mini|Porträt von Paul-Ambroise Slodtz (1757): Laurent Cars nach einer Zeichnung von Charles Nicolas Cochin (II) Paul-Ambroise Slodtz (* 1. Juni 1702 in Paris; † 10. Dezember 1758 ebenda) war ein französischer Bildhauer, Entwurfszeichner und Dekorateur des Rokoko.

Leben Paul-Ambroise Slodtz entstammte einer aus Antwerpen zugewanderten Bildhauerfamilie. Er war der Sohn des Bildhauers Sébastien Slodtz und der Bruder der Bildhauer Dominique-François, Jean-Baptiste, René-Michel (genannt Michel-Ange Slodtz) und Sébastien-Antoine Slodtz.

Nach seiner Ausbildung beim Vater wurde er Mitarbeiter in dessen Werkstatt, in der er spätestens ab 1723 unter der Leitung seines älteren Bruders Sébastien-Antoine Slodtz tätig war und schließlich dessen Partner wurde. In Fortführung der väterlichen Tätigkeit arbeiteten die Brüder weiterhin im Auftrag der Menus-Plaisirs du Roi. Parallel dazu verfolgte Slodtz ab Anfang der 1730er Jahre eine eigenständige Laufbahn als Bildhauer. 1741 wurde er als agréé an der Académie royale de peinture et de sculpture aufgenommen und 1743 zum ordentlichen Mitglied ernannt. 1749 folgte die Aufnahme in die Académie des sciences, belles-lettres et arts in Rouen, zu der er offenbar engere Beziehungen unterhielt, wie öffentliche Aufträge ab 1753 belegen. 1754 übernahm er das Amt des Dessinateur de la Chambre et du Cabinet du Roi von Sébastien-Antoine Slodtz und wurde Professor an der Académie royale de peinture et de sculpture.

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit der beiden Brüder lag in der Ausgestaltung offizieller Begräbnisse, insbesondere der zwischen 1735 und 1746 in der Kathedrale Notre-Dame de Paris durchgeführten Zeremonien. Für diese fertigten sie aufwendige Dekorationen an. Dies gilt besonders für die Trauerfeier der Dauphine Marie-Thérèse d’Espagne im Jahr 1746, für die sie ein Arrangement mit Katafalk, trauernden Putten, Draperien aus kostbaren Materialien, Federschmuck und zahlreichen Kerzen gestalteten. Dieses Arrangement ist durch einen Kupferstich von Charles-Nicolas Cochin nach einer Zeichnung von Paul-Ambroise Slodtz und Sébastien-Antoine Slodtz dokumentiert (1746, Paris, Musée Carnavalet). mini|Paul-Ambroise Slodtz: Drache, Marmor. Original im Louvre, Paris, Cour Puget – Kopie der Bauplastik am Gebäude 50, rue de Rennes, Paris Zu den ebenfalls in königlichem Auftrag entworfenen Möbelstücken zählen eine Kommode für das Gemach Ludwigs XV. im Schloss Versailles, die von Antoine-Robert Gaudreau und Jacques Caffieri ausgeführt wurde (London, Wallace Collection), der Medaillenschrank des Königs, der ebenfalls von Gaudreau ausgeführt wurde, sowie ein Tisch für das Schloss Compiègne (vergoldetes Schnitzwerk, stuckierte Platte, 1739, Schloss Versailles). Auch als Bildhauer erhielt Paul-Ambroise Slodtz bedeutende Aufträge, etwa zur Fassadengestaltung des Pariser Wohnhauses des Finanziers Antoine Crozat. Das Gebäude selbst ist nicht erhalten, jedoch das Hochrelief Dragon (Stein, 1732, Paris, Louvre).

Die allegorische Darstellung Le Temps qui découvre la Vérité tient d’une main le portrait de S.M. Louis XV (Salon 1741) ist von Werken René Frémins beeinflusst, während die als Aufnahmestück an der Académie royale gefertigte Statuette Sturz des Ikarus Einflüsse Gian Lorenzo Berninis mit der Dynamik des französischen Rokoko verbindet. Das Gipsmodell wurde 1741 im Salon gezeigt, die Marmorfassung wurde 1743 fertiggestellt und der Akademie als Aufnahmestück übergeben. Sie befindet sich heute im Louvre.

Ab etwa 1747 arbeiteten Sébastien-Antoine und Paul-Ambroise Slodtz bei Entwürfen mit ihrem aus Rom zurückgekehrten Bruder René-Michel Slodtz zusammen. Ab 1750 übernahmen sie gemeinsam bedeutende Aufträge für dekorative plastische Arbeiten in Pariser Kirchen, insbesondere in Saint-Sulpice. Sie schufen sieben große Basreliefs mit Allegorien der Sieben Tugenden, Rundmedaillons mit den Vier Evangelisten in der Vorhalle sowie ein vergoldetes Bronzerelief mit dem Titel Die Hochzeit zu Kana für den Altar der Marienkapelle (alle entstanden 1750). Die vermutlich durch die Zusammenarbeit mit seinem Bruder angeregte Rückbesinnung auf die Antike zeigt sich am gemeinsam im Jahr 1751 ausgeführten Marmorgrabmal des Marquis de Saint-Mégrin, welches sich einst in der Kathedrale von Saint-Denis befand, aber nicht erhalten ist. 1753/54 arbeitete Paul-Ambroise Slodtz mit beiden Brüdern an der Ausgestaltung des Theatersaals im Schloss Fontainebleau, die ebenfalls nicht erhalten ist. 1755 fertigte er die Brunnenfigur Jeanne d’Arc représentée en Bellone für Rouen, die 1944 zerstört wurde. Zu seinen letzten Arbeiten zählten die Hochreliefs Ange portant le calice und Ange portant le livre de la loi (1758) in der Pariser Kirche St-Merry. Nach dem Tod von Paul-Ambroise Slodtz Ende 1758 übernahm sein Bruder René-Michel Slodtz das Amt des Dessinateur du Cabinet du Roi.

Werk Dragon, Hochrelief, Stein, 1732 (Paris, Louvre) Le Temps qui découvre la Vérité tient d’une main le portrait de S.M. Louis XV, Salon 1741 Sturz des Ikarus (La Chute d’Icare), Statuette, Gipsmodell Salon 1741, Marmorfassung 1743 (Paris, Louvre) Kommode für das Gemach Ludwigs XV. (Entwurf; Ausführung Antoine-Robert Gaudreaus, Jacques Caffieri), Versailles (London, Wallace Collection) Medaillenschrank des Königs (Entwurf; Ausführung Antoine-Robert Gaudreaus) Tisch für das Schloss Compiègne, vergoldetes Schnitzwerk, stuckierte Platte, 1739 (Schloss Versailles) Sieben Basreliefs mit Allegorien der Tugenden, Rundmedaillons der vier Evangelisten, Vorhalle von Saint-Sulpice, Paris, 1750 Die Hochzeit zu Kana, vergoldetes Bronzerelief, Altar der Marienkapelle, Saint-Sulpice, Paris, 1750 Marmorgrabmal des Marquis de Saint-Mégrin, 1751 (nicht erhalten, ehemals Kathedrale Saint-Denis) Dekoration des Theatersaals im Schloss Fontainebleau (gemeinsam mit Sébastien-Antoine und René-Michel Slodtz), 1753/54 (nicht erhalten) Jeanne d’Arc représentée en Bellone, Brunnenfigur, 1755 (1944 zerstört, ehemals Rouen, Place de la Pucelle) Ange portant le calice und Ange portant le livre de la loi, Hochreliefs, 1758 (Kirche Saint-Merry, Paris) Kanzel, Holzschnitzerei, 1758, gemeinsam mit René-Michel Slodtz (Kirche Saint-Merry, Paris) Méridienne, monumentale Gruppe, Stein, 1753 (Rathausgarten, Rouen) Engel, Kolossalfigur, Bronze, Hochaltar der Kathedrale von Sens (Salon 1742) Zahlreiche Zeichnungen (Paris, Bibliothèque nationale de France)

Literatur François Souchal: Les Slodtz, sculpteurs et décorateurs du roi (1685–1764). Éditions E. de Boccard, Paris 1967. Yves Bottineau: L’art français du XVIIIe siècle: Les Slodtz, sculpteurs et décorateurs du Roi (1685–1764). In: Journal des savants, Nr. 4, 1970, S. 275–284. Michael Levey: Painting and Sculpture in France, 1700–1789. Yale University Press, New Haven/London 1972. Yvon Pailhès: Rouen. Du passé toujours présent … au passé perdu. Luneray 2004. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bildhauer (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1702 Kategorie:Gestorben 1758 Kategorie:Mann