4 (Ensemble) Compositions 1992 ist ein Album mit Musik von Anthony Braxton. Die am 5. Dezember 1992 und am 16. März 1993 im Studio Sear Sound in New York City entstandenen Aufnahmen erschienen 1993 auf Black Saint.
Hintergrund
Zwei der Kompositionen Braxtons auf dieser Aufnahme entstanden um 1980, zwei weitere im Jahr 1992, aber alle repräsentieren die eher „klassische“ Seite von Braxtons Werk, notierte Brian Olewnick.
Diese vier Werke Braxtons für große Besetzungen (13 ausführende Musiker) präsentieren Musiker wie Don Byron, Marty Ehrlich, J. D. Parran, Jay Hoggard und Amina Claudine Myers. Braxton dirigiert das Ensemble, spielt aber auf diesem Album nicht selbst.
Titelliste Anthony Braxton: 4 (Ensemble) Compositions 1992 (Black Saint 120124-2) Composition No. 100 15:41 Composition No. 96 10:16 Composition No. 164 23:09 Composition No. 163 24:09
Die Kompositionen stammen von Anthony Braxton.
Rezeption Anders als bei einigen früheren Aufnahmen dieser Facette seines Schaffens komme hier ein Ensemble zum Einsatz, das größtenteils aus Jazzmusikern besteht, schreibt Brian Olewnick, der dem Album in Allmusic vier Sterne verlieh. Auch deshalb würde dieses Album zu seinen erfolgreichsten Orchesteralben zählen. Die Instrumentenpalette trage ebenfalls zum üppigen und vollen Klang bei: Bläser, Akkordeons, Orgel und eine Perkussionsgruppe mit Vibraphon, Marimba und Steel Drums prägten das Werk. „Composition 96“ beispielsweise wurde 1981 größtenteils mit einem Studentenorchester aufgenommen (Musikalbum von Anthony Braxton Composition No. 96, Leo Records), wo es noch einen leicht akademischen Charakter hatte. Hier, in einer gekürzten Fassung, entfalte es sich und wirke viel lebendiger, wobei das feine Orgelspiel von Amina Claudine Myers besonders zur Geltung komme. An anderer Stelle stünden die beiden Akkordeons von Guy Klucevsek und Ted Reichman im Vordergrund und verleihen dem Stück Klangfarben, die man sonst nicht mit Braxton verbinde. Im Bereich der Holzbläser zeige sich eine Vorliebe für Klarinetten, die den hier erreichten weichen, fließenden Klang noch verstärke.
Zudem scheint Braxton Raum für Improvisation gelassen zu haben (auch wenn sich die genauen Zeitpunkte nicht eindeutig bestimmen lassen), was dem Ganzen natürlich Lebendigkeit und Leidenschaft verleihe, so Olewnick. Hörer, die den komplexeren Aspekten seines Werks eher skeptisch gegenüberstehen, dürften hier einen relativ zugänglichen Einstieg in Braxtons „klassische“ Neigungen finden, ebenso wie alle anderen, die sich für zeitgenössische, kreative Orchestermusik interessieren würden.
In der westlichen klassischen Musik würde Kammermusik meist die größte Herausforderung für das Publikum darstellen, während größere Ensembles unmittelbarer zugänglich und befriedigender seien, meint David Duckmen (Chicago Tribune). In der Welt des „Jazz“-Komponisten und Instrumentalisten Anthony Braxton verhalte es sich genau umgekehrt, denn wer die ungezügelte improvisatorische Fantasie seiner Quartette suche, werde hier auf schwieriges Terrain stoßen. Diese vier dissonanten Werke für große Besetzungen präsentierten Musiker wie Don Byron, Marty Ehrlich, J.D. Parran, Jay Hoggard und Amina Claudine Myers. Sie alle hätten Momente der Improvisation, doch die Aufgabe bestehe darin, innerhalb von Braxtons Kompositionstechniken und ungewöhnlichen Klangfarben (wie etwa dem Akkordeon und den Steel Drums seiner Band) zu arbeiten. Ihre Konzentration in dieser komplexen und sich ständig wandelnden Musik sei außergewöhnlich. Obwohl Anklänge an Carl Ruggles, Anton Webern und Charles Ives hörbar seien, sei Braxtons unverwechselbarer Klang stets erkennbar.
Einzelnachweise
Kategorie:Album (Klassische Musik) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 1993 Kategorie:Anthony-Braxton-Album