miniatur|Palazzetto del Burcardo in Rom: Fassade an der Via del Sudario Der Palazzetto del Burcardo ist ein im Kern spätgotischer Palast aus dem 15. Jahrhundert in Rom in der italienischen Region Latium. Er liegt im Viertel Sant’Eustachio in der Via del Sudario, 44. Seit 1932 ist dort die Biblioteca e Museo teatrale del Burcardo (dt.: Bibliothek und Theatermuseum Burckard) untergebracht. Sie ist nach dem elsässischen Bischof und päpstlichen Zeremonienmeister Johannes Burckard benannt, der in den Bau den Torre Argentina integrieren ließ.

Geschichte Es war Domenico Gnoli, der im 20. Jahrhundert Johannes Burckard als ersten Eigentümer des kleinen Palastes in der Via del Sudario identifizierte. Über die Jahrhunderte war die Erinnerung an die Verbindung zwischen dem Gebäude und dem elsässischen Prälaten, der es Ende des 15. Jahrhundert erbauen hatte lassen, verlorengegangen.

Johannes Burckard wurde in Niederhaslach in der Nähe von Straßburg irgendwann zwischen 1445 und 1450 geboren. 1467 war er nach Rom gekommen und machte dort schnell Karriere, die ihn dazu führte, unter vier Päpsten bedeutende Ämter zu bekleiden; dies waren Innozenz VIII. (1484-1492), Alexander VI. (1492–1503), Pius III. (1503) und Julius II. (1503-1513). 1478 wurde Burckard päpstlicher Kaplan, 1481 wurde er zum apostolischen Protonotar und päpstlichen Geistlichen ernannt, dann erhielt er 1484 die Aufgabe des Zeremonienmeisters der päpstlichen Kapelle. 1503 ernannte ihn Papst Julius II. zum Bischof von Orte und Civita Castellana. Der Experte für Liturgie schrieb verschiedene Traktate über religiöse Zeremonien, aber sein Name blieb in Verbindung mit dem Liber Notarum in Erinnerung, dem Tagebuch, das er vom 25. Dezember 1484 bis zum 27. April 1506 schrieb, worin er Details zum Leben am päpstliche Hof notierte und das eine präzise Informationsquelle für die Geschichtswissenschaftler wurde

1491 pachtete Johannes Burckard vom Farfa-Kloster ein Grundstück in der Nähe der Via Papalis, der Route, die die Päpste anlässlich ihrer Thronbesteigung mit einer verschwenderischen Prozession zurücklegten. Auf dem Grundstück befanden sich die Reste eines ruinierten, mittelalterlichen Klosters. Burckard ließ später auf diesem Gelände sein Privathaus errichten, wobei darin ein Teil des vorhergehenden Gebäudes integriert wurde, das einen Turm umfasste.

Der Palazzetto del Burcardo wurde also zwischen 1491 und 1500 errichtet. In das Gebäude wurde der Turm integriert, der nach der Benennung, die Burckard in seiner Unterschrift nutzte, den Namen „Torre Argentina“ trug. Burckard, der ja in Straßburg (la.: Argentoratum, wegen den in der Nähe gelegenen Silberminen) geboren war, bezeichnete sich als „Epicopus argentinensis“ oder „Episcopus argentinus“.

Das Haus Burckards bestand aus zwei Baukörpern, dem Wohnhaus an der heutigen Via del Sudario und dem Nebengebäude, in dem die Stallungen und die Wohnungen für die Dienerschaft untergebracht waren. Die Spitze des Turmes ragte hoch über dem Wohnhaus auf, wie die damaligen Stiche zeigen. Eine Anmerkung im Liber Notarum erzählt von einer Beleuchtung mit Fackeln auf der Turmspitze anlässlich des Festes des Heiligen Benedikt am 21. März 1500. In diesem Jahr musste somit der Bau des Palastes schon beendet gewesen sein.

1503 begann ein Streit zwischen Burckard und der mächtigen Familie Cesarini, Eigentümer eines Grundstückes, das an das anschloss, auf dem der elsässische Prälat seinen Palast bauen hatte lassen. Burckard berichtet über die Episode in seinem Liber Notarum: “Nello stesso giorno, ultimo del predetto mese di gennaio, mi querelai con Nostro Signore, Perché iersera il cardinal Cesarini mi fece annunciare dal suo cameriere Sebastiano che portassi via tutte le mie robe dalle camere da me costruite sopra il suo orto, perché questa mattina egli voleva entrare e appropriarsele come cosa sua e a lui dovuta.“(dt.: An diesem Tage, dem letzten des vorgenannten Monats Januar, beklagte ich mich bei Unserem Herrn, warum gestern Abend der Kardinal Cesarini mir durch seinen Kammerdiener Sebastiano ankündigen ließ, dass ich all meine Kleidung aus den Räumen nehmen sollte, die von mir über seinem Garten erbaut worden seien, weil er heute Morgen hereinkommen wolle und sie in Besitz nehmen.)Der Papst, der weder Burckard ungerecht behandeln noch sich die Familie ‚‚Cesarini‘‘ zu Feinden machen wollte, beauftragte den Erzbischof von Ragusa, die Angelegenheit zu regeln. Dieser entschied salomonisch, dass das Haus erst nach dem Tode Burckards an die Cesarinis fallen sollte.

Nach dem Tod des ersten Eigentümers 1506 vernachlässigten die Cesarinis das Gebäude, das ihnen als unwichtiges Anwesen galt. Der Turm, der Teil der Bebauung war, war auch noch auf Stichen aus dem 16. und 17. Jahrhundert zu sehen.

1730 ließ Herzog Giuseppe Cesarini Sforza mit dem Bau des Teatro Argentina unter der Leitung von Gerolamo Theodoli beginnen. Ein Teil des Hauses von Burckard wurde abgerissen, um Platz für das neue Gebäude zu schaffen. Der Rest des Palastes einschließlich des Turms wurde in Nebenräume des Theaters umgewandelt. Ende des 18. Jahrhunderts wurde die Turmspitze eingekürzt: In der Pianta di Roma von Giuseppe Vasi aus dem Jahre 1781 erscheint sie nicht mehr.

1824 überließ der Herzog Salvatore Cesarini das Teatro Argentina und seine Nebengebäude, darunter auch den Palazzetto di Burcardo, in ewiger Erbpacht Pietro Cartoni. Das Theater mit Ausnahme eines Teils des Hauses von Burckard kaufte 1843 Alessandro Torlonia; in letzterem lebte weiterhin die Familie Cartoni. Der Sohn von Pietro Cartoni, Massimo, überließ das Erdgeschoss, das erste und das dritte Obergeschoss als Mitgift seiner Schwester Amalia und deren Ehemann, Valerio Cappello kaufte auch das zweite Obergeschoss von Alessandro Torlonia.

Am 30. Oktober 1869 kaufte die Stadt Rom das Teatro Argentina. Das Anwesen Cartoni-Cappello dagegen wurde erst 1882 an die Stadt verkauft. Der Kauf schien eine Erweiterung des Theaters anzukündigen; weitere Anwesen in der Umgebung wurden zum selben Zweck angekauft. In den folgenden Jahren aber erwachte das historisch-archäologische Interesse an der Region wieder. 1888 wurden während der Ausgrabungsarbeiten eines Abwasserkanals Reste des Theaters des Pompeius entdeckt und weitere Fundstücke gab es 1892 zwischen der Via del Monte della Farina und der Via dei Chiodaroli.

1908 erkannte Domenico Gnoli den Palazzo del Burcardo dank der Identifizierung des steinernen Wappens, das die Insignien des elsässischen Prälaten trug, einen springenden Drachen über einem Stern. Anschließend schlug er Alarm wegen des Verfallszustandes des Palastes und der Schandtat, die an einem der ganz wenigen Beispiele gotischer Architektur in Rom verübt worden war: „Das Haus des Burckard ist eine Ruine. Zerstört ist die schöne Treppe, die Rippen der Gewölbe sind eingestürzt, der Turm ist in das Gebäude eingesunken, der Innenhof mit einem Heizschuppen blockiert, die schöne Loggia, die heute als Umkleide für die Primadonna dient, ist durch ein Treppenhaus und durch Trennwände geteilt...“.

Später wurde ein Projekt des Architekten Cesare Pizzicaria aufgegeben, das vorsah, die städtischen Büros in einen einzigen Komplex umzuziehen, der am heutigen Largo di Torre Argentina stehen hätte müssen und der zum Abriss der Privathäuser zwischen der Via dei Barbieri, der Via del Sudario und der Via del Monte della Farina geführt hätte.

1923 wurde der Palazzetto del Burcardo auf Betreiben von Antonio Muñoz vom Ufficio di Antichità e Belle Arti der Stadt Rom einer ersten Restaurierung unterzogen. Die Arbeiten wurden von Bauingenieur Adolfo Pernier geleitet. In diesem ersten Restaurierungsschritt zeigten sich die bemalten Decken, die Rippen, Keile und Kragsteine der Peperino-Gewölbe, wurden die Loggia im zweiten Obergeschoss und das Dreifachfenster im ersten Obergeschoss zum Innenhof wieder geöffnet.

1929 überließ die Stadtregierung von Rom den Palazzetto del Burcardo der Società Italiana degli Autori ed Editori (SIAE) als Sitz des Museo del Teatro Nazionale e Biblioteca di Letteratura Drammatica. Der Palast wurde unter der Leitung des Architekten Antonio Petrignani zwischen 1929 und 1931 einer gründlichen Restaurierung unterzogen.

1932 wurde die Biblioteca e Raccolta Teatrale der SIAE eröffnet. Im ersten Obergeschoss und in zwei Sälen im Erdgeschoss war das Museum untergebracht, im zweiten und im vierten Obergeschoss die Büros und im dritten Obergeschoss der Lesesaal der Bibliothek. Die Aufteilung der Räume und die Möblierung der 1930er-Jahre blieben so bis 1987, als die Überlastung der tragenden Strukturen des Gebäudes die Stadt Rom zwangen, dessen Unbenutzbarkeit zu erklären.

In den 1990er-Jahren wurde der kleine Palast einer erneuten Restaurierung, veranlasst von Bildungsbehörde der SIAE unter der Leitung der Stadt Rom und der Soprintendenza ai Beni Culturali mit dem Ziel unterzogen, die tragenden Strukturen zu sanieren und das Gebäude den geltenden Rechtsvorschriften für die Sicherheit an Arbeitsplätzen anzupassen. Im Laufe dieser letzten Restaurierung wurde auch das Untergeschoss wiederhergestellt, wo der originale Eingang zum Torre Argentina wieder ans Licht kam.

Torre Argentina Heute kann man den Turm, der bereits vor dem durch Johannes Burckard errichteten Gebäude existierte, von außen nicht mehr erkennen. Dennoch kann man an der Fassade zum Innenhof den Standort umrahmt von einer Abfolge von kleinen Bogenfenstern ausmachen.

Im Untergeschoss kann man die Zugangstüre und die Treppe in der Umfassungsmauer erkennen, die im ursprünglichen Zustand den gesamten Turm nach oben verlaufen sein muss und die heute auf der Ebene des Erdgeschosses endet.

Im ersten Obergeschoss, in den Räumen, die heute für das Museum genutzt werden, entspricht dem Turm ein kleiner, rechteckiger Raum mit Nischen aus ‚‚Peperino‘‘. Der Sage nach diente dieser Raum Burckard als Privatkapelle.

Zwischen dem zweiten und dem dritten Obergeschoss wurde bei der letzten Restaurierung die Verbindung mit dem Einbau Wendeltreppe aus Stahl und ‚‚Peperino‘‘ im Raum des Turmes wiederhergestellt, der auf dieser Ebene einen kreisrunden Querschnitt hat.

Den Name „Argentinensis“, den Burckard dem Turm verlieh, erhielt auch der angrenzende Platz.

Einzelnachweise und Bemerkungen Domenico Gnoli: La torre argentina in Roma in Nuova Antologia. Mai-Juni 1908. 1968 wurden bei Ausgrabungen zum Umbau des Teatro Argentina einige Gräber aus dem Mittelalter gefunden, was zur Annahme führte, dass ein Teil des Geländes als Friedhof des Klosters genutzt wurde. Alessandro Masi (Herausgeber): Il Palazzo del Burcardo, testimonianze di un restauro. SIAE, Rom 1998, S. 33 ff. G. Marchetti Longhi zitiert einen Kaufvertrag von 1429 über ein Haus mit Turm im Viertel Sant’Eustachio, dessen Grenzen mit denen des Grundstücks zusammenfallen, das Burckard gepachtet hatte. G. Marchetti Longhi: Le contrade medievali della zona in Circo Flaminio: il Calcalario in Almanacco della Società Romana di Storia Patria. Nr. 42 (1919). Antonio Petrignani: Il restauro della Casa del Burcardo in via del Sudario in Roma in Capitolium. Jahrgang IX, Nr. 4-5, April-Mai 1933.

Weblinks und Quellen

Burcardo Palazzetto del Burcardo Kategorie:Bauwerk der Gotik im Latium Palazzetto del Burcardo Kategorie:Erbaut in den 1620er Jahren