Lignotrend (Eigenschreibweise: LIGNOTREND) ist ein deutscher Hersteller von Brettsperrholz- und Massivholz-Bauelementen mit Sitz in Weilheim im Landkreis Waldshut. Das 1992 von Werner Eckert und Gerhard Amann gegründete Unternehmen entwickelt und produziert tragende Holzbauelemente für den Hochbau sowie Akustiksysteme aus Massivholz für den Innenausbau.
Das Unternehmen entwickelte Anfang der 1990er-Jahre ein Konstruktionsprinzip für Massivholzelemente aus kreuzweise verklebten Holzlagen, bei dem Rippen- und Kastenquerschnitte mit offenen bzw. geschlossenen Hohlräumen entstehen. Die zunächst als „Holzblocktafel“ bezeichnete Bauweise wurde 1992 zum Patent angemeldet und erhielt 1994 ihre erste allgemeine bauaufsichtliche Zulassung. Heute ist sie dem Brettsperrholz zugeordnet.
Geschichte Werner Eckert stellte das von ihm entwickelte System 1992 als Prototyp auf der Messe Holzbau + Ausbau in Friedrichshafen erstmals der Fachöffentlichkeit vor. Die Fachzeitschrift Holzbau & Naturbaustoffe aktuell bezeichnete die flächigen Wandbauteile in der Berichterstattung als neuartiges Holzbausystem. In den ersten Jahren wurde die Konstruktion unter der Bezeichnung „Holzblocktafel“ vermarktet; unter dieser Bezeichnung wurden 1992/93 auch Schutzrechte angemeldet.
Der heute gebräuchliche Begriff Brettsperrholz setzte sich für die Produktgruppe erst später durch. Die Fachzeitschrift Bauen mit Holz bezeichnete 2017 die Produkteinführung von Lignotrend rückblickend als "Geburtsstunde des Brettsperrholzes".
Das Herstellprinzip ist an das Prinzip des Furniersperrholzes angelehnt, anstelle von Furnierlagen werden Bretter verwendet. Im Unterschied zu monolithischen Brettsperrholzplatten aus vollflächig miteinander verbundenen Lagen werden bei den von Lignotrend entwickelten Elementen einzelne Holzlagen mit seitlichem Abstand angeordnet. Dadurch entstehen Rippen- und Kastenquerschnitte mit innenliegenden Hohlräumen, bei denen der Holzbedarf gegenüber vollmassiven (monolithischen) Brettsperrholzplatten geringer ist. Die Hohlräume erlauben die Integration von Leitungen, Schallschutzschüttungen und Raumakustikabsorbern.
Anfänglich nur in Wandbauteilen eingesetzt, wurden die Produkte später auch für den Einsatz in statisch tragenden Decken- und Dachbauteilen modifiziert, mit denen auch große Spannweiten umgesetzt werden können.
Da für den Elementaufbau keine entsprechende Normung bestand, wurde ihre Anwendung über allgemeine bauaufsichtliche Zulassungen des Deutschen Instituts für Bautechnik geregelt. Die erste Zulassung für Wandelemente wurde 1994, für Deckenelemente 1998 erteilt; 2002 folgte eine gemeinsame Zulassung der Elementtypen unter Berücksichtigung der Berechnungsverfahren, die an der Universität Karlsruhe neu entwickelt wurden.
2018 wurde Unternehmensgründer Werner Eckert beim Internationalen Holzbau-Forum für seine Entwicklungsarbeit auf dem Gebiet des Brettsperrholzes und seinen Einsatz für den Holzbau geehrt. Der Ankündigungstext bezeichnete ihn als einen der „Väter der Brettsperrholz-Idee“. Träger der Ehrung ist die internationale akademische Kooperation Forum Holzbau.
Eine auf der World Conference on Timber Engineering 2025 veröffentlichte Untersuchung im Rahmen des internationalen Forschungsprojekts InnoTLT bezeichnet die 2001 und 2002 von Hans Joachim Blaß und Rainer Görlacher an Lignotrend-Elementen durchgeführten Untersuchungen als "first studies" zu Holzbauelementen mit großen Zwischenräumen.
Unternehmen Das Unternehmen betreibt im Landkreis Waldshut neben der Brettsperrholzfertigung und Verwaltung in Remetschwiel ein Starkholzsägewerk in Ibach sowie weitere Produktions- und Logistikstandorte. Verarbeitet werden überwiegend Fichte und Weißtanne aus dem Schwarzwald. Die Verarbeitung starker Weißtannenstämme zur Gewinnung astfreier Holzanteile ist eine Besonderheit, für die das eigene Sägewerk ausgelegt ist. Die eigentliche Brettsperrholz-Produktion ist darauf ausgelegt, die Schichten der Elemente je nach bautechnischer Anforderung auftragsweise unterschiedlich aufzubauen.
Produkte des Unternehmens sind nach dem Umweltzeichen Natureplus zertifiziert – einem Bewertungssystem für Bauprodukte unter Gesundheits-, Umwelt- und Klimaschutzkriterien.
Technologie Die statisch tragenden, flächigen Bauelemente von Lignotrend bestehen aus kreuzweise verklebten Massivholzlagen. Anders als bei monolithischen Brettsperrholzplatten werden einzelne Lagen mit seitlichen Abständen angeordnet und zu Rippen- oder Kastenquerschnitten mit geringerem Eigengewicht kombiniert. Dadurch entstehen Hohlräume, die unter anderem für Installationen und bauphysikalische Funktionen wie Schall-, Wärme- und Brandschutz und Raumakustik genutzt werden können.
Ab 2004 übertrug das Unternehmen das Konstruktionsprinzip auf dünnere, nichttragende Akustikpaneele aus kreuzweise angeordneten Massivholzlagen mit schallabsorbierenden Holzweichfaser-Einlagen.
Bei den Elementen verbinden quer zur Längsrichtung angeordnete Holzlagen die Teilquerschnitte nachgiebig miteinander. Bei Beanspruchung als Platte werden diese Querlagen auf Rollschub, bei Beanspruchung als Scheibe die Kreuzungsflächen auf Torsion beansprucht. Da dafür zunächst keine validierten Berechnungsverfahren vorlagen, entwickelten Hans Joachim Blaß und Rainer Görlacher an der Universität Karlsruhe auf Grundlage von Versuchsreihen an Lignotrend-Elementen erstmals entsprechende Rechenverfahren.
Weitere Forschung und Entwicklung Neben Untersuchungen zum Tragverhalten waren Lignotrend-Bauteile Gegenstand von Forschungsprojekten zu weiteren konstruktiven und bauphysikalischen Eigenschaften. Untersucht wurden unter anderem das Erdbebenverhalten von Brettsperrholzelementen, der Schallschutz von Holzbauteilen, die Raumakustik sowie das Raumklima in Holzgebäuden. Weitere Forschungsarbeiten befassten sich mit Holz-Beton-Verbundkonstruktionen.
An den Untersuchungen waren unter anderem Hochschulen und Forschungseinrichtungen beteiligt. Die Forschungsprojekte behandelten damit neben dem Tragverhalten weitere bauphysikalische und konstruktive Eigenschaften der Bauteile.
Ausgewählte Bauwerke
Produkte des Unternehmens wurden beispielsweise in folgenden Gebäuden eingesetzt:
Zweigeschossiges Wohnhaus, Vörstetten – 1994 wurde über die kurze Bauzeit eines frühen, von der Planerwerkstatt Hoelken-Berghoff entworfenen Gebäudes aus Holzblocktafeln berichtet. Mehrfamilienhaus, Bern-Köniz – Das 2006 als erstes Minergie-P-ECO-Gebäude fertiggestellte Mehrfamilienhaus des Architekturbüros Halle 58 verwendet Dämmständer und weit gespannte Geschossdecken von Lignotrend. Neue Messe, Hamburg – Die von Ingenhoven Associates geplanten, ab 2004 neu errichteten Messehallen haben Tonnendächer aus Holz. Hier wurden raumakustisch wirksame Lignotrend-Elemente zur Ausbildung der statischen Dachscheibe eingesetzt. Wohn- und Geschäftshaus Buggi 52, Freiburg – Das 2021 fertiggestellte achtgeschossige Holzgebäude wurde aus Gründen der Materialeffizienz in einer hybriden Konstruktion aus Holzrahmenbau und Brettsperrholz-Rippenelementen von Lignotrend umgesetzt. Das von Weissenrieder Architekten geplante Projekt ist das erste durch FSC zertifizierte Gebäude in Deutschland. Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, Stockholm – Bei der Renovierung des Hauptgebäudes wurden im Vortragssaal und in den Verkehrsflächen Akustikpaneele von Lignotrend in schwerentflammbarer Ausführung eingesetzt.
Rezeption Die Holzblocktafel-Bauweise wurde bereits kurz nach ihrer Einführung in der Fachpresse behandelt. Bauen mit Holz beschrieb 1993 die kreuzweise Verklebung der Holzlagen als konstruktiven Ansatz zur "Vermeidung des Blockbauproblems des Schwindens".
Ein 1994 in mikado veröffentlichter Beitrag des Ingenieurs Wolfgang Ruske bezeichnete die Holzblocktafel-Bauweise als Neuentwicklung und dokumentierte ihre damalige Verbreitung über Fachbetriebe in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Das Standardwerk Holzbau mit System ordnet die Rippen- und Kastenelemente von Lignotrend als eigenständige Ausführung innerhalb der Brettsperrholz-Bauweisen ein. Bauen mit Holz bezeichnete die Markteinführung rückblickend als „Geburtsstunde des Brettsperrholzes“.
Der Holzkurier berichtete mehrfach über das Unternehmen, unter anderem über die Weißtannenverarbeitung und die Nutzung von Seitenware.
Eine wissenschaftliche Veröffentlichung auf der World Conference on Timber Engineering 2025 bezeichnete die Untersuchungen von Blaß und Görlacher an Lignotrend-Elementen von 2001 und 2002 als erste Studien zu Holzelementen mit großen Zwischenräumen.
Weblinks
Offizielle Website
Einzelnachweise
Kategorie:Unternehmensgründung 1992 Kategorie:Weilheim (Baden) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Holz) Kategorie:Produzierendes Unternehmen (Landkreis Waldshut)