mini|Laurent Cars nach einer Zeichnung von Charles Nicolas Cochin (II): Porträt von Sébastien-Antoine Slodtz Sébastien-Antoine Slodtz (* wahrscheinlich im November 1695 in Paris; † 25. Dezember 1754 ebenda), auch Antoine Sébastien Slodtz genannt, war ein französischer Entwurfszeichner, Ornamentbildhauer und Dekorateur. Er stammte aus der Künstlerfamilie Slodtz und gilt als einer der Wegbereiter des Rokokostils in der französischen Ornamentdekoration.
Leben
Sébastien-Antoine Slodtz war der älteste Sohn des aus Antwerpen stammenden Bildhauers Sébastien Slodtz (1655–1726) und Bruder von Dominique-François, Jean-Baptiste, Paul-Ambroise und René-Michel Slodtz. Er wurde in der Werkstatt des Vaters ausgebildet, in der er zunächst allein und ab 1723 gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Paul-Ambroise tätig war. In den letzten Lebensjahren seines Vaters unterstützte er diesen vor allem beim Entwurf und der Gestaltung ephemerer Dekorationen. Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1726 führten Sébastien-Antoine und Paul-Ambroise die Werkstatt in enger Zusammenarbeit weiter. Sie standen im Dienst der Menus-Plaisirs du Roi, der für höfische Feste und Zeremonien zuständigen königlichen Institution. Später wirkten auch Dominique-François und ab etwa 1747 in erheblichem Umfang René-Michel mit. Zahlreiche Zeichnungen aus dieser Zeit entstanden als Gemeinschaftsarbeiten. 1749 wurde Sébastien-Antoine Slodtz Mitglied der Académie des Sciences, Belles-Lettres et Arts in Rouen. Im Jahr 1750 trat er als Nachfolger von Juste-Aurèle Meissonnier das Amt des Dessinateur de la Chambre et du Cabinet du Roi an, welches er bis zu seinem Tod ausübte.
Werk mini|Sébastien-Antoine Slodtz und Paul-Ambroise Slodtz: Fontaine à parfum soutenue par deux chiens (1743). Bibliothèque nationale de France Sébastien-Antoine Slodtz und seine Brüder lieferten im Auftrag der Menus-Plaisirs Entwürfe für höfische Feste, Trauerfeiern, weitere Zeremonien sowie Theater- und Ballettaufführungen einschließlich Bühnenbildern. Dazu kamen Feuerwerkskonzepte und Raumdekorationen. Als einzige dauerhaft geplante Anlage dieser Art gilt der Theatersaal in der Reithalle des Großen Marstalls von Versailles. Er wurde für die Hochzeit des Dauphin mit der Infantin Marie-Thérèse d’Espagne am 23. Februar 1745 eingerichtet. Der Saal brannte 1751 ab und ist nur durch einen Kupferstich von Charles Nicolas Cochin nach einer Zeichnung Slodtz’ aus dem Jahr 1746 überliefert. Daneben entstanden Entwürfe für Möbel-, Gebrauchs- und Dekorationsstücke, darunter ein Thron für den König im Schloss Versailles (Zeichnung, 1740), ein Uhrgehäuse für König Johann V. von Portugal sowie Bücherschränke, Kommoden, Guéridons und Leuchter, insbesondere Girandolen.
Für kirchliche Auftraggeber lieferte er Entwürfe für Ausstattungsstücke wie Altäre und Kanzeln sowie für plastischen Schmuck, beispielsweise für die Pariser Kirchen Saint-Sulpice (1729–1732) und Saint-Nicolas-du-Louvre (Hochaltar, 1734 – existiert nicht mehr). Gemeinsam mit Paul-Ambroise machte er sich besonders um die Anpassung der Chorräume gotischer Kirchen an den zeitgenössischen Geschmack verdient. Dies betraf die Kirche Saint-Barthélémy in Paris (1736–1740), die Klosterkirche von Chaalis (1737–1745), die Kathedrale von Sens und die Kathedrale von Auxerre (beide 1743) sowie die Kirche Saint-Merry in Paris (1745–1754). Erhaltene Fragmente dieser Ausstattungen finden sich lediglich in Saint-Merry und in Chaalis. In den erhaltenen Zeichnungen tritt Slodtz vor allem als Entwurfszeichner und Ornamentgestalter hervor, dessen Arbeiten sich durch minutiöse und präzise Detailgestaltung sowie perspektivische Darstellung auszeichnen.
Literatur
François Souchal: Les Slodtz, sculpteurs et décorateurs du roi (1685–1764). Éditions E. de Boccard, Paris 1967. Yves Bottineau: Rezension zu François Souchal: Les Slodtz, sculpteurs et décorateurs du roi (1685–1764). In: Journal des savants, Nr. 4, 1970, S. 275–284. Michael Levey: Painting and Sculpture in France 1700–1789. Yale University Press, New Haven/London 1972. Emmanuel Bénézit: Dictionnaire critique et documentaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs de tous les temps et de tous les pays. Nouvelle édition entièrement refondue, Band 12. Gründ, Paris 1999. Gordon Campbell (Hrsg.): The Grove Encyclopedia of Decorative Arts. 2 Bände. Oxford University Press, Oxford/New York 2006. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.
Weblinks
Einzelnachweise
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