miniatur|Palazzo Caetani in Rom: Hauptfassade Der Palazzo Caetani, auch Palazzo Mattei Caetani oder Palazzo di Alessandro Mattei, aber auch Palazzo Mattei alle Botteghe Oscure, ist ein Palast aus dem 16. Jahrhundert in Rom in der italienischen Region Latium. Er liegt im Viertel Sant'Angelo in der Via delle Botteghe Oscure, 32, und ist Teil der Insula Mattei genannten Adelsresidenzen. Alessandro Mattei ließ ihn zwischen 1545 und 1564 errichten. Seinen heutigen Namen erhielt der Palast 1776, als die Familie Caetani ihn kaufte. Heute ist dort die Botschaft von Brasilien beim Heiligen Stuhl untergebracht, ebenso wie die Fondazione Camillo Caetani und einige Büros der Fondazione Roffredo Caetani und der römischen Delegation des Fondo Ambiente Italiano (FAI).

Geschichte Architekt Bis heute ist man sich nicht darüber einig, wer den Palast projektiert und seinen Bau geleitet hat. Verschiedene Quellen geben als Architekten Bartolomeo Ammannati aus der Toskana an, aber ihre Zuverlässigkeit wurde kürzlich in Zweifel gezogen. Einige andere Quellen haben Claudio Lippi als Urheber vorgeschlagen, aber auch für diesen Vorschlag finden sich kaum Beweise. Giovanni Baglione spricht von einer Zurechnung zu Giacomo Barozzi da Vignola, aber es ist nicht klar, ob dieser auch in die Projektierung involviert war. Die heute für am wahrscheinlichsten gehaltene These ist die, die in dem Florentiner Nanni di Baccio Bigio den Architekten dieses Palastes sieht; seine Arbeit wurde dann von seinem Sohn, Annibale Lippi, fortgeführt.

Bau Der Palazzo Caetani war das erste Gebäude in der Insula Mattei mit einer voll ausgebildeten „palastartigen“ Anlage. Die Bauarbeiten begannen in den 1540er-Jahren, vermutlich im Jahre 1545, und zogen sich bis 1564 hin. Die Ausschmückung der Innenräume begann bereits in den 1550er-Jahren; mit ihr wurden die Gebrüder Taddeo und Federico Zuccari betraut, und zwar eventuell mit Unterstützung von Giovanni de Vecchi (Ihre Arbeit ist dennoch heute nur in zwei Räumen erhalten). Nach dem Tod von Alessandro Mattei 1565 fiel der Palast an seinen Erstgeborenen, Ciriaco, dem die Öffnung der zweiten Reihe quadratischer Fenster im ersten Obergeschoss zu verdanken ist. Aber es war der Bruder des letzteren, der Kardinal Girolamo Mattei, der die Ausschmückungsarbeiten weiterverfolgte und verschiedene der bedeutendsten Künstler der damaligen Zeit rief, um die Freskenzyklen und weiteren Ornamente zu komplettieren: Eine Gruppe von Malern, darunter Paris Nogari, Antonio Viviani und vor allen Dingen Paul Bril komplettierten die Ausschmückung des Hauptsalons; Cristoforo Roncalli mit seinen Schülern Giuseppe Agellio und Alessandro Presciati verzierten die Kapelle und deren Vorraum, während Ambrogio Buonvicino sich mit den Stuckarbeiten beschäftigte; Pietro Paolo Olivieri projektierte die Holzdecke, die dann von den Tischlern Giovanni Volpetta da Castiglione und Carlo Nuti und den Vergoldern Andrea da Caragnano und Michelangelo Amici gefertigt wurde. Die Ausschmückungen der Innenräume wurden im Februar 1601 fertiggestellt, wenn man von einem zweiten Einsatz von Roncalli um 1610 absieht.

Im Eigentum der Matteis miniatur|Das Cena in Emmaus (dt.: Mahl zu Emmaus), eines der Gemälde, mit denen Caravaggio zur Ausschmückung des Palastes beauftragt wurde. In den Jahren 1601 und 1602 war in dem Palast auf Einladung von Ciriaco und Asdrubale Mattei Caravaggio zu Gast; sie beauftragten ihn mit verschiedenen Werken zur Ausstellung in der Familienresidenz, darunter Abendmahl in Emmaus und Gefangennahme Jesu. Keine von diesen aber befindet sich heute noch in der Sammlung des Palastes.

Aus den 1610er-Jahren stammt die erste Erweiterung des Palastes, also der Anbau der Stallungen und Remisen an der Südostecke, entlang der heutigen Via Caetani, der dann später im 17. Jahrhundert ausgebaut wurde, z. B. mit der Ergänzung der oberen Stockwerke oder dem Bau der heutigen Verbindungsgalerie zum Palazzo Mattei di Giove.

1614, nach dem Tod von Ciriaco Mattei, fiel das Anwesen an dessen Erstgeborenen, Giovanni Battista Mattei, der es 1624 seinerseits an seinen Bruder, Monsignore Alessandro Mattei weitervererbte. Dieser wiederum ließ das Anwesen seinem Onkel, Asdrubale Mattei im Tausch gegen eine hohe Apanage. Asdrubale Mattei, der schon zwei Residenzen besaß (Palazzo Mattei di Giove und Villa Celimontana), entschied sich, den Palast on den Jahren 1632–1638 an Orazio Magalotti zu vermieten; 1638 starb Asdrubale Mattei. Ihm folgte sein Sohn, Girolamo Mattei, der das Anwesen 1638–1641 wiederum an Monsignore Ottavio Corsini vermietete und es ein Jahr später für 24.000 Scudi an die Gebrüder Giuseppe und Marzio Ginetti verkaufte. Der Verkauf war wegen der der hohen Verschuldung, in der sich die Familie Mattei befand, nötig geworden; der Verkaufsvertrag wurde dennoch cum pacto redimendi geschlossen, also mit einer Klausel, die ein Rückkaufsrecht durch den alten Eigentümer vorsah, wovon Girolamo Mattei dreißig Jahre später, im September 1682, Gebrauch machte. Die Ginettis blieben trotz alledem bis 1682 Mieter. In der Zeit, in der sie dort wohnten, ließen die Ginettis das Eingangstor vergrößern, um die Durchfahrt von Kutschen zu ermöglichen, und alle Verbindungen zum benachbarten Palazzo Mattei di Giove verschließen.

miniatur|Piazza di Santa Lucia alle Botteghe Oscure auf einem Stich von 1756 (Rechts sieht man die Fassade des Palazzo Mattei Caetani in ihrem damaligen Aussehen) Überlassungen und Streit über das Eigentum Zur Begleichung der Schulden, die die Familie angesammelt hatte, verkaufte Eugenia Spada, die Witwe von Girolamo Mattei, in ihrer Eigenschaft als Vormund ihres Sohnes Alessandro den Palast an den Botteghe Oscure 1682 an den Kardinal Giovanni Francesco Negroni für 32.500 Scudi. Alessandro Mattei aber sah den Verkauf als unrechtmäßig und betrügerisch an und versuchte, sobald er volljährig geworden war, das Eigentum an dem Anwesen zu beanspruchen, wenn auch mit geringem Erfolg.

Nach dem Tod von Negroni erbte dessen Neffe, der Kardinal Giovannni Battista Spinola, den Palast und nach dessen Tod 1752 verkauften ihn seine Erben an Giuseppe Maria Durazzo. 1760 kaufte der Kardinal Fabrizio Serbelloni den Palast und beschloss, den Streit mit der Familie Mattei zu beenden, die die zahlreichen Eigentumsübergänge als samt und sonders ungesetzlich ansah; er zahlte an die Erben von Alessandro Mattei eine Entschädigung von 2500 Scudi.

Im Eigentum der Caetanis Giovanni Battista Serbelloni erbte den Palast und verkaufte ihn 1776 für 39.500 Scudi an Francesco Caetani, 11. Herzog von Sermoneta und Prinz von Teano. Die Caetanis ließen eine Reihe von Renovierungen der Innenräume unter der Leitung von Antonio Cavallucci durchführen, der für die meisten Verzierungen aus dem 18. Jahrhundert in dem Palast sorgte. Im Laufe der Jahre häufte Francesco Caetani in dem Palast eine umfangreiche Sammlung von Bildwerken zahlreicher zeitgenössischer Künstler an, darunter von Pompeo Batoni, Anton Raphael Mengs und Angelika Kauffmann, während sein Bruder Onorato sich der Schaffung einer weitläufigen Bibliothek und einer Sammlung von Briefen, Veröffentlichungen und Dokumenten widmete, die heute als Fondo Onorato Caetani bekannt sind und die Basis des heutigen Archivio Caetani bildeten.

1778 ließ Herzog Caetani auf dem Dach des Palastes eine Sternwarte und eine Wetterstation installieren, die ersten ihrer Art in Rom; zu ihrer Errichtung trugen sein Bruder Onorato, der Direktor des Observatoriums Santa Maria sopra Minerva Giovanni Battista Audiffredi, der Astronom und Mathematiker Rugjer Josip Bošković und der Professor der Universität Pisa Giuseppe Antonio Slop bei. Mit der Leitung der neuen Beobachtungsstationen wurden zuerst der Abt Luigi de Cesaris und dann der Astronom Atanasio Cavalli betraut. Schnell wurde das Osservatorio Caetani die bedeutendste Beobachtungsstation der Stadt und veröffentlichte ab 1785 unter der Leitung des Portugiesen Eusebio da Veiga ein reguläres Bulletin mit dem Titel „Effemeridi astromomiche calcolate al mezzogiorno tempo vero nel meridiano di Roma ad uso della Specola Caetani“. Unter der nachfolgenden Leitung von Feliciano Scarpellini wurde an das Observatorium die „Accademia di Studi fisicomatematematici“ angeschlossen, die nach der französischen Besetzung Roms ihren Sitz in den Palazzo Caetani verlegte und in „Accademia Caetani“ umbenannt wurde. Diese Akademie, die bis 1807 ihren Sitz in dem Palast behielt, spielte eine fundamentale Rolle bei der späteren Wiedergründung der Accademia Nazionale dei Lincei.

Ende des 19. Jahrhunderts war der Palast unter anderem die Residenz des Herzogs Onorato Caetani, des Bürgermeisters von Rom und Außenministers des Königreichs Italien.

In den 1930er-Jahren wurde der Palast von den durch Mussolini verfügten Abrissen verschont, die die Gebäude auf der gegenüberliegenden Seite der Via delle Botteghe Oscure betraf.

1956 gründeten Roffredo Caetani und seine Frau Marguerite die Fondazione Camillo Caetani (die heute Eigentümer des Gebäudes ist), eine Stiftung zum Zwecke der Erhaltung und Aufwertung des archivistischen, künstlerischen und bibliothekarischen Erbes des Palastes und der Verbreitung der humanistischen und wissenschaftlichen Kultur. Die Stiftung war bis 1960 auch für die Veröffentlichung der Literaturzeitschrift Botteghe Oscure verantwortlich.

Beschreibung Der Palazzo Caetani hat einen größtenteils rechteckigen Grundriss mit einem quadratischen Hof, in dessen Mitte man direkt durch das Haupttor gelangt; neben dem Palast öffnet sich darüber hinaus ein zweiter, mit Bäumen gesäumter Hof, in den man vom Haupthof durch eine Vorhalle mit drei Bögen gelangt. Die Nord- und Ostseite grenzen an Straßen (Via delle Botteghe Oscure, bzw. Via Michelangelo Caetani), während die Süd- und Westseite an die anderen Gebäude der Insula Mattei grenzen (also Palazzo Mattei di Giove, bzw. Palazzo Mattei di Paganica). Ausgehend von der Südostecke erstreckt sich eine lange Galerie in Richtung Süden, die den Palast an den Botteghe Oscure mit dem angrenzenden Palazzo Mattei di Giove verbindet. Sie hat eine Höhe von vier Stockwerken, dessen oberstes oberhalb der Dachlinie erst in der Zeit nach dem Bau aufgesetzt wurde.

Fassade miniatur|Eingang zum Palast Die Hauptfassade ist symmetrisch und harmonisch gestaltet; die Fenster in jedem Stockwerk (neun pro Etage) liegen perfekt übereinander. Die Harmonie wird nur durch das strenge Eingangsportal mit Architrav und einer Konsole in Travertin darüber unterbrochen, unter dem in großen Majuskeln der Name der Eigentümerfamilie eingeritzt ist (ursprünglich stand dort „Alexander Mattheius“, der lateinische Name des Auftraggebers und ersten Eigentümers). Im unteren Teil, anschließend an den Gehweg, ist die Fassade mit einer Reihe von Travertinplatten verziert, nur unterbrochen durch die vergitterten Fensterchen des Untergeschosses. Darüber liegen die Fenster des Erdgeschosses, gerahmt in Travertin, mit Konsolen oben und unten und ebenfalls mit Gittern versehen.

Weiter oben ist die einfarbige Monotonie des Putzes durch ein Travertinband unterbrochen, das mit Wellenmotiven dekoriert ist und sich über die gesamte Breite der Fassade erstreckt. Darüber dienen Verzierungen in Sichtmauerwerk als Unterstützung der Fensterbretter im ersten Obergeschoss; auch diese Fenster sind in Travertin gerahmt und oben mit Konsolen versehen. Darüber öffnet sich eine Reihe quadratischer Fensterchen mit sehr viel einfacheren Rahmen; im Unterschied zu den anderen Fensterreihen zeigen diese nicht das Vorhandensein eines weiteren Stockwerks an, sondern befinden sich ebenfalls in den hohen Sälen des ersten Obergeschosses.

Höher oben wird die Kontinuität des Putzes durch ein zweites Band aus Travertinblöcken erneut unterbrochen, die als Fensterbretter des zweiten Obergeschosses dienen; dessen Fenster sind, wie die quadratischen Fensterchen darunter, mit wesentlich weniger ausgearbeiteten Rahmen versehen.