mini|Projektil mit Schussfaden mini|Sulzer-Maschine aus der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts mini|Montagehalle der Projektilwebmaschinen im Jahre 1959 Die Projektilwebmaschine ist eine Produktionsanlage der Textilherstellung. Sie webt mit einer Schussfadeneintragung mittels Projektil.
Ablauf der Schussfadeneintragung per Projektil Die Schussfadeneintragung in das Webfach erfolgt während einer Umdrehung der Hauptachse der Webmaschine in folgenden Phasen: Das Webfach wird geöffnet, zwischen den Kettfäden ragende dünne rechenförmige Führungsstücke (je ca. 2 cm nebeneinander) bilden im Webfach einen Durchlaufkanal fürs Projektil. Im Projektil (20–40 g Gewicht, siehe Bild rechts) befindet sich eine Fadenklemme, mit der der Schussfaden vor dem Eintritt ins Webfach festgehalten wird. Das Projektil wird durch einen Torsionsstab (etwa 70 cm lang) beschleunigt und mit einer Geschwindigkeit von ca. 25 m/sec durch das Webfach gezogen. Der eingetragene Schussfaden wird abgeschnitten () und in beide Webkanten eingewebt (). Das leere Projektil wird (mit einem Abstand etwa 25 cm vom folgenden Stück) auf ein endloses Förderband gesetzt, das es im unteren Teil der Webmaschine zum Ausgangspunkt des nächsten Schusseintrags transportiert. Der Webkamm presst den Schussfaden zum fertigen Gewebe, das Webfach schließt. Leistung und Verwendung der Projektilwebmaschine Die Projektilwebmaschinen werden in Arbeitsbreiten von 220–655 cm gebaut. Zur Ausstattung gehören Schaftmaschinen mit bis zu 18 Schäften und einer Schussfadenspeisung mit möglichen Kombinationen von maximal 4 Farben. Moderne Maschinen (2026) erreichen bis zu 600 Touren/Min. und einen Schussfadeneintrag von 1570 Metern/Min. Die Webkamm-Schlagkraft beträgt bis zu 15 000 N/m. Die Schussgarn-Abfallrate ist außerordentlich niedrig (1,2 %). Adanur: Handbook of Weaving, CRC Press 2001, S. 228–261, ISBN 978-1-58716-013-4
Auf der Maschine sind sowohl feine als auch grobe Gewebe herstellbar, besonders gut geeignet ist sie für die Verarbeitung gröberer Garne und für die Herstellung schwerer, dichter Gewebe. Dazu gehören z. B. Denim (bis 700 g/m²), Filter, Förderbänder u. Ä. Mit einer Konstruktionsvariante ist die Herstellung von Metallgewebe möglich (Alu- und Stahldraht 0,3–0,4 mm). Geschichte der Maschine Die erste erfolgreiche Konstruktion der Projektilwebmaschine brachte der deutsche Techniker Rossmann. Rossmann hat die Patentrechte etwa 1928 an die Schweizer Firma Sulzer verkauft, bei der die Erfindung weiterentwickelt wurde. 1953 hat Sulzer mit der Serienproduktion der Maschine begonnen, unter Fachleuten wurde die Bezeichnung Sulzer bald zum Synonym für Projektilwebmachinen.Schneider: Weberei: Verfahren und Maschinen für die Gewebeherstellung, Springer-Verlag 2013, S. 24–30, ISBN 978-3-642-92824-6
In den 1970er Jahren wurden bei Sulzer im Jahr bis zu 6000 Projektilmaschinen produziert, außerdem wurden in Europa diese Maschinen von einigen kleineren Herstellern angeboten. 2001 hat die italienische Firma Itema von Sulzer die komplette Herstellung und den Verkauf von Projektilmaschinen übernommen. Im Jahr 2024 hat man dort nur noch 100 Maschinen hergestellt, zum Ende 2026 soll die Produktionsstätte geschlossen werden.
Im Jahr 2025 erreichte der weltweite Verkaufserlös für Projektilwebmaschinen ca. 1,2 Milliarden USD (Stückpreise: M. mit einfarbigem Schuss 30 000 USD, vierfarbig 15 000–40 000 USD) Zu den bekanntesten Herstellern gehören die japanischen Firmen Toyota und Tsudakoma und die italienische Itema.
Siehe auch Webmaschine Fach (Weberei) Literatur Jordan: Alternative Fadentransportsysteme für die Herstellung textiler Flächen, Shake Verlag 2020, ISBN 978-3-8440-7417-8.
Einzelnachweise
Kategorie:Arbeitsmittel (Weberei)