Die Gambia Air Wing (dt. Fliegergruppe Gambias), teils auch als Gambia Air Force betitelt, ist de-facto eine Teilstreitkraft der Gambia Armed Forces. Die Luftstreitkräfte Gambias sind eine der weltweit kleinsten Einheit in der Militärluftfahrt.

Geschichte Nach einem blutigen, gescheiterten Putschversuch im Juli 1981 gegen den damaligen Präsidenten Dawda Jawara wurde die bis dato zuständige, paramilitärische Gambia Field Force aufgelöst. Das Land beschloss den Aufbau regulärer, strukturierter Streitkräfte. Das gambische Parlament verabschiedete den Gambia Armed Forces Act 1985. Dieses Gesetz sah formal die Aufteilung des Militärs in vier Teilstreitkräfte vor: die Landarmee (Gambia National Army), die Marine (Gambia Navy), die Nationalgarde (Republican National Guard) sowie die Gambia Air Force. Die Luftwaffe wurde in dieser Phase rein gesetzlich verankert, existierte jedoch in der Praxis nicht. Es gab weder Flugzeuge noch ausgebildetes Personal.

Yahya Jammeh übernahm durch einen unblutigen Militärputsch 1994 die Macht. Unter seiner Präsidentschaft wurden die Streitkräfte reorganisiert, der Fokus lag jedoch aus Budget- und Sicherheitsgründen fast ausschließlich auf den Landstreitkräften und der Präsidentensgarde (State Guard Battalion). In den gesamten 1990er-Jahren blieb der geplante Luftwaffenflügel komplett inaktiv. Der Schutz des Luftraums wurde faktisch ignoriert oder informell an das Nachbarland Senegal übertragen. Präsident Jammeh beschloss 2002, den Nukleus einer echten Luftwaffe aufzubauen. Zu diesem Zweck schickte Gambia eine erste kleine Gruppe von vier Soldaten zur Pilotenausbildung in die Ukraine. Zeitgleich wurde ein pakistanischer Luftwaffen-Offizier ins Land geholt, um ein strategisches Konzept für eine funktionierende Infrastruktur auszuarbeiten. Gambia erwarb 2003 sein erstes und bis heute einziges echtes Kampfflugzeug. Eine gebrauchte, sowjetische Suchoi Su-25 „Frogfoot“ wurde aus georgischen Beständen gekauft. Die Su-25 landete am 23. April 2003 auf dem Banjul International Airport. Sie trug zu diesem Zeitpunkt noch die georgischen Hoheitsabzeichen, wurde jedoch kurz darauf in den Nationalfarben Gambias umlackiert. Trotz der Anschaffung des Kampfjets scheiterte das Vorhaben, eine operative Struktur aufzubauen. Es fehlt an qualifizierten Mechanikern, Ersatzteilen und Budget für Treibstoff. Die offizielle Proklamation einer eigenständigen, aktiven Luftwaffe wird von der Regierung ausgesetzt. Die einzige Su-25 wird aufgrund mangelnder Wartung und des Fehlens aktiver Jetpiloten endgültig um 2010 aus dem Dienst genommen und am Flughafen Banjul eingemottet. Aus der Ukraine beschaffte, ältere Transporthubschrauber (u. a. Mil-Modelle) verschleißen rapide und werden mangels Wartung flugunfähig. Der Luftwaffenarm existiert nur noch auf dem Papier.

Nach dem Sturz von Jammeh übernimmt im Januar 2017 Adama Barrow die Präsidentschaft. Die Streitkräfte werden unter internationaler Beobachtung reformiert. Das Ziel, eine Angriffs-Luftwaffe zu unterhalten, wird endgültig verworfen. Die verbliebene, teure sowjetische Regierungsmaschine des Typs Iljuschin Il-62M wird 2021 offiziell nach Belarus verkauft, um Haushaltsmittel freizumachen. Gemäß dem aktuellen Global Air Force Index (Stand 2026) belegt Gambia im weltweiten Luftkraft-Ranking einen der hintersten Plätze. Die „Air Wing“ operiert heute als reine Unterstützungskomponente.

Einordnung Aufgrund der mangelnden eigenen Kapazitäten ist Gambia bei der Landesverteidigung und Luftraumüberwachung vollständig von regionalen Allianzen abhängig. Strategische Truppenverlegungen gambischer Soldaten (etwa bei Friedensmissionen) werden in der Praxis nicht von eigenen Maschinen, sondern primär durch die logistische Unterstützung der Nigerian Air Force im Rahmen von ECOWAS-Mandaten durchgeführt.

Entwicklung der Personalstärke Da die Teilstreitkraft historisch klein geblieben ist und zeitweise nur auf dem Papier existierte, sind die exakten Mannschaftsstärken stark mit den wenigen Beschaffungsphasen der Armee gekoppelt. Die Schätzungen basieren auf Daten des IISS Military Balance sowie Analysen von GlobalSecurity.

Zeitraum Personalstärke(geschätzt) Struktur und Personalzusammensetzung Hintergrund / Zustand des Personals 1985–1993 bis 25 Reine Papierstruktur; minimales Verwaltungspersonal. Nach dem Gambia Armed Forces Act 1985 gab es praktisch kein fliegendes Personal. In Kooperation mit Senegal waren zeitweise knapp 25 Mann zugeordnet, die jedoch keine echten Luftoperationen durchführten. 1994–2001 - inaktiv. Nach dem Putsch durch Yahya Jammeh wurde das Budget komplett auf die Landstreitkräfte konzentriert. Der Luftflügel besaß in diesem Zeitraum keinerlei aktives Personal oder Piloten. 2002–2003 ca. 10–15 Erste Ausbildungskader (4 Piloten in der Ukraine). Jammeh beschloss den Aufbau einer Flugkomponente. Vier Soldaten wurden zur Pilotenausbildung entsandt, um die neu beschaffte Suchoi Su-25 theoretisch besetzen zu können. 2004–2011 ca. 50–100 Techniker, Bodenpersonal und wenige Piloten. Die ambitionierteste Phase. Neben den Piloten wurde technisches Bodenpersonal (unter Anleitung ausländischer Berater, u. a. aus Pakistan und Libyen) rekrutiert, um den Flughafen Banjul als Basis zu nutzen. 2012–2016 ca. 100 Verwaltungstruppe und Bodenwachen. Die Su-25 und die Helikopter wurden mangels Wartung flugunfähig. Das Personal verblieb primär im administrativen Dienst oder wurde zur Sicherung der Flugplätze und der Regierungsmaschinen eingesetzt. 2017–heute ca. 80–100 Piloten für Transportmaschinen und Wartungseinheiten. Nach der demokratischen Wende wurde der Luftwaffenflügel reformiert. Die verbliebenen Soldaten betreuen heute ausschließlich die leichten Transport- und Grenzüberwachungsflugzeuge (Air Tractor).

Liste der Kommandeure der Gambia Air Wing Da die Gambia Air Wing von ihrer gesetzlichen Gründung 1985 an über Jahrzehnte faktisch inaktiv war und auch heute nur eine minimale Unterstützungskomponente darstellt, wird sie direkt durch das übergeordnete Oberkommando der Streitkräfte geführt. Der operative Führer der gesamten Armee (inklusive des Air Wings) ist der jeweilige Chief of the Defence Staff (CDS), während der Staatspräsident als verfassungsmäßiger Oberbefehlshaber (Commander-in-Chief) fungiert.

Liste der Luftfahrzeuge der Gambia Air Wing Flugzeug Bild Typ Herkunft Anzahl Baujahr Indienst-stellung(in Gambia) Status / Verbleib Britten-Norman BN-2 80pxSymbolfoto Leichtes Transportflugzeug 1 1970er Ausgemustert. Erstes Leichttransportflugzeug der frühen Aufbauphase; nicht mehr im Dienst. Short Skyvan 80pxSymbolfoto Leichtes Frachtflugzeug 1 1970er 1980er bis 1990er Ausgemustert. Frühes Zubringer- und Transportflugzeug, längst aus den Registern gelöscht. Air Tractor AT-802A 80pxSymbolfoto Mehrzweck- / Agrarflugzeug 2 ~2000 seit ca. 2000 Aktiv. Eingesetzt zur Grenzüberwachung, Küstenpatrouille sowie für Agrarflüge. Canadair Challenger 601 80pxSymbolfoto VIP- / Regierungsjet 1 1987 seit ca. 2002 Aktiv. Hauptmaschine für offizielle Staatsbesuche und Regierungsflüge. Suchoi Su-25 80pxSymbolfoto Erdkampfflugzeug / 1 ~1985 2003 bis ca. 2010 Inaktiv. Einziger jemals beschaffter Kampfjet. Seit ca. 2010 flugunfähig am Flughafen Banjul eingemottet. Mil Mi-8 / Mi-17 100pxSymbolfoto Transporthubschrauber / 2 ~1980er ca. 2004 bis 2012 Ausgemustert. Hubschrauberkomponente ist fluguntauglich am Boden zerfallen (Schrottwracks). Iljuschin Il-62 80px 1 1993 2005 bis 2021 Verkauft. Ehemalige Langstreckenmaschine des Präsidenten. Wurde 2021 nach Belarus veräußert.Es handelt sich um die Maschine mit der Kennung C5-RTG (Baujahr 1993) zuvor hatte Gambia, bzw. Yahya Jammeh, über die zivile Fluggesellschaft Gambia New Millennium Air die Iljuschin Il-62 mit der Kennung C5-GNM (Baujahr 1980) ab 2000 bis 2005 als Präsidentenmaschine betrieben. Nach 2005 war sie auf dem Flughabengelände dauerhaft eingelagert bzw. abgestellt und gilt ab April 2022 als verschrottet. Es konnten keine belastbaren Nachweise gefunden werden, ob nach der Auflösung der Gambia New Millennium Air von 2002 bis 2005 von der Gambia Air Wing geflogen wurde (geflogen ist die Maschine nachweislich). Boeing 727 80pxSymbolfoto VIP- / Regierungsjet 1 1980 ca. 2008 bis 2016 Inaktiv. Ehemalige Jammeh-Regierungsmaschine; mangels Wartung dauerhaft stillgelegt.

Erläuterung der Tabelle: nicht mehr im Dienst befindliches Luftfahrzeug

Anmerkungen

Einzelnachweise