Hans-Erhard Haverkampf (* 30. Oktober 1940 in Mühlhausen/Thüringen; † 30. Juni 2026) war ein deutscher Kommunalpolitiker (SPD), Stadtplaner und Autor.
Leben Haverkampf legte das Abitur am Carl-Duisberg-Gymnasium in Wuppertal ab und leistete anschließend Wehrdienst. Ab 1961 absolvierte er ein Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre in Marburg, Bonn und Köln. Er schloss das Studium 1967 mit dem Diplom ab und war anschließend Assistent am Lehrstuhl für Finanzwissenschaften der Universität zu Köln. Dort wurde er mit einer Dissertation über „Kybernetische Modellbildung in der Sozialpolitik“ zum Dr. rer. pol. promoviert. Für den Lehrstuhl von Karl-Heinrich Hansmeyer baute er von 1969 bis 1970 die Forschungsstelle „Kommunalfinanzen und Stadtentwicklungsplanung“ am Deutschen Institut für Urbanistik auf. Anschließend war er beurlaubt, um bei der Stadt Nürnberg die dortige Stadtentwicklungsplanung aufzubauen. Ab 1974 arbeitete er an einer Habilitationsschrift zur praktischen Validität von Planungsmodellen zur Stadtentwicklung, die er jedoch nicht abschloss.
Von 1975 bis 1989 war Haverkampf für die SPD Mitglied des Magistrats der Stadt Frankfurt am Main, zunächst von 1975 bis 1977 als Planungsdezernent, dann von 1977 bis 1989 als Baudezernent. In seine Amtszeit als Planungsdezernent fielen der neue Generalverkehrsplan für Frankfurt, der Aufbau des Amts für Stadtentwicklung, die Verabschiedung des Bebauungsplans Westend, die Fertigstellung des neuen Flächennutzungsplans und mehrere Stadtteilentwicklungsplänen. Während seiner Amtszeit als Baudezernent wurde der Wiederaufbau der Alten Oper und die Umgestaltung der Zeil zur Fußgängerzone abgeschlossen, auch etliche Schulneubauten entstanden unter seiner Ägide. Das wichtigste Projekt seiner Amtszeit war jedoch das Museumsufer. Als städtische Häuser entstanden zuerst das Deutsche Filmmuseum und das Deutsche Architekturmuseum, danach das Museum für Kunsthandwerk (heute Museum Angewandte Kunst), die Schirn Kunsthalle, dann noch das Jüdische Museum und das Museum für Vor- und Frühgeschichte (heute Archäologisches Museum) und zuletzt das Museum für Moderne Kunst. Auch am Wiederaufbau der Ostzeile am Römerberg war er maßgeblich beteiligt.
Nach dem Ausscheiden aus dem Magistrat war Haverkampf als Bauprojektleiter für private Investoren tätig, vor allem in Ostdeutschland, Tschechien und Russland. Er betreute unter anderem den Neubau der Hochschule für Musik und Theater Rostock und die Errichtung des Deutschen Architektur Zentrums in Berlin. Von 1997 bis 2001 entstand unter seiner technischen Projektleitung der Neubau des Bundeskanzleramts. Es folgten bis 2003 die Fertigstellung des Paul-Löbe-Hauses und des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses für den Deutschen Bundestag.
Von 2004 bis 2005 war Haverkampf Geschäftsführer der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, das unter seiner Führung fertiggestellt wurde. Daraufhin bewirtschaftete er von 2005 bis 2011 eine Hofreite bei Wismar. 2008 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Daraufhin kehrte er nach Frankfurt zurück und wirkte beratend beim Umbau des Filmmuseums 2011 und bei der Durchsetzung des neuen Deutschen Romantik-Museums 2014.
In seinen letzten Lebensjahren widmete sich Haverkampf der schriftstellerischen Arbeit. Er verfasste Novellen, Romane, Theaterstücke sowie Sachbücher. Außerdem legte er wissenschaftliche Aufsätze über stadtplanerische und finanzwissenschaftliche Themen vor. Er starb Ende Juni 2026 im Alter von 85 Jahren.
Werke (Auswahl) Bücher Meercazzing. 6 Novellen. Axel Dielmann-Verlag, Frankfurt am Main 2012. Benjamin in Frankfurt. Frankfurter Societät, Frankfurt am Main 2016. Die Schwarze Kutsche. Axel Dielmann-Verlag, Frankfurt am Main 2019.
Aufsätze und Vorträge Ein Dach wird Weltarchitektur – die Domkuppel des Brunelleschi. In: Deutsches Architektenblatt, Mai 1989. Staatsschuld ohne Stigma – eine Illusion? In: Zeitschrift für Verwaltungs- und Europawissenschaften 2/2010. Wie aus Trümmern Häuser wurden. In: Deutsches Architektenblatt; zur ästhetischen Grammatik der 50er Jahre in Deutschland, Dez. 2010, Jan. 2011. Baugestalt in Wortgewalt – zum Verhältnis von Architektur und Literatur. Mehrmediale Performance im Rahmen der Frankfurter Architektursommers 2012. Großbauvorhaben als öffentliches Ärgernis. In: Zeitschrift für Verwaltungs- und Europawissenschaften 1/2015. Das Kunstwerk im Zeitalter seiner digitalen Reproduzierbarkeit. Zur Aktualität der Benjamin’schen Medientheorie. 2016. Traumnovelle, Arthur Schnitzler – Stanley Kubrick, ein dramaturgischer Vergleich. 2017.
Sonstiges Der Tod wog 70 Tonnen. Drehbuchentwurf für den WDR, 2013. Was darinnen ist und weht. Singspiel mit Bertold Breig und Schauspielern der Fliegenden Volksbühne als Benefiz für das Romantikmuseum in Frankfurt am Main, 2013.
Weblinks Hans-Erhard Haverkampf, in: Frankfurter Personenlexikon
Website von Hans-Erhard Haverkampf
Einzelnachweise
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