insbesondere die Mutter – so gar nicht mit Jasper zurecht und beschließen, diesen vorzeitig nach London zurückzuschicken.
Doch deren Bild von dem Austauschkind ändert sich schlagartig, als sie über Peter Stollinka von den Verhältnissen erfahren, unter denen Jasper aufgewachsen ist: Noch im Mutterleib hatten sich seine Eltern scheiden lassen und er war zwischen Mutter und Vater hin- und hergerissen gewesen. Mit der neuen Gattin seines Vaters, Mary, hatte sich Jasper sehr gut verstanden, doch als Jasper neun Jahre alt geworden war, hatte sich sein Vater neuerlich scheiden lassen. Jasper wäre gerne bei Mary geblieben, doch das wurde nicht genehmigt, außerdem zog Mary kurze Zeit darauf mit einem neuen Partner in die Vereinigten Staaten.
Mit diesem Wissen sehen die Eltern Jasper mit neuen Augen und finden schließlich langsam aber doch ebenfalls Gefallen an dem unkonventionellen Jungen. Ein gemeinsamer Urlaub, der quer durch Österreich bis Florenz führt, endet abrupt, als sich herausstellt, dass Mary, die mit ihrem Mann gerade in Rom weilt, Jasper am Telefon verkündet, dass sie es für keine gute Idee halte, wenn Jasper sie dort besuchen komme. Für Jasper bricht eine Welt zusammen und kurz nach ihrer Rückkehr nach Wien kündet er den Mittermeiers in einem Abschiedsbrief an, dass er erstens in Sybille verliebt sei und sich zweitens das Leben nehmen werde, indem er aus einem fahrenden Zug springt. Jasper wird allerdings am Westbahnhof noch rechtzeitig von Ewalds Mutter abgefangen.
Um Jaspers Gemütslage zu beruhigen, drängen die Eltern Sybille dazu, sich mit Jasper zu verloben. Weil es sich ohnehin eher um eine symbolische Geste handelt, willigt Ewalds Schwester ein. Als das Ende der sechswöchigen Austauschdauer angekommen ist, fällt den Mittermeiers der Abschied von Jasper, den mittlerweile die gesamte Familie in ihr Herz geschlossen hat, entsprechend schwer. Wie sehr sich Ewalds Englischfähigkeiten durch Jaspers Anwesenheit tatsächlich verbessert haben, bleibt offen.
Rezeption Das Medium Kinderbuch-Couch.de schreibt in seiner Buchrezension: „Das Austauschkind ist ein berührender und nachdenklich stimmender Roman, der zudem durch einen wunderbaren Witz besticht und so für unterhaltsame Lesemomente sorgt.“ In der Jurybegründung für die Auswahlliste zum Deutschen Jugendliteraturpreis 1983 heißt es: „Jasper, das Austauschkind aus England, ist nicht das, was die Wiener Gastfamilie sich erhofft hat. Unmöglich benimmt er sich, und am liebsten möchte man ihn wieder nach Hause schicken. Allmählich stellt sich heraus, dass hinter dem ‚Monster‘ von einem Jungen ein verstörtes Kind steckt, das sich an seine Gastfamilie klammert, weil es bei ihr erstmals Verständnis und Zuneigung findet. (Ab 12)“
Auszeichnungen Das Austauschkind wurde 1982 mit dem Jugendbuchpreis der Stadt Wien ausgezeichnet. 1983 stand der Roman auf der Auswahlliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis.
Ausgaben
Adaptionen Das Austauschkind wurde 2005 beim Jumbo Verlag als Hörbuch herausgegeben.
Weblinks
Informationen zum Buch auf der Webseite von Christine Nöstlinger
Einzelnachweise
Kategorie:Kinder- und Jugendliteratur Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Deutsch) Kategorie:Literatur (Österreich) Kategorie:Werk von Christine Nöstlinger Kategorie:Literarisches Werk