mini|Sébastien Slodtz: Aristée et Protée. Park von Versailles, demi-lune du bassin d'Apollon Sébastien Slodtz (* 1655 in Antwerpen; † 8. Mai 1726 in Paris), auch Sebastiaen Slodtz genannt, war ein flämisch-französischer Bildhauer, Dekorateur und Entwurfszeichner. Er war der Stammvater der Bildhauerfamilie Slodtz und arbeitete als Sculpteur ordinaire des bâtiments du roi vorwiegend für die königlichen Schlösser Versailles und Schloss Marly sowie für zahlreiche Pariser Kirchen.

Leben Sébastien Slodtz wurde 1655 in Antwerpen als Sohn eines flämischen Zimmermeisters geboren. Spätestens 1684 ließ er sich in Paris nieder und trat in das Atelier des Bildhauers François Girardon ein. 1692 heiratete er Madeleine Cucci, die Tochter des königlichen Möbelkünstlers Domenico Cucci. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor, darunter die späteren Bildhauer und Zeichner Sébastien René, Dominique-François, Jean-Baptiste, Paul-Ambroise, René-Michel Slodtz und Sébastien-Antoine Slodtz. Seine Tochter heiratete den Maler Carel van Falens.

1699 erhielt Sébastien Slodtz eine Wohnung im Louvre. Ab 1702 bildete er mehrere Lehrlinge aus, darunter 1706 Pierre de L’Estache. Ab 1709 bezog er eine jährliche Pension. Er wurde Mitglied der Académie de Saint-Luc, deren Rektor er mehrfach war, und trug den Titel sculpteur ordinaire des bâtiments du roi. Sébastien Slodtz starb am 8. Mai 1726 in Paris.

Werk mini|Sébastien Slodtz: Hannibal comptant les anneaux des chevaliers romains tombés à la bataille de Cannes, en 216 av. J.-C., (Hannibal zählt die Ringe der römischen Ritter, die in der Schlacht von Cannae im Jahr 216 v. Chr. gefallen sind.), Marmor, 1704. Louvre, Paris, Cour Puget Sébastien Slodtz war vorwiegend als Dekorationsbildhauer für die Menus-Plaisirs du Roi tätig und schuf ab etwa 1687 zahlreiche Arbeiten für Versailles und Marly sowie ephemere Dekorationen für höfische Trauerfeiern.

Arbeiten für Versailles und Marly Zu seinen bekanntesten Werken zählt die Marmorgruppe Aristaios und Proteus (1688–1714) im Park von Versailles, die auf einem Entwurf von François Girardon beruht. Ebenfalls nach einem Modell Girardons entstand die Marmorstatue Hannibal (1687–1704), die sich heute im Louvre in Paris befindet. Sie war als Gegenstück zu Nicolas Coustous Julius Cäsar für die Allée royale in Versailles konzipiert. Weitere Arbeiten für Versailles sind die Vase aux fleurs de soleil (1687, Park) sowie vier Kapitelle für den Grand Trianon (1687–1688). Für den Invalidendom in Paris schuf er das Basrelief Der heilige Ludwig, der Missionare aussendet (1691–1693), den Gewölbeschmuck (1691–1699) sowie ein weiteres Basrelief mit Engeln und liturgischen Instrumenten (1698–1699). Für den Park von Marly arbeitete er unter anderem an der Dekoration des Bassin de demi-lune des Vents (unter anderem eine Marmorvase, 1696/97), einer Gipsgruppe mit Vertumnus und Pomona (1699) sowie einer Marmorstatue des Vertumnus für das Schloss (1706–1709). Diese Werke gelten als verschollen.

Arbeiten für Pariser Kirchen Für die Kirche St-Germain-l’Auxerrois fertigte Sébastien Slodtz nach einer Zeichnung von Charles Le Brun das Grabmal für Henriette Sélincart, die Ehefrau von Israël Silvestre (dokumentiert ab 1684, zerstört). Weitere kirchliche Arbeiten, die überwiegend verschollen oder zerstört sind, entstanden für Chapelle de la Sorbonne (Gipsengel für den Hochaltar, 1686/87), Ste-Opportune (drei Holzengel, 1689–1691), St-Germain-des-Prés (Hochaltar nach einem Entwurf von Gilles-Marie Oppenordt, 1704/05) und St-Jacques-de-la-Boucherie (Hochaltar, 1708–1712). In der Kirche Notre-Dame de Versailles schuf er die Statue Religion (1707) sowie Basreliefs für die Emporen (1708). Für die Schlosskapelle von Versailles entstanden 1709/10 ein Basrelief sowie Engel- und Trophäendarstellungen.

Ephemere Dekorationen Sébastien Slodtz war wiederholt an der Ausstattung von Trauerfeierlichkeiten des französischen Königshauses beteiligt. Zunächst arbeitete er nach Entwürfen von Jean Bérain der Jüngere für die Trauerfeiern der Dauphine Maria Adelaide von Savoyen (1691) und des Herzogs von Orléans, Bruder Ludwigs XIV. (1701). Beide Trauerfeiern fanden in der Basilika Saint-Denis statt. Spätere Dekorationen entstanden nach Zeichnungen von Jean II. Bérain. Diese waren für die Trauerfeiern von Henri Jules de Bourbon, prince de Condé (1709, Notre-Dame de Paris), des Grand Dauphin (1711, Notre-Dame und Saint-Denis), der spanischen Königin Marie-Louise von Savoyen (1714, Notre-Dame) und des Herzogs von Orléans (1724, Saint-Denis) bestimmt. Sämtliche dieser Dekorationen sind nicht erhalten.

Weitere Werke Zu den erhaltenen Werken zählen eine 1722 entstandene Porträtbüste aus patiniertem Gips von Charles Rivière Dufresny (Musée municipal, Cognac) und eine 1725 datierte Marmorbüste von Évrard Titon du Tillet (Privatbesitz). Letztere gilt als die letzte gesicherte Arbeit von Sébastien Slodtz.

Rezeption Nach Auffassung der kunsthistorischen Forschung war Sébastien Slodtz kein besonders innovativer Künstler. Sein Werk gilt vielmehr als Fortsetzung der von Girardon geprägten Bildsprache, wobei Slodtz wiederholt auf fremde Entwürfe und Modelle zurückgriff. Stilistisch wird sein Schaffen dem Übergang vom Stil Louis-quatorze zur Régence zugeordnet. Bedeutung erlangte Sébastien Slodtz zudem als Begründer der Bildhauerfamilie Slodtz, deren bekanntester Vertreter sein Sohn René-Michel Slodtz war.

Literatur

François Souchal: Les Slodtz, sculpteurs et décorateurs du roi (1685–1764). Éditions E. de Boccard, Paris 1967. François Souchal: French Sculptors of the 17th and 18th Centuries. The Reign of Louis XIV. Band 3, Cassirer, Oxford 1987. Yves Bottineau: Compte rendu zu François Souchal: Les Slodtz, sculpteurs et décorateurs du roi (1685–1764). In: Journal des savants. 1970, S. 275–284. Michael Levey: Painting and Sculpture in France 1700–1789. Yale University Press, New Haven/London 1972. Gordon Campbell (Hrsg.): The Grove Encyclopedia of Decorative Arts. Band 2, Oxford University Press, Oxford 2006. James David Draper (Hrsg.): Bronzes français de la Renaissance au Siècle des Lumières. Ausstellungskatalog Musée du Louvre, Somogy Éditions d'Art / Musée du Louvre Éditions, Paris 2008. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 12: Rouco – Sommer. Paris, 2006. Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. De Gruyter 2009.

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