John Alexander Tilleard MVO (* 1850; † 22. September 1913 in Hampstead) war ein britischer Solicitor und Philatelist. Seit 1893 beriet er den späteren König Georg V. beim Aufbau seiner Briefmarkensammlung, aus der die Royal Philatelic Collection hervorging. Von 1894 bis zu seinem Tod war Tilleard ehrenamtlicher Sekretär der Royal Philatelic Society London; 1910 ernannte ihn Georg V. zum Philatelist to the King.

Leben und philatelistische Forschung Tilleard besuchte das Marlborough College und arbeitete anschließend als Solicitor in der City of London. Er gehörte der Londoner Kanzlei Watney, Tilleard & Freeman an. Als Philatelist spezialisierte er sich auf die Briefmarken von Prince Edward Island und Britisch-Indien.

Am 8. Februar 1895 stellte er der damaligen Philatelic Society, London seine Forschungen zu den von De La Rue hergestellten indischen Briefmarken und Telegraphenmarken vor. Die Gesellschaft veröffentlichte die Untersuchung 1896 unter dem Titel Notes on the De La Rue Series of the Adhesive Postage and Telegraph Stamps of India. Sie ergänzte das 1892 erschienene Gesellschaftswerk über die Briefmarken und Ganzsachen Britisch-Indiens und Ceylons. Die von ihm untersuchten De-La-Rue-Ausgaben Britisch-Indiens sind von den eigenständigen Ausgaben der indischen Fürstenstaaten zu unterscheiden.

mini|Kanadische Ein-Cent-Marke der Edward-VII-Serie von 1903, an deren Entwurf Tilleard beteiligt war

Gemeinsam mit dem damaligen Prince of Wales, dem späteren Georg V., wirkte Tilleard am Entwurf einer neuen kanadischen Freimarkenserie mit dem Bildnis König Eduard VII. mit. Die ersten fünf Wertstufen erschienen am 1. Juli 1903. Das ausgewählte Porträt beruhte auf einer Aufnahme des britischen Fotoateliers W. & D. Downey. John Augustus Charles Harrison von Perkins Bacon fertigte danach einen Stich an, der für die Herstellung durch die American Bank Note Company überarbeitet wurde.

Royal Philatelic Collection Auf Vermittlung von Alfred, Duke of Edinburgh, begegnete Tilleard am 28. Februar 1893 dessen Neffen Georg, dem damaligen Duke of York. Tilleard übernahm die Funktion eines philatelistischen Beraters und unterstützte den Prinzen fortan bei der Auswahl, Begutachtung und Beschaffung von Sammelstücken. Georg erklärte ihm, er wolle nicht nur eine der besten, sondern die beste Briefmarkensammlung Englands besitzen.

Zu den bedeutendsten von Tilleard vermittelten Erwerbungen gehörte 1904 ein ungebrauchtes Exemplar der blauen Zwei-Pence-Marke der „Post Office“-Ausgabe von Mauritius. Er ersteigerte die Marke im Auftrag des Prinzen für 1450 Pfund, damals ein Rekordpreis für eine einzelne Briefmarke.

Nach Georgs Thronbesteigung erhielt Tilleard 1910 die offizielle Amtsbezeichnung Philatelist to the King. 1911 ernannte ihn der König für seine persönlichen Dienste zum Member des Royal Victorian Order (MVO). Nach Tilleards Tod wurde Edward Denny Bacon zum Kurator der Royal Philatelic Collection ernannt.

Tilleard starb am 22. September 1913 im Alter von 63 Jahren in seinem Wohnhaus „Ivor“ in der Goldhurst Terrace in Hampstead.

Royal Philatelic Society London Tilleard trat 1887 der damaligen Philatelic Society, London bei. Seit 1889 wirkte er als stellvertretender Sekretär und von 1894 bis zu seinem Tod als ehrenamtlicher Sekretär der Gesellschaft. In dieser Funktion war er an ihrer laufenden Organisation, ihren Veröffentlichungen und ihren Verbindungen zum britischen Königshaus beteiligt.

Er entwarf die erforderlichen Dokumente, mit denen die Gesellschaft 1906 die königliche Anerkennung und das Recht zur Führung der Bezeichnung „Royal“ erhielt. Sie führte anschließend den Namen Royal Philatelic Society London. Georg, der bereits seit 1896 Präsident der Gesellschaft gewesen war, blieb ihr nach seiner Thronbesteigung als Schirmherr verbunden.

Ehrungen und Nachwirkung Zum Andenken an Tilleard stiftete die Royal Philatelic Society London die Tilleard Medal. Die silberne Medaille wird für die beste umfangreiche philatelistische Präsentation verliehen, die von einer oder höchstens zwei Personen bei einer regulären Sitzung der Gesellschaft gehalten wurde.

Die erste ausgezeichnete Präsentation hielt Arthur Sydney Bates am 10. Februar 1920 über britische Essays aus der Zeit vor 1840; in der offiziellen Liste wird die Medaille unter dem Verleihungsjahr 1921 geführt. Zu den weiteren frühen Preisträgern gehörten König Georg V. für eine Präsentation über die ersten indischen Vier-Anna-Marken, Alfred F. Lichtenstein für kanadische Ausgaben und Adolf Passer für seine Sammlung der Briefmarken der Türkei.

Tilleards Name wurde 1921 auf der ersten Seite der Roll of Distinguished Philatelists unter den sogenannten Fathers of Philately verzeichnet. Damit wurden verstorbene Wegbereiter geehrt, die zur Entwicklung der organisierten Philatelie beigetragen hatten, die Ehrenrolle aber nicht mehr selbst unterzeichnen konnten.

Schriften Notes on the De La Rue Series of the Adhesive Postage and Telegraph Stamps of India. A Supplement to the Postage Stamps, Envelopes, Wrappers, Post Cards, and Telegraph Stamps of British India and Ceylon. Philatelic Society, London 1896.

Literatur Brian J. Birch: The Fathers of Philately: Inscribed on the Roll of Distinguished Philatelists. Royal Philatelic Society London, London 2019. Nicholas Courtney: The Queen’s Stamps. The Authorised History of the Royal Philatelic Collection. Methuen, London 2004, ISBN 0-413-77228-4.

Weblinks

John Alexander Tilleard in Who Was Who in Philately der Association of British Philatelic Societies (englisch) Nachruf und Würdigung Tilleards im London Philatelist, Band 22 (englisch)

Einzelnachweise

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