Harald Michalik (* 12. April 1957 in Goslar) ist ein deutscher Ingenieurwissenschaftler mit dem Schwerpunkt Raumfahrtelektronik. Er war von 2001 bis 2022 Professor am Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze (IDA) der Technischen Universität Braunschweig, wo er die Professur „Kompaktrechner für die Raumfahrt“ innehatte. Zudem ist er Mitgründer des auf Raumfahrtelektronik spezialisierten Unternehmens DSI (heute DSI Aerospace GmbH).

Leben Michalik studierte Elektrotechnik an der TU Braunschweig und trat 1982 nach dem Studium als wissenschaftlicher Mitarbeiter in das dortige Institut für Datenverarbeitungsanlagen ein, wo er in der Abteilung „Instrumentenrechner für Weltraumexperimente“ tätig war. 1991 wurde er an der TU Braunschweig mit der Dissertation Bewegungskorrektur langzeitbelichteter Bilder bei satellitengestützten Kameras zum Doktor-Ingenieur promoviert.

Von 1991 bis 1993 arbeitete er als Projektingenieur im Bereich Raumfahrttechnologie bei der OHB-System GmbH, wo er Projekte auf dem Gebiet der Satellitendatenverarbeitung leitete und ab 1993 die Abteilung Extraterrestrik führte. Anschließend war er von 1993 bis 2001 Professor für Informationstechnik an der Hochschule Bremen; in dieser Zeit initiierte er das fächerübergreifende Institut für Aerospace-Technologie mit und war dessen stellvertretender Leiter. 2001 folgte er einem Ruf als erster Inhaber der neu eingerichteten Professur „Kompaktrechner für die Raumfahrt“ an die TU Braunschweig und übernahm dort eine bereits unter Fritz Gliem etablierte Arbeitsgruppe für Raumfahrtelektronik. 2022 wurde er emeritiert und ist weiterhin in der Lehre tätig.

Forschung Michaliks Forschung befasst sich mit Bordrechnern und Datenverarbeitungseinheiten für den Einsatz im Weltraum. Im Mittelpunkt stehen fehlertolerante und strahlungsresistente Systeme, rekonfigurierbare FPGA-basierte Architekturen sowie die Verarbeitung großer Datenmengen an Bord wissenschaftlicher Raumfahrtinstrumente. Ein Ziel seiner Arbeiten war es, gegenüber den traditionell großen und aufwendigen Rechenanlagen kompakte, energiesparende und kostengünstigere Systeme auf Basis kommerzieller Bauteile für den Raumfahrteinsatz nutzbar zu machen.

Er und seine Arbeitsgruppe waren an der Bordelektronik zahlreicher internationaler Weltraummissionen beteiligt. Dazu zählen das Kamerasystem OSIRIS der ESA-Kometensonde Rosetta, die Framing Camera der Asteroiden- und Zwergplanetenmission Dawn, die Kamera der Sonde Venus Express sowie der Polarimetric and Helioseismic Imager (PHI) an Bord des Solar Orbiters. Für die 2023 gestartete ESA-Mission JUICE entstand unter seiner Leitung die Datenverarbeitungseinheit der Kamera JANUS.

Michalik ist Sprecher des Forschungslabors TUBS.space der TU Braunschweig und war Mitglied des Vorstands des Instituts für Datentechnik und Kommunikationsnetze. Seine Arbeiten präsentiert er regelmäßig auf internationalen Fachkonferenzen wie der Data Systems in Aerospace (DASIA) und der NASA/ESA Conference on Adaptive Hardware and Systems (AHS).

DSI Aerospace 1997 gründete Michalik gemeinsam mit László Hinsenkamp als Ausgründung der Hochschule Bremen das Unternehmen DSI (ursprünglich Digital Signal Processing Systems & Information Technology GmbH, später DSI Aerospace Technologie GmbH, seit 2023 DSI Aerospace GmbH). Das Unternehmen mit Sitz in Bremen entwickelt On-Board-Datenverarbeitung und elektronische Systeme für die Luft- und Raumfahrt und war an zahlreichen Projekten der ESA und des DLR beteiligt, darunter Missionen wie ExoMars, JUICE und mehrere Missionen des Copernicus-Programms.

2021 wurde die Schwestergesellschaft DSI Datasecurity GmbH an Airbus verkauft und als Aerospace Data Security GmbH in die Airbus-Defence-and-Space-Sparte überführt, um sich auf das Feld der Cybersicherheit zu konzentrieren. Michalik ist weiterhin als Gesellschafter mit der DSI Aerospace GmbH verbunden und als Business Angel tätig.

Schriften (Auswahl)

Bewegungskorrektur langzeitbelichteter Bilder bei satellitengestützten Kameras. Dissertation, Technische Universität Braunschweig, 1991. Horst Uwe Keller, Cesare Barbieri, Philippe Lamy, Harald Michalik u. a.: OSIRIS – The Scientific Camera System Onboard Rosetta. In: Space Science Reviews. Band 128, Nr. 1–4, 2007, S. 433–506, doi:10.1007/s11214-006-9128-4. Björn Osterloh, Björn Fiethe, Harald Michalik u. a.: Reconfigurable System-on-Chip Data Processing Units for Space Imaging Instruments. In: Design, Automation & Test in Europe (DATE). 2007, S. 977–982, doi:10.1109/DATE.2007.364420. Holger Sierks, Horst Uwe Keller, Ralf Jaumann, Harald Michalik u. a.: The Dawn Framing Camera. In: Space Science Reviews. Band 163, Nr. 1–4, 2011, S. 263–327, doi:10.1007/s11214-011-9745-4. Alexander Dörflinger, Mark Albers, Harald Michalik u. a.: A Comparative Survey of Open-Source Application-Class RISC-V Processor Implementations. In: Proceedings of the 18th ACM International Conference on Computing Frontiers. 2021, S. 12–20, doi:10.1145/3457388.3458657.

Weblinks

Profil am Institut für Datentechnik und Kommunikationsnetze der TU Braunschweig

Einzelnachweise

Kategorie:Ingenieurwissenschaftler Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität Braunschweig) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1957 Kategorie:Mann