Rudolf Walther Eberhard von Giese (* 11. Juni 1867 in Erfurt; † 13. Januar 1945) war ein deutscher Oberst sowie Militärbevollmächtigter bei den Nordischen Reichen in Stockholm.

Leben Als Sohn des preußischen Generalmajors Hermann von Giese (1827–1886) und dessen Ehefrau Ida Julie, geborene Degen († 1881), wuchs Eberhard mit seinem älteren Bruder, Hans Emerich (* 1860) auf, der ebenfalls eine Militärlaufbahn einschlug. Er war das drittgeborene Kind der Familie. Sein Bruder Walter (* 1862) war ein Jahr vor seiner Geburt verstorben.

Nach seinem Schulabschluss trat er 1887 in das Brandenburgische Husaren-Regiment (Zietensche Husaren) Nr. 3 der Preußischen Armee in Rathenow ein und avancierte nach dem Besuch der Kriegsschule am 15. Januar 1889 zum Sekondeleutnant. In der Folge war Giese als Eskadronoffizier tätig und rückte 1892 zum Regimentsadjutanten auf. Ab Oktober 1896 absolvierte er zur weiteren Ausbildung für drei Jahre die Kriegsakademie in Berlin und wurde während dieses Kommandos Mitte September 1897 zum Premierleutnant befördert. Nach Abschluss seiner Studien war Giese von Juli bis September 1899 zur Dienstleistung bei der IV. Matrosen-Artillerie-Abteilung kommandiert. Ab dem 1. April 1900 folgte seine Kommandierung auf ein Jahr zur Dienstleistung beim Großen Generalstab. Dieses Kommando verlängerte sich um ein weiteres Jahr, bis er mit Wirkung zum 1. April 1902 als Adjutant der 37. Kavallerie-Brigade in Allenstein kommandiert wurde. In dieser Eigenschaft avancierte Giese Mitte September des Jahres zum Rittmeister. Unter Überweisung zum Großen Generalstab folgte am 10. März 1904 seine Versetzung in den Generalstab der Armee. In dieser Stellung wurde Giese am 15. Februar 1906 als Ehrenritter in den Johanniterorden aufgenommen.Zweiter Nachtrag zur Königlich Preußischen Ordensliste. 1905. Mittler & Sohn, Berlin 1907, S. 272. Mit der Ernennung zum Chef der 5. Eskadron im 2. Pommerschen Ulanen-Regiment Nr. 9 trat er am 13. September 1906 in den Truppendienst zurück. Unter Beförderung zum überzähligen Major und Überweisung zum Generalstab der 17. Division wurde er am 24. März 1909 erneut in den Generalstab der Armee versetzt. Unter Belassung im Generalstab der Armee wurde Giese am 21. April 1911 zum Militärattaché bei den Nordischen Reichen mit Sitz in Stockholm ernannt.

Militärattaché der Nordischen Reiche Geschäftsträger der preußischen Gesandtschaft in Schweden war Ministerresident Franz von Reichenau (1857–1940). Die Zuständigkeit für Giese erstreckte sich auf die skandinavischen Länder Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Als Marineattaché befand sich zur gleichen Zeit Kapitän zur See Walter Freiherr von Keyserlingk (1869–1946) an der Gesandtschaft, der ebenfalls für die Nordischen Reiche notifiziert war.Biografie Walter von Keyserlingks. In: Walter Riccius: Die Institution der Marineattachés. Deutsche Marineattachés von Beginn bis 1945. Verlag Dr. Köster, Berlin 2023, ISBN 978-3-96831-040-4, S. 156 ff. Zusätzlich war dieser jedoch noch von Schweden aus bis Kriegsbeginn 1914 für Russland zuständig. Beide Attachés signalisierten in ihren Berichterstattungen einen zunehmenden militärischen Kräftezuwachs des russischen Heeres und erhöhte militärische Aktivitäten im finnländischen Grenzbereich. Vor allem ab 1912 nahmen die politischen Kontakte russischer Führungskreise, wie sie berichteten, in Richtung einer französischen Allianz immer deutlicher Gestalt an. Noch kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges hatte auch Marineattaché Reinhold von Fischer-Loßainen (1870–1940) seinen Geschäftssitz von Sankt Petersburg nach Stockholm verlegt. Noch während der inzwischen deutlichen Mobilisierung des russischen Heeres ab Frühjahr 1914 hatte Giese seinen Posten für die Nordischen Reiche noch inne und konnte deutliche Zuwächse der Kriegsbereitschaft auf russischer Seite signalisieren. Nachdem er im März 1914 die Erlaubnis zur Annahme des Kommandeurkreuzes II. Klasse des Wasaordens erhalten hatte, wurde er am 23. Mai 1914 von seiner Stellung als Militärattaché enthoben und unter Versetzung zum Leib-Kürassier-Regiment „Großer Kurfürst“ (Schlesisches) Nr. 1 in Breslau mit der Führung dieses Verbandes beauftragt.Militär-Wochenblatt. Nr. 35 vom 12. März 1914, S. 726.Militär-Wochenblatt. Nr. 72 vom 26. Mai 1914, S. 1569. Seine Nachfolge als Militärattaché in Stockholm, an der deutschen Gesandtschaft, trat Major Karl von Aweyden (1872–1918) an.

Nach dem Beginn des Ersten Weltkriegs avancierte Giese am 5. September 1914 zum Oberstleutnant. Ab Sommer 1915 war er kurzzeitig mit der Führung der 9. Kavallerie-Brigade beauftragt. Etwa zum Sommer 1916 gab er das Kommando wieder ab und kehrte als Militärattaché für die Nordischen Reiche nach Stockholm zurück. Ausgenommen war hier lediglich kriegsbedingt Russland. Inzwischen war die deutsche Gesandtschaft in Schweden zu einem Sammelpunkt für Aktivitäten der Informationsbeschaffung, als auch der nachrichtendienstlichen Ausrichtung in den Ostseeraum hinein geworden. Nur das Büro des Marineattachés von Fischer-Loszainen setzte seine Tätigkeit an der Gesandtschaft fort und war enorm verstärkt worden. Zeitweilig umfasste es über zehn Mitarbeiter, Nachrichtenoffiziere der Abteilung III b beim Großen Generalstab und der Gruppe „Fremde Heere“. Wie auch der Marineattaché, war auch von Giese in die, unter der Schirmherrschaft des Auswärtigen Amtes organisierte spektakuläre Reise des Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SdAPR), Wladimir Iljitsch Lenin (1870–1924) aus dem Schweizer Exil in einem plombierten Zugwaggon über Schweden nach Sankt Petersburg im April 1917 einbezogen. Biografie über Karl von Aweyden, in: Walter Riccius: Die Institution der Militärattachés I. Deutsche Militärattachés von Beginn bis 1918. Dr. Köster Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-96831-081-7, S. 32. Alle deutschen Akteure bemühten sich um den Aufbau von Handlungsbasen im skandinavischen und Ostseeraum, die sich militärisch nutzen ließen. So war von Giese im Herbst 1917 auch mit einbezogen in die Vorbereitung des Unternehmens "Albion", zur deutschen Besetzung der Lettland vorgelagerten Inseln. Auf Grund der Sonderbeziehungen zwischen Deutschland und Finnland lag der hauptsächliche Focus entlang der russisch-finnischen Kampflinie sowie bei den von Russland besetzt gehaltenen baltischen Inseln Saaremaa (Ösel), Hiiumaa (Dagö) und Muhu (Moon). Zu den in diesem Gebiet agierenden Kräften gehörte auch der Nachrichtenoffizier Hans Ulrich von Kotze (1891–1941), der sich in Finnland niederließ. Giese wurde am 18. Juli 1917 zum Oberst befördert, gab im November 1917 das Amt des Militärattachés ab und verblieb bis Kriegsende weiter in Schweden.

Weimarer Republik Spätestens 1919 war Giese wieder nach Berlin zurückgekehrt. Nach der Bildung der Reichswehr war er ab dem 1. Mai 1920 Kommandeur des Reiter-Regiments 5. Infolge der Verminderung der Armee schied Giese am 14. August 1920 mit Pension und der Berechtigung zum Tragen der Uniform des Leib-Kürassier-Regiments „Großer Kurfürst“ (Schlesisches) Nr. 1 aus dem aktiven Dienst.Militär-Wochenblatt. Nr. 14 vom 2. Oktober 1920, S. 307.

Familie Eberhard von Giese heiratete 1894 Helene Louise Krell in Wusterhausen an der Dosse.

Literatur Gunnar Artéus, Lars Leifland (Red.): Svenska diplomatprofiler under 190-talet. Stockholm Profis Verlag 2001. Johan Engström, Lars Ericson (Hrsg.): Mellan björnen och örnen. Sverige och Östersjöomräder under dat första världskriget, 1914–1918. Föredrag hallon vid Symposium i Visby 1993, Stockholm Armémuseum et al. 1994. Walter Riccius: Die Institution der Militärattachés I. Deutsche Militärattachés von Beginn bis 1918. Dr. Köster Verlag, Berlin 2025, ISBN 978-3-96831-081-7. Walter Riccius: Die Institution der Marineattachés. Deutsche Marineattachés von Beginn bis 1945. Verlag Dr. Köster, Berlin 2023, ISBN 978-3-96831-040-4. Auswärtiges Amt (Hrsg.): Biografisches Handbuch des Deutschen Auswärtigen Dienstes 1871–1945. Paderborn Schöning Verlag 2000ff.

Einzelnachweise

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