mini|Sant’Antonio Abate, die mit Fresken verzierte Südseite Sant’Antonio Abate ist eine römisch-katholische Filialkirche in der italienischen Gemeinde Arco im Trentino. Sie befindet sich im Ortsteil Chiarano und steht unter dem Patrozinium Antonius‘ des Großen.
Geschichte Die Entstehungsgeschichte der Kirche ist aufgrund fehlender schriftlicher Zeugnisse unbekannt. Sie ist nicht einmal in den Visitationsakten von 1537 erwähnt, obwohl sie sicher älteren Ursprungs ist. Anhand der Analyse der baulichen Struktur kann davon ausgegangen werden, dass das Gotteshaus mindestens in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstanden sein muss.Michele Dalba: Chiarano, Sant’Antonio. S. 120. Einige Archäologen schließen sogar einen frühmittelalterlichen Ursprung nicht aus, auch wenn für eine exaktere Bestimmung tiefergehende archäologische Untersuchungen nötig wären.Gian Pietro Brogiolo: Le chiese altomedievali nel loro contesto. In: Gian Pietro Brogiolo (Hrsg.): APSAT 3. Paesaggi storici del Sommolago. Società Archeologica, Mantua 2013, ISBN 978-88-87115-78-9, S. 226–227.
Der Bau wurde im Laufe des 16. Jahrhunderts zweimal erweitert. Der ursprüngliche Kirchenbau bestand nur aus dem Presbyterium und einem daran angrenzenden Joch. Bei der ersten Erweiterung wurde hinter dem Presbyterium die Sakristei errichtet. In einem zweiten Bauabschnitt wurde das Kirchenschiff durch die Errichtung eines zweiten Jochs an der Westseite verlängert. Beide Bauvorhaben waren bis zum Beginn des 16. Jahrhunderts abgeschlossen, als das Madonnen-Fresko an der Südfassade des Gebäudes entstand, die teilweise auch älteres Mauerwerk mit einbezieht.
Nach dem Bau der 1537 erstmals erwähnten Kirche San Marcello am südlichen Ortsrand verlor Sant‘ Antonio Abate ihre vorrangige Stellung. Laut nachfolgender Visitationsakten befand sie sich stets im ordentlichen Zustand. Noch 1807 wurde festgehalten, dass sie zu den Gottesdiensten gut besucht war.Romano Turrini: Sant’Antonio a Chiarano. S. 265.
Während des Ersten Weltkriegs wurde der Bau von einigen Angehörigen des k.k. 2. Landsturmbataillons restauriert.Romano Turrini: Sant’Antonio a Chiarano. S. 270. In den 1980er Jahren wurden das Dach und die Fresken saniert bzw. restauriert. Weitere umfangreiche Ausbesserungsarbeiten fanden in den 2020er Jahren statt.
Beschreibung mini|hochkant|Fresko des heiligen Cristopherus an der südlichen Außenwand Die kleine Kirche liegt am nördlichen Rand des historischen Ortskerns von Chiarano. Das nach Osten ausgerichtete Gebäude hat einen rechteckigen Grundriss mit einem ebenfalls rechteckigen Presbyterium, hinter dem die Sakristei angrenzt.
Die Fassade weist neben dem in der Mitte liegenden Kirchenportal, das von einem Architrav überragt wird, noch zwei rechteckige Fenster und einen Okulus auf.
Die Südseite ist fast vollständig mit einer Ansammlung von Freskenfragmenten aus verschiedenen Epochen bedeckt. Das wahrscheinlich aus dem 16. Jahrhundert stammende, fast wie ein Altarbild wirkende Fresko auf der linken Seite zeigt eine Ädikula mit der Madonna, die das Jesuskind anbetet.Sara Retrosi, Chiara Tozzi (Hrsg.): Guide del Trentino. Valle dei Laghi e Alto Garda: storia, arte, paesaggio. S. 178. Eingerahmt wird das Motiv von zwei Heiligen: Die Figur des Bischofs könnte den heiligen Augustinus darstellen, die andere den heiligen Bernhardin von Siena.Romano Turrini: Chiarano: Frammenti di storia, arte e tradizione. S. 29. Rechts daneben ist in einem anderen Fresko Jesus Christus mit den Leidenswerkzeugen der Passion abgebildet. Es wird von einer nur zum Teil erhaltenen Inschrift überragt, aus der das Jahr 1481 hervorgeht, und die an einen Ablass erinnert. Das Fresko wird von einigen Heiligen eingerahmt. Dem 14. Jahrhundert ist das rechts neben dem Nebeneingang liegende Christophorus-Fresko zuzuordnen.Sara Retrosi, Chiara Tozzi (Hrsg.): Guide del Trentino. Valle dei Laghi e Alto Garda: storia, arte, paesaggio. S. 179. Von dem dazwischen liegenden Fresko sind nur noch sehr spärliche Spuren erhalten.Romano Turrini: Chiarano: Frammenti di storia, arte e tradizione. S. 30.
Auf der Südseite befinden sich zwei Fenster mit Flachbögen, eines auf Höhe des ersten Jochs, das andere zur Sakristei gehörend. Dem Nebeneingang, der sich auf Höhe des zweiten Jochs befindet, sind zwei Stufen vorgelagert.
Der einschiffige Innenraum ist durch einen Querbogen mit flachem Gewölbe in zwei Joche unterteilt und mit Kreuzgewölben überdacht. Eine Stufe trennt den leicht überhöhten Chorraum vom Kirchenschiff ab. Der unregelmäßige, teilweise unebene Fußboden besteht aus Kalksteinplatten und zweifarbigen Terrakottafliesen, die in diagonalen Reihen verlegt sind. Im Chor sind die Terrakottafliesen dagegen im Fischgrätenmuster angebracht.
Innenausstattung Der Innenraum ist mit mehreren Fresken aus dem 16. Jahrhundert ausgeschmückt. Auf den beiden Seitenwänden des zweiten Jochs waren verschiedene Szenen aus dem Leben des heiligen Antonius des Großen abgebildet. Lediglich die Versuchungen des heiligen Antonius ist davon noch zu erkennen.
Der Triumphbogen ist mit der Verkündigung des Herrn verziert, während die Innenseiten mit Blumenmotiven ausgeschmückt sind. Am Fuß des Bogens sind zwei Heilige zu sehen, die vermutlich den heiligen Christophorus und den heiligen Franz von Assisi darstellen. Im Kreuzgewölbe des Chors sind die vier Evangelisten abgebildet. An der Südwand des Chors erinnert eine Inschrift an die Restaurierung durch österreichische Soldaten im Jahr 1917. An der gegenüberliegenden Nordwand erinnert eine andere Inschrift an verschiedene Kirchenschenkungen.
Der Holzaltar stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und wurde von einer trentiner Werkstatt geschaffen. Das Altarretabel besteht aus gemalten Elementen und einer zentralen Holzskulptur. Letztere stellt den heiligen Antonius den Großen dar und stammt wahrscheinlich von einem lokalen Künstler. Flankiert wird die Statue von zwei Heiligen, die je nach Quelle unterschiedlich als heiliger Georg, heiliger Fabian oder heiliger Augustinus identifiziert werden. In der Lünette des Altars ist die Jungfrau Maria mit dem Jesuskind und im Tympanon eine weiße Taube, als Symbol des Heiligen Geistes, abgebildet.
Literatur Romano Turrini: Chiarano: Frammenti di storia, arte e tradizione. Comitato dei Santi Antonio e Marcello di Chiarano, Arco 2000. Romano Turrini: Sant’Antonio a Chiarano. In: Roberto Codroico et al.: Ecclesiae: Le chiese nel Sommolago. Il Sommolago, Arco 2000, S. 265–270. Sara Retrosi, Chiara Tozzi (Hrsg.): Guide del Trentino. Valle dei Laghi e Alto Garda: storia, arte, paesaggio. Temi, Trient 2007, ISBN 88-89706-07-4, S. 178–179. Michele Dalba: Chiarano, Sant’Antonio. In: Gian Pietro Brogiolo et al.: APSAT 11. Chiese Trentine dalle origini al 1250: Volume 2. SAP Società Archeologica, Mantua 2013, ISBN 978-88-87115-87-1, S. 120–121.
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