Die Sammlung Nassauischer Altertümer (SNA) ist eine seit dem Anfang des 19. Jahrhunderts entstandene Sammlung historischer Gegenstände mit einem Schwerpunkt auf archäologischen Funden.

Geschichte Vereinssammlung mini|Angelika Kauffmann: Der Sammler Johann Isaak Freiherr von Gerning

Die Sammlung entstand durch die Initiative des 1812 gegründeten, 1821 neu gegründeten Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung.Bürger-Völlmecke, S. 37. Der Verein war anfangs eng mit staatlichen Stellen des Herzogtums Nassau verbunden und nahm auch Aufgaben wahr, die heute der Bodendenkmalpflege zugeordnet sind. Dadurch wuchs die Sammlung weiter.Bürger-Völlmecke, S. 38. In den 1820er Jahren erwarb das Herzogtum von Johann Isaak von Gerning gegen eine Leibrente von 2000 Gulden jährlich dessen private Sammlung und fügte sie der entstehenden Sammlung Nassauischer Altertümer hinzu. Diese private Sammlung umfasste die drei Sparten Altertümer, Kunst und Naturkunde – was die Struktur der Sammlung dauerhaft prägen sollte. Der Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung war mit der Pflege der Sammlung betraut.Bürger-Völlmecke, S. 39.

Zu den satzungsmäßigen Zielen des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung gehörte auch, seine Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 1824 eröffnete er in Räumen des Erbprinzenpalais in Wiesbaden ein Museum und zeigte dort die Sammlung Nassauischer Altertümer. Es war das erste öffentliche Museum in weitem Umkreis.Bürger-Völlmecke, S. 40.

Bereits wenige Jahre später gründeten sich der Nassauische Verein für Naturkunde (1829) und der Nassauischer Kunstverein (1847) und übernahmen die Betreuung dieser Sammlungsbestandteile, so dass die SNA sich in der Folgezeit auf historische Zeugnisse, insbesondere der Urgeschichte konzentrierte.Bürger-Völlmecke, S. 40.

Da der Verein für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung bis weit in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts im weiten Umkreis die einzige Fachkompetenz in der Archäologie bot, wurde er auch zu Grabungen und bei Funden außerhalb der Grenzen des Herzogtums Nassau hinzugezogen. Auch dadurch gelangten weitere Funde in die Sammlung. Dazu zählen das Inventar des 1844 gefundenen völkerwanderungszeitlichen Fürstengrabs von Wolfsheim, ein römischer Türflügel aus Bronze, der 1848 in Mainz gefunden und von Friedrich Gustav Habel vor dem Einschmelzen gerettet wurdeDer Türflügel war Vorbild für die Tür des Fahnenheiligtums im wiederaufgebauten Römerkastell Saalburg (Bürger-Völlmecke, S. 40). und Funde aus der römischen Stadt Nida (heute: Frankfurt-Heddernheim).Bürger-Völlmecke, S. 40.

Im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts kamen zunehmend auch kunsthandwerkliche und volkskundliche Gegenstände in die Sammlung.Bürger-Völlmecke, S. 40f.

Städtische Sammlung (1) mini|Museum Wiesbaden

Im Krieg von 1866 gehörte das Herzogtum Nassau zu den Verlierern und wurde von Preußen annektiert. Die SNA verlor damit ihre Funktion als kulturelle Legitimation des Herzogtums Nassau, die neue Staatsmacht hatte an der Sammlung weit weniger Interesse. Das führte dazu, dass Preußen die Sammlung – zusammen mit der Naturkunde- und der Kunstsammlung – 1900 der Stadt Wiesbaden übertrug. Das war mit der Auflage an die Stadt verbunden, dafür ein Museum zu errichten. Nach Plänen des Architekten Theodor Fischer entstand ab 1913 bis 1915 ein neues Gebäude für das Museum Wiesbaden an der Ecke Wilhelmstraße/Rheinstraße.Museum Wiesbaden: Geschichte; abgerufen am 23. Juli 2026. Die SNA wurde damals von Emil Ritterling (1861–1928) betreut, der Gründungsdirektor des Museums wurde.Bürger-Völlmecke, S. 43. Die Altertumsabteilung des neuen Museums – also die Ausstellung der SNA – fand, verzögert durch den Ersten Weltkrieg, am 15. Juli 1920 statt. Erstmals war ausreichend Raum, die Sammlung in ihrer vollen Breite zu zeigen.Bürger-Völlmecke, S. 44.

Staatliche Sammlung 1973 übernahm das Land Hessen das Museum und die darin bewahrten Sammlungen, also auch die SNA. Das Museum wurde zum Landesmuseum. Anfang der 2000er Jahre unterlag die SNA im Kampf um die durch die wachsenden Sammlungen knapp gewordenen Raumkapazitäten im Museumsgebäude. 2003 wurde sie magaziniert und aus dem Gebäude ausgelagert, während Naturkunde und Kunst dort verblieben. Auch das von Theodor Fischer gestaltete Mithräum mit dem „Mithrasstein“, einem Altarbild aus dem Mithräum der römischen Stadt Nida, musste dem Umbau weichen. Die Bürgerinitiative „Rettet die Sammlung Nassauischer Altertümer“ setzte sich vehement für deren Erhalt ein.Wilfried Lüderitz: Die Sammlung Nassauischer Altertümer im Abseits. September 2004 (PDF; 0,7 MB); abgerufen am 23. Juli 2026. 2010 gab das Land die SNA an die Stadt Wiesbaden zurück.Bürger-Völlmecke, S. 44.

Städtische Sammlung (2) Die Sammlung ist seit 2011 dem Stadtmuseum Wiesbaden zugeordnet, das zu diesem Zeitpunkt aber nur eine Verwaltungseinheit war, ohne Ausstellungsfläche. Das sam – Stadtmuseum am Markt wurde erst 2016 eröffnet und legt den Schwerpunkt auf Stadtgeschichte. In diesem Zusammenhang zeigt es auch Objekte aus der Sammlung Nassauischer Altertümer.

Beschreibung Die Sammlung Nassauischer Altertümer ist eine der größten Sammlungen archäologischer Funde und kunsthandwerklicher Objekte in Hessen. Sie umfasst Zeugnisse frühester menschlicher Zivilisationen, eine hervorragende Sammlung römischer Gegenstände, Kunsthandwerk des frühen Mittelalters bis ins 20. Jahrhundert (Sammlung Demmin), sakrale Skulptur, sowie Zeugnisse des Hauses Nassau.

In der Sammlung Nassauischer Altertümer bilden Funde aus römischer Zeit einen Schwerpunkt. Ein herausragendes Stück ist der schon erwähnte „Mithrasstein“, die Jupitergigantensäule (221 n. Chr.) aus Wiesbaden-Schierstein, die Statuen eines aufwändig gestaltetes „Familiengrabes“ (Mitte 1. Jh. n. Chr.) aus Ingelheim sowie der „thronende Jupiter“ (2. Viertel 3. Jh. n. Chr.) aus Wiesbaden-Igstadt.

Die Sammlung umfasst heute etwa 340.000 Objekte, von denen etwa 240.000 dem archäologischen Bereich zuzuordnen sind.Bürger-Völlmecke, S. 41.

Literatur Daniel Bürger-Völlmecke: Die Sammlung Nassauischer Altertümer. Das historische Gedächtnis eine Region. In: Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hg.): Denkmal Hessen 2026/01, S. 36–45.

Weblinks Wiesbaden – Sammlung Nassauischer Altertümer.

Anmerkungen

Einzelnachweise

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