Willy Brandt mit Mandoline ist eine legendäre Fotografie von Willy Brandt, die im Teutoburger Wald am 17. Juli 1976 von Henning von Borstell aufgenommen wurde.
Hintergrund Nach dem Rücktritt Willy Brandts als Bundeskanzler in der Folge der Guillaume-Affäre hatte er eine depressive Phase. Er war immer noch Parteivorsitzender der SPD und die Bundestagswahl 1976 stand bevor. Die Bundesparteizentrale im Erich-Ollenhauer-Haus hatte unter dem Motto Mit Willy Brandt durchs Land eine Wandertour durch Ostwestfalen-Lippe organisiert. Zudem war Brandt mit der Wanderung seiner eigenen Vergangenheit auf der Spur. Mit seiner Schulklasse war er als Herbert Frahm 1927/28 über den Hermannsweg ins Weserbergland gewandert.
An einem heißen Julitag ließ sich Brandt am zweiten Tag der Tour mittags im Biergarten des Gasthauses Forstfrieden bei Detmold von der mitlaufenden Hilde Junker-Seeliger, damals Vorsitzende des WDR-Rundfunkrates, eine Mandoline reichen.Eberhard Nitschke: Brandt wandert mit Mandoline und Spazierstock durchs Land, in: Die Welt, 19. Juli 1976 Obwohl mit Robert Lebeck und Konrad Rufus Müller zwei bekannte Fotografen die Wanderung mit begleiteten, machte von Borstell die Aufnahme mit einer Olympus 35 DC. Nachmittags wanderte die Gruppe weiter zum Hermannsdenkmal. Brandt hatte in den 1920er Jahren als Junge bei den Falken und beim Arbeiter-Mandolinenklub Mandoline zu spielen gelernt.
Das ursprüngliche Bild Das Bild zeigt Brandt in Querformat mit Mandoline an einem Tisch im Biergarten. Im Hintergrund sieht man einen aufgespannten Coca Cola Sonnenschirm und weitere Tische. Brandt trägt ein hoch gekrempeltes Jeanshemd, er hat eine Zigarette im Mundwinkel und vor ihm steht eine Flasche und ein Trinkglas mit Strohhalm. Im Hintergrund sitzen an weiteren Tischen neben Sicherheitsbeamten und weiteren Wandergefährten der Journalist Martin E. Süskind, sein persönlicher Referent Michael Bertram und der Fotograf Konrad R. Müller.
Ikonisches Mandolinenbild Henning von Borstell erkannt schnell das ikonische Potential des Bildes. Im Spätsommer zeigte er das Bild dem damaligen SPD-Bundesgeschäftsführer Holger Börner, der die Vermarktung aber mit der Begründung „Nein, das machen wir nicht. Wir machen keinen Personenkult“ ablehnte. Die Menschen im Hintergrund wurden für das spätere Plakat wegretuschiert, der Sonnenschirm blieb und auch Bäume und Büsche verblieben als dunkler Hintergrund. So konnte der Mandolinenspieler Willy Brandt im Hochformat ohne konkrete Kulisse seine Wirkung entfalten. Das Bild gilt als ikonischstes SPD-Bild nach dem Kniefall von Warschau.
Die Verwertungsrechte an Henning von Borstells Originalfoto und am Plakat liegen bei der Friedrich-Ebert-Stiftung; Abdruckgenehmigungen erteilt dort das Archiv der sozialen Demokratie.
2021 stellte Yasmin Fahimi das berühmte Mandolinen-Foto nach warb damit im Bundestagswahl 2021. 2013 erschien das Comicbuch Willy Brandt Sein Leben als Comic von Ingrid Sabisch und Heiner Lünstedt mit dem gezeichneten Bild als Titelbild.Willy Brandt Sein Leben als Comic Knesebeck Verlag
Fotograf Henning von Borstell wuchs in Oberbayern auf und studierte Volkswirtschaft. Mitte der 1960er Jahre trat er wegen Jochen Vogel, seinerzeit Oberbürgermeister von München, in die SPD ein, weil Vogel „das Gegenteil der Amigo-Kultur der CSU“ für ihn darstellte. Er wurde vom SPD-Parteivorstand als Referent für Öffentlichkeitsarbeit angestellt und arbeitete später über 20 Jahre als Presseamtsleiter der Stadt Köln. Er gehörte zu den Unterzeichnern des Manifests Friedenssicherung in Europa.
Weblinks Poster "Willy Brandt mit Mandoline" bei spd.de Vergleich Bild mit Poster bei der Friedrich-Ebert-Stiftung
Einzelnachweise
Kategorie:Foto Kategorie:Plakat Kategorie:Willy Brandt Kategorie:Fotografie (Deutschland) Kategorie:1976