mini|Schreibtisch, geliefert 1685 für Ludwig XIV. aus dem Petit Cabinet du Roi in Versailles, von Alexandre-Jean Oppenordt. Chateau de Versailles Alexandre-Jean Oppenordt (* um 1639 in Geldern; † 16. April 1715 in Paris), auch Oppenort, Oppenoorde, Oppenoordt oder Oppen-Oordt, war ein französischer Ebenist niederländischer Herkunft. Er war der Vater des Architekten und Dekorateurs Gilles-Marie Oppenordt.
Leben Alexandre-Jean Oppenordt ließ sich um 1660 im Pariser Quartier du Temple nieder, einem Viertel, in dem auch Ebenisten ohne Meistertitel arbeiten durften. Nach seiner Heirat mit einer Französin wurde er 1679 naturalisiert. Zunächst war er für die Manufacture Royale des Gobelins tätig. 1684 bezog er eine Wohnung im Louvre, was als Zeichen der Wertschätzung durch Ludwig XIV. galt. Als ébéniste ordinaire du Roi stand er fortan im Dienst der Bâtiments du Roi. Für diese Stellung war eine Meisterzulassung erforderlich. Er unterhielt vermutlich berufliche Kontakte zu dem ebenfalls im Louvre ansässigen Ebenisten André-Charles Boulle.
Werk Bald machte Oppenordt durch seine virtuose Beherrschung der Marketerietechnik auf sich aufmerksam. Er gestaltete aufwendige figürliche Darstellungen und Ornamentschmuck, zumeist aus rotem Schildpatt in Verbindung mit Messing, Zinn oder Kupfer. Häufig arbeitete er nach Vorlagen seines Sohnes Gilles-Marie oder nach Entwürfen von Jean I. Berain, von dessen Aufträgen er offenbar eine große Zahl ausführte. Seine Möbel im Stil Ludwigs XIV. fertigte er überwiegend aus massiver Eiche sowie aus Ebenholz- oder Palisanderfurnier und stattete sie üppig mit vergoldeten Bronzebeschlägen aus.
Arbeiten für den Königshof mini|Kleiner Schreibtisch mit klappbarer Platte (Bureau brisé). Metropolitan Museum of Art, New York – Das „Bureau brisé“ des Museums, ein klappbarer Schreibtisch mit Intarsien aus Schildpatt und Messing, wurde für das „Petit Cabinet“ Ludwigs XIV. in Versailles in Auftrag gegeben. Der mit königlichen Symbolen verzierte Schreibtisch, der von Alexandre-Jean Oppenordt gefertigt wurde, ist eines der wenigen erhaltenen Möbelstücke, die für den persönlichen Gebrauch des Sonnenkönigs angefertigt wurden. Nachdem der Schreibtisch 1751 versteigert worden war, ist seine Geschichte bis zu seinem Erwerb durch Gilles Joubert weitgehend unbekannt So lieferte er im Jahr 1684 zwölf ebenholzfurnierte und marketierte Kabinettschränke für die königliche Medaillensammlung im Cabinet des Médailles im Petit Appartement du Roi im Schloss von Versailles. Diese wurden durch vier weitere Kabinettschränke aus Königsholz sowie einen prächtigen, nach einem Entwurf von Berain gefertigten Schreibtisch ergänzt. Alle Stücke wurden im Jahr 1684 bezahlt. Laut dem Möbelhistoriker André Pradère ist keines dieser Stücke heute identifiziert. Von 1684 bis 1686 fertigte Oppenordt das Parkett in der Galerie des Petit Appartement sowie zwei Kabinettschränke mit Pietra-dura-Dekor für den Comte de Louvois.
Im Jahr 1685 entstand mit einem Paar Schreibtischen für das Petit Cabinet du Roi im Nordflügel des Schlosses von Versailles das Hauptwerk Oppenordts. Der besondere Wert dieser Stücke liegt neben ihrer gediegenen Qualität in ihrer Seltenheit: Sie zählen zu den wenigen erhaltenen Möbelstücken aus dem persönlichen Besitz Ludwigs XIV. und tragen die königlichen Insignien. Ein Exemplar befindet sich im Metropolitan Museum in New York, das andere, nachträglich zu einem Bureau mit schräger Klappe umgebaute Pendant, befindet sich seit 1751 in Privatbesitz und wurde am 18. November 2015 bei Fraysse & Associés in Paris versteigert. 1686 und 1688 erhielt Oppenordt Zahlungen für nicht näher bezeichnete Arbeiten für das Cabinet des Médailles, 1688 zudem für Marketerie- und Kupferarbeiten für den Duc de Bourgogne.
Zuschreibungen Ihm werden eine auf die Jahre 1690/95 datierte Kommode in Sarkophagform aus der Wallace Collection in London sowie eine im Jahr 1696 nach Zeichnungen von Berain gefertigte, mit Intarsien verzierte Parketttafel, die als Boden der schwedischen Königskarosse in der Livrustkammaren in Stockholm diente, zugeschrieben. Weitere Werke mit unsicherer Zuschreibung sind ein um 1710 entstandener Schreibtisch mit einer mythologischen Szene in Marketerie, der nach einem Entwurf von Berain gefertigt wurde, sowie das Gehäuse einer Spieluhr mit Darstellungen der damals vier bekannten Kontinente (beide Wallace Collection, London). Es entstand um 1712 nach einem vermutlich vom Sohn stammenden Entwurf (J. Paul Getty Museum, Los Angeles).
Literatur
Pierre Verlet: Les meubles français du XVIIIe siècle. Presses Universitaires de France, Paris 1956. Jean Nicolay: L'Art et la manière des maîtres ébénistes français au XVIIIe siècle. Pygmalion, Paris 1976. The Metropolitan Museum of Art: Recent Acquisitions 1986–1987, S. 27f. Alexandre Pradère: Les ébénistes français de Louis XIV à la Révolution. Éditions du Chêne, Paris 1989. Pierre Kjellberg: Le mobilier français du XVIIIe siècle. Dictionnaire des ébénistes et des menuisiers. Les Éditions de l'Amateur, Paris 1989. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 10: Müller – Pinchetti. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online (AKL) / Artists of the World Online. De Gruyter, 2009. Christophe Huchet de Quénétain, Sophie Mouquin: Le régulateur de parquet ‘aux quatre parties du monde.’ In: Olivier Bosc, Sophie Guérinot (Hrsg.): L'Arsenal au fil des siècles. De l'hôtel du grand maître de l'artillerie à la bibliothèque de l'Arsenal. Le Passage / Bibliothèque nationale de France, Paris 2024, S. 174–175.
Weblinks
Getty museum Political Renewal and Architectural Revival during the French Regency: Oppenord's Palais-Royal
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstschreiner Kategorie:Niederländer Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren im 17. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1715 Kategorie:Mann