Die Frauenkirche (Unsere Liebe Frau, Marienkirche) ist eine abgegangene Feldkirche in Großaspach, einem Ortsteil der Gemeinde Aspach im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Die kleine Wallfahrtskirche unter dem Patrozinium der Jungfrau Maria wurde zu Beginn des 16. Jahrhunderts von dem Adligen Burkhard Sturmfeder von Oppenweiler gestiftet. Am 20. April 1556 wurde sie auf Befehl des Herzogs Christoph von Württemberg abgebrochen.
Lage Die Kirche lag südöstlich von Großaspach an der Straße nach Backnang, etwa an der Stelle des Flurnamens Hinter der Kapelle. Die genaue Lage der Kirche ist nicht mehr feststellbar, da sich keine Baureste erhalten haben.
Geschichte Großaspach gehörte einst den Herren von Löwenstein und wurde von diesen 1388 an den Ritter Fritz Sturmfeder von Oppenweiler veräußert. 1442 verkaufte Swigger Sturmfeder die Hälfte des Dorfs an Graf Ulrich von Württemberg. Diese komplizierten Eigentumsverhältnisse gipfelten darin, dass in Großaspach zwei Schultheißen (ein württembergischer und ein sturmfederscher Ortsvorsteher) amtierten. Auch musste die eine Hälfte des Dorfs an Württemberg und die andere an die Sturmfeder Abgaben entrichten. Diese Situation führte immer wieder zu Spannungen. Mit der Reformation verschärften sich die Konflikte. Während Württemberg unter Herzog Ulrich 1535 evangelisch-lutherisch wurde, blieben die Herren von Sturmfeder (die schon immer Gegner Ulrichs waren) Altgläubige, also römisch-katholisch.
Im Mittelalter war die Frauenkirche nur eine kleine, ungeweihte Feldkapelle und ohne Priester gewesen. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts ließ Burkhard Sturmfeder die kleine Kirche von Grund auf neu erbauen. Das Grundstück gehörte den Sturmfedern und alle Baukosten wurden von ihnen getragen. Die Heilige Messe wurden von einem Kaplan aus Großaspach gelesen. Weiterhin wohnte ein Mesner bei der Kirche, der sie auf- und zuschloss. Die Kirchgänger waren sturmfedersche und württembergische Untertanen. Pilger kamen aus der nähren Umgebung. Auch nach der Einführung der Reformation wallfahrten noch viele Menschen zu der Frauenkirche. Nach einem Bericht pilgerten noch 1553 Menschen aus dem oberen Murrtal (Oppenweiler, Sulzbach an der Murr) mit Kreuzen und Fahnen zu der Kirche.
Am 16. Mai 1555 befahl Herzog Christoph den Abriss aller Feldkapellen und -kirchen, die Ziele von Wallfahrten waren. Das durch den Abbruch gewonnene Baumaterial sollte den Armen überlassen werden. Ausgenommen von dem Erlass waren Pfarrkirchen und solche mit Gottesacker (Friedhofskapellen).
Als Herzog Christoph 1556 in diese Gegend kam, befremdete ihn die katholische Wallfahrtskirche bei Großaspach. Am 17. Juni 1556 meldete der Backnanger Vogt Veit Breitschwert, die Kirche gehöre den Herren von Sturmfeder und sei ein Wallfahrtsort heilloser und unverständiger Leute. Daraufhin befahl der Herzog den Abriss der Kirche. Da der Monarch einen Konflikt mit den Sturmfedern fürchtete, gebot er dem Vogt sich mit Deckern, Zimmerleuten und Maurern nothdürftiglich gefaßt zu machen und die Sache mit angehendem Tage bei aller Frühe anzugreifen, daß solch Götzendienst in einem Tag allerdings abgethan und weggebrochen werde.Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 197. Am 20. Juli 1556 erschienen die Männer in den frühen Morgenstunden unter Führung des Schultheißen von Unterweissach und rissen die Kirche innerhalb weniger Stunden nieder.
Von dem einstigen Wallfahrtsort zeugen noch die Flurnamen Auf der Kappel, Kappeläcker, Kapellgarten und Kapellgrund.
Literatur
Gustav Bossert: Die Reformation in Großaspach. In: Blätter für württembergische Kirchengeschichte. Nr. 10, Jahrgang 10, Stuttgart 1895. Adolf Schahl: Die Kunstdenkmäler des Rems-Murr-Kreises. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1983, ISBN 3-422-00560-9, S. 148.
Einzelnachweise
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