Die Rheinbraun 266–274 waren Zweikraftlokomotiven mit dieselelektrischen und elektrischen Antrieb. Sie wurden auf den Grubenbahnen der Rheinbraun im Rheinischen Revier eingesetzt. Sie fuhren anfangs in der Roddergrube als 31–38 sowie der Grube Neurath mit unbekannter Nummer. Die Lokomotiven wurden von Rheinbraun übernommen und erhielten dort die Bezeichnungen 266 bis 274.
Geschichte Rheinbraun 266–274 mini|links|Rheinbraun 266 auf einem Werkfoto von AEG 1955 entstanden bei Henschel und SSW drei Zweikraftlokomotiven für die Fördergleise mit 900 mm Spurweite, die bei der Roddergrube als Rodder 31 bis 33 eingesetzt wurden. Die Lokomotiven waren für die vielfältigsten Aufgaben im Hilfsfahrbetrieb der Grube zuständig. Da sie auch eine Vielfachsteuerung besaßen, waren die Maschinen auch paarweise für schwere Transporte für Abraum- oder Kohlezüge eingesetzt. Für die Fahrten in Strossengleisen waren sie mit Haupt- und Hilfsstromabnehmer ausgerüstet. 1956 wurden vier weitere Lokomotiven mit der Nummerierung Rodder 34–37 und 1957 eine letzte mit der Bezeichnung Rodder 38 beschafft. Da die Lokomotiven sowohl unter Fahrleitung als auch unter fahrleitungslosen Abschnitten verkehren konnten, waren sie recht flexibel auf den Förderbahnen im Rheinischen Braunkohlenrevier einsetzbar.
1959 wurde noch eine weitere Maschine beschafft, die von den Abmaßen und Aussehen etwas anders gestaltet war. Bei ihr wurde die elektrische Ausrüstung zudem von der AEG geliefert. Diese Lokomotive wurde bei der Grube Neurath eingesetzt, eine Bezeichnung ist nicht bekannt. Bei Rheinbraun haben die Lokomotiven die Nummerierung 266 (Lok von AEG) bis 274 erhalten. Sie wurden auch vielfältig eingesetzt. Z. B. existiert ein Foto, wo die Lok 270 (ehemals Rodder 34) bei der Grube Zukunft eingesetzt war und dafür einen überbreiten Hauptstromabnehmer ohne Hilfsstromabnehmer besaß. Als erste Lokomotive wurde bereits 1965 die Rheinbraun 274 nach Griechenland verkauft, wo sich ihre Spur verliert. Weitere Lokomotiven wurden ab 1970 als überzählig gemeldet. Die Nummern 268 sowie 269 wurden 1970 an die Firma CGS Consorzia Gottardo Sud verkauft. Wann die Lok 266 ausgemustert wurde, lässt sich nicht mehr nachvollziehen. 1965 war sie noch in den Inventarlisten von Rheinbraun vertreten, 1972 war sie bereits nicht mehr vorhanden.
In den 1970er Jahren wurden die Maschinen Rheinbraun 270 sowie 272 ausgemustert und zeitnah verschrottet. Die beiden Maschinen 271 sowie 273 wurden in Bergheim als Lok auf einem Spielplatz ausgestellt. Als sich Ende der 1980er Jahre die Gemeinde gegen diesen Aufstellungsort entschied, fand sich niemand bereit, die Loks zu übernehmen, und sie wurden bis 1989 verschrottet. Einzig die erste Lokomotive Rheinbraun 267 überlebte. Die Lok war noch in den 1980er Jahren im Tagebau Vereinigte Ville beschäftigt,Drehscheibe Online-Foren, Rheinbraun-Bahnen Teil 2: Schmalspurbetrieb 1985–88: Foto der Rheinbraun 267 im Tagebau Vereinigte Ville die Lok hat dort vornehmlich sonntags Hilfsarbeiten wie das Gleisrücken in Dieselmodus ausgeführt. 1989 wurde die Lok nach der Ausmusterung als Denkmal beim Tagebau Frechen aufgestellt. Ende der 1990er Jahre wurde sie dann mit einem Mannschaftswagen am RWE-Grillplatz bei Paffendorf als nicht öffentliches Denkmal ausgestellt. Die letzte Aufnahme der Lok stammt aus dem Jahr 2023.Drehscheibe Online-Foren, Rheinbraun-Bahnen Teil 7: Museales: Foto der Lok Rheinbraun 267 auf dem RWE-Grillplat Pfaffendorf Die Lok befindet sich in relativ gutem Zustand.
CGS Consorzia Gottardo Sud
Das mit dem Bau des Gotthard-Strassentunnel betraute Konsortium Consorzio Gottardo Sud (CGS) und die ihr angehörende Firma Walo Bertschinger nahm 1970 mit Rheinbraun Kontakt auf, um für die Tunnelbaustelle überzählige Schmalspurlokomotiven zu kaufen, die durch den Rückgang des 900 mm-Netzes nicht mehr benötigt wurden. Da fiel die Wahl auch auf die Rheinbraun 268 sowie 269, die den Vorteil hatte, keinen zusätzlichen Generator zu benötigen. Ursprünglich sollte noch eine dritte Lokomotive in die Schweiz verkauft werden, das kam aber nicht zustande. Die ehemalige Rheinbraun 269 schied dort nach einem Unfall aus, und auch die Rheinbraun 268 wurde zusammen mit ihrer Schwesterlokomotive nach den Tunnelarbeiten verschrottet.
Technische Beschreibung mini|links|Rheinbraun 266 mit offenen Vorbautüren auf einem Werkfoto von AEG Die Lokomotiven der beiden Elektrik-Hersteller weichen von ihrer Bauweise gut zu sehen voneinander ab, besitzen unterschiedliche Abmaße bezüglich der LüP und sind mit unterschiedlich starken Fahrmotoren ausgerüstet. Sie sind auch ähnlich der Borken 71–73, unterscheiden sich aber in Details von diesen. Die Loks Rheinbraun 266–274 sind mit einem Mittelführerstand versehen, der wegen der niedrigen Baggerfahrleitungen tief herabgezogen wurde. Auf dem Dach saß ursprünglich der Hauptstromabnehmer auf einem Gestell. Auf den Vorbauten saßen wegen der Baggerfahrleitungen zusätzlich bei der AEG-Lok vier auf Traversen angeordnete schräg angeordnete seitliche Stromabnehmer. Die SSW-Lokomotiven sind auf allen Fotos nur mit zwei Hilfstraversen für die Hilfsstromabnehmer auf der Motorseite zu sehen. Später hat man dann den Hauptstromabnehmer dorthin versetzt. In den Vorbauten sind die Widerstandssteuerung, die Drucklufterzeugungsanlage sowie auf der anderen Seite die quer angeordneten Anlagen für den dieselelektrischen Antrieb untergebracht. Diese besteht aus einem Achtzylinder-Zweitakt-Hilfsdiesel von KHD mit der Bezeichnung KHD A 8 L 614 sowie einem Gleichstromgenerator.
Beide Achsen der Lok werden von je einem Gleichstrommotor mit Tatzlagerantrieb angetrieben. Sie sind im als Außenrahmen gestalteten Fahrgestell bei der AEG-Lokomotive mit Blattfedern und Schraubenfedern gefedert gelagert. Bei den SSW-Lokomotiven ist auf jedem Bild nur eine Abfederung mit Megi-Federung zu sehen. Die Anfahrzugkräfte sind für beide Antriebssysteme gleich, es kann mit dem Oberleitungsantrieb eine höhere Fahrgeschwindigkeit erreicht werden. Im Betrieb sind Abraumzug und Lokomotive eine feste Einheit. Deshalb ist die Lokomotive lediglich mit der robusten Laschen-Bolzen-Kupplung in Verbindung mit breiten Mittenstoßpuffern versehen. Der pneumatische Sandstreuer sandet die in Fahrtrichtung erste Achse von vorn.
Siehe auch
Liste schmalspuriger Lokomotiven von Henschel Schienenfahrzeuge von Rheinbraun
Literatur
Henschel-Werke GmbH Kassel, Henschel Lokomotiv-Taschenbuch 1960, VDI-Verlag GmbH, Düsseldorf, 1960 Günther Barths: Die Triebfahrzeuge der Rheinischen Braunkohlenwerke in Wort und Bild, 1982, ISBN 3-88490-128-1 AEG-Mitteilungen Nummer 45, Zur Technik der Elektrischen Bahnen, Werkbahnlokomotiven, Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, Berlin, 1955
Weblinks
Bahn-express: Internetseite über die Fahrzeuge von Rheinbraun mit Erwähnung der Rheinbraun 266 bis 274 Drehscheibe Online-Foren: Internetseite über Schmalspurbetrieb im Tagebau Vereinigte Ville mit Erwähnung der Rheinbraun 267 lokhersteller: Internetseite über die erhaltenen Lokomotiven von Henschel mit Erwähnung der Henschel 28317 Bahn-express: Internetseite mit Erwähnung der Rheinbraun 267 mit ihrem Aufstellplatz seit 1989
Einzelnachweise
Kategorie:Elektrolokomotive für Gleichstrom 1200 V Kategorie:Dieselelektrische Lokomotive Kategorie:Schienenfahrzeug (Henschel) Kategorie:Schienenfahrzeug (AEG) Kategorie:Schienenfahrzeug (SSW) Kategorie:Zweikraftlokomotive Kategorie:Triebfahrzeug (Rheinischer Braunkohlenbergbau) Kategorie:Tagebaulokomotive