Die Sprache der Huzi (; ; auch Susisch genannt) war die Sprache der antiken Bewohner der historisch als Susiana bekannten Region (die heutige Provinz Chuzestan im Südwesten des Iran).
Der Name dieses Volkes erscheint im Altpersischen als 'Uvaja' () und in den achämenidischen Inschriften als Hūjiya, woraus im Mittelpersischen Huzi wurde; arabische Autoren überlieferten ihn Jahrhunderte später als 'Chūzī' (Khūzī). Heute wird die Sprache als „Huzi-Sprache“, in manchen Quellen auch als „Chusi-Sprache“ (Khuzi) bezeichnet.„Ahvaz“ – Teil 1: Name und Geschichte, Islamische EnzyklopädieThe New Encyclopaedia Britannica, Band 1, 1995, S. 169Halm, Heinz; Bonner, Michael (1996). The Empire of the Mahdi, Teil 1, Band 26. BRILL.
Etymologie Griechische Geschichtsschreiber überlieferten den Namen als 'Uxi' (). Tatsächlich war das anlautende „U“ gemäß den achämenidischen Inschriften korrekt.
Was den Namenswandel von 'Uvja' bzw. 'Uvzi' zu 'Huzi' betrifft, so ist dieser Konsonantenwandel in den heutigen südwestiranischen Dialekten gut zu beobachten, etwa im Lurischen und im Bachtiarischen (die in und um Chuzestan gesprochen werden), wo der Buchstabe „h“ mitunter zur Wiedergabe des Lautes „u“ verwendet wird. In altpersischen Dialekten und im Pahlavi konnte sich der Laut „ō/ū“ zu „hō/hū“ wandeln, wie es sich in Wörtern wie 'Oormazd' zu „Hoormazd“ oder 'Ooshmand' zu „Hooshmand“ zeigt.
Einige Quellen legen nahe, dass die Huzi Nachkommen der Elamer waren.Svat Soucek, Arabistan or Khuzistan, Iranian Studies, Bd. 17, Nr. 2/3 (Frühjahr–Sommer 1984), S. 195–213. Taylor & Francis im Auftrag der International Society for Iranian Studies. JSTOR: http://www.jstor.org/stable/4310441V. Minorsky, The Tribes of Western Iran, The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland, Bd. 75, Nr. 1/2 (1945), S. 73–80. JSTOR: http://www.jstor.org/stable/2844282V. Minorsky, The Tribes of Western Iran. 1945, S. 73–80.Svat Soucek, Arabistan or Khuzistan. 1984, S. 195–213. Nach altiranischen Schriften und den von den Parsen (Zoroastriern) Indiens bewahrten Büchern gibt es jedoch keinen Beleg dafür, dass die Huzi elamischen Ursprungs waren. Sprache und Kultur der Huzi besaßen eigenständige, nur ihnen eigene Merkmale und Besonderheiten. Die Huzi-Sprache blieb in Chuzestan bis in die sasanidische Zeit und sogar noch mehrere Jahrhunderte nach der islamischen Eroberung des Iran in Gebrauch. Die heutigen Bewohner des Südwestirans bewahren weiterhin zahlreiche kulturelle und sprachliche Spuren von Traditionen, die den Huzi zugeschrieben werden. Der Name der Provinz Chuzestan (Huzistan) sowie von Städten wie Ahvaz und Hoveizeh spiegelt die historische Präsenz dieses Volkes und seiner Sprache in der Region wider.R. M. Savory, „Khuzistan“, in: Encyclopaedia of Islam, Bd. 5, Brill, 1986, S. 80.
Wissenschaftliche Einordnung Die ältesten handschriftlichen historischen Berichte über dieses Volk stammen zunächst von Ibn al-Muqaffa' (ca. 724–759 n. Chr.) und später von Ibn Hauqal (ca. 978 n. Chr.), die dieses Volk auf Arabisch in der Form Chuzi (Khuzi) verzeichneten. Andererseits erwähnen bereits die achämenidischen Inschriften (520–330 v. Chr.) ein Land namens Hūjiya (Ḫūz / Ḫūzī), das mit dem Gebiet des heutigen Chusestan in Verbindung gebracht wird; zudem wurde der Name der Provinz nach den erhaltenen persischen Dokumenten und Karten bis zum Ende der Safawidenzeit (1501–1736) offiziell in der Form Huzistan geschrieben.D. T. Potts: The Archaeology of Elam: Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge University Press, New York 1999, S. 415.Richard N. Frye: The History of Ancient Iran. 1984, S. 27.
Gilbert Lazard stellt auf der Grundlage eines Berichts im mittelalterlichen Werk al-Fihrist, der Ibn al-Muqaffa' zitiert, fest, dass die Iraner in der späten Sasanidenzeit fünf Sprachen sprachen:
Pahlavi: gesprochen in der Region des antiken Mediens. Dari: gesprochen in der Hauptstadt des Iran (Ktesiphon). Altpersisch: Sprache der Priester und Gelehrten. Huzi: gesprochen in Huzistan. Syrisch: gesprochen im Sawād (Sūrīstān) im südlichen Mesopotamien.
Nach Lazard vermitteln die frühislamischen historischen Quellen kein vollständiges Bild der Sprachen des Iran. Aus verstreuten Berichten von Geographen und Historikern geht hervor, dass sich die Huzi-Sprache nicht einmal richtig mit der arabischen Schrift wiedergeben ließ.
Bertold Spuler merkt an, dass die in Chusestan gesprochene Sprache Huzi war, und schreibt: „Nach ausdrücklichen Aussagen jener Zeit stand sie in keiner direkten Beziehung zum Persischen oder Arabischen; selbst die arabische Schrift reichte zu ihrer Verschriftung nicht aus. Es ist nicht abwegig, diesen Dialekt als einen Überrest der elamischen Sprache zu betrachten.“
Bis mehrere Jahrhunderte nach der Eroberung Chuzestans durch die Muslime war die lokale Sprache der Bevölkerung Chuzestans die Sprache der Huzi. Aus dem Buch Masalik al-Mamalik wird überliefert: Ibn Hauqal sagt:
Neben dem Arabischen und dem Persischen sprechen die Huzi eine weitere Sprache, die weder Syrisch noch Hebräisch ist.Ibn al-Muqaffaʿ schreibt über die Sprache der Huzi:Richard Frye sagt:
Die auf Arabisch schreibenden Geographen des 10. Jahrhunderts berichteten von der Existenz der Chuzi-Sprache im Zagros-Gebirge, die als Fortsetzung der altelamischen Sprache gedeutet wird.Nach Martin Haug:
Die Huzi-Sprache ist höchstwahrscheinlich die zweitrangige Sprache in den Felsinschriften der Achämeniden.Martin Haug: Essay on the Pahlavi Language. From the Pahlavi-Pazand Glossary. 1870, S. 36.„Mehdi Marashi“ schreibt:
Der Verfasser des Ahsan at-taqasim berichtet, dass sie (die Huzi-Sprecher) ein wenig Arabisch und Persisch miteinander vermischt hätten.
Zum Beispiel sagen sie: „In ketāb wasle kon“ („dieses Buch flicke/binde“), „In kār qat'e kon“ („Beende diese Arbeit!“).
Sie verwenden das Persische und das Arabische gut, und in ihrer Rede findet sich eine Verwicklung und Dehnung am Ende ihrer Wörter.Mehdi Marashi (Hrsg.): Persian Studies in North America: Studies in Honor of Mohammad Ali Jazayery. 1994, S. 266.
Mögliche erhaltene Spuren Beispiele für Wörter aus den Dialekten Dezfuli, Schuschtari, Süd-Lurisch und Bandari,Geographisches Ortsverzeichnis der Islamischen Republik Iran (Bd. 101, Genaveh 1365/1986; Bd. 110, Buschehr 1365/1986; Bd. 91, Behbahan 1370/1991 zu Bandar Deylam; Bd. 90, Abadan 1365/1986 zu Bandar Mahschahr) von denen behauptet wird, sie seien aus der alten Sprache der Huzi erhalten geblieben:Faridun Jundi: (arabisch).
tara: er/sie kann natara: er/sie kann nicht khasi: Schwiegermutter khaar: Schwester (hier zeigt sich die Ähnlichkeit mit dem Persischen) beraar: Bruder (Ähnlichkeit mit dem Persischen und dem Lurischen) piyaa: Mann mera: Ehemann afto: Sonne(nschein) aw: Wasser pasin: Nachmittag isoon: jetzt kolmejoor: Suchen und Stöbern khoftidan: schlafen versidan: aufstehen / sich erheben chaas: Mittagessen shak: Erschütterung und Zittern
Siehe auch Altiranische Sprachen Ahvaz Chuzestan Howeyzeh
Literatur Bertold Spuler: Tarich-e Iran dar qorun-e nochostin-e eslami [Iran in früh-islamischer Zeit]. Übersetzt von Dschawad Falaturi. Band 1, Elmi va Farhangi, Teheran 1364/1985. Dschalal Chaleghi-Motlagh: Sargozascht-e zaban-e farsi [Die Geschichte der persischen Sprache]. In: Iranschenasi (Foundation for Iranian Studies), Nr. 1, Frühjahr 1368/1989, S. 76–87 (online, abgerufen am 27. Mai 2023). Richard Nelson Frye: The History of Ancient Iran. 1984, S. 27 (online, englisch). Martin Haug: Essay on the Pahlavi Language. From the Pahlavi-Pazand Glossary. 1870, S. 36 (online, englisch). G. Lazard: The Rise of the New Persian Language. In: The Cambridge History of Iran. Band 4, Cambridge University Press, New York 2008, ISBN 978-0-521-20093-6 (englisch). Mehdi Marashi (Hrsg.): Persian Studies in North America: Studies in Honor of Mohammad Ali Jazayery. 1994, S. 552 (online, englisch). V. Minorsky: The Tribes of Western Iran. In: The Journal of the Royal Anthropological Institute of Great Britain and Ireland. Band 75, Nr. 1/2, 1945, S. 73–80 (JSTOR, abgerufen am 27. Mai 2023). D. T. Potts: The Archaeology of Elam: Formation and Transformation of an Ancient Iranian State. Cambridge University Press, New York 1999, ISBN 0-521-56496-4 (englisch). Svat Soucek: Arabistan or Khuzistan. In: Iranian Studies. Band 17, Nr. 2/3, 1984, S. 195–213 (JSTOR, abgerufen am 27. Mai 2023).
Weblinks
Chuzestan im Angesicht der Geschichte, Teil 1 (persisch) Chuzestan im Angesicht der Geschichte, Teil 2 (persisch) Die bemerkenswerte Stellung der Huzi und ihrer Sprache in der iranischen Medizinschule (persisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Ausgestorbene Sprache Kategorie:Einzelsprache Kategorie:Ahvaz Kategorie:Chuzestan