Die Gambia Navy (dt. gambische Marine) ist die kleinste und jüngste Teilstreitkraft der Gambia Armed Forces. Ihre Geschichte ist eng mit der Geografie des Landes verknüpft: Da Gambia fast vollständig vom Fluss Gambia dominiert wird und über eine 80 Kilometer lange Atlantikküste verfügt, bildet sie das strategische Rückgrat zur Sicherung der nationalen Gewässer.

Geschichte mini|Angehörige der senegalesischen und gambischen Marine führen im Rahmen der Übung „Obangame Express“ 2019 an Bord des gambischen Patrouillenboots GNS Kunti Kinte Verfahren zur Durchsuchung und Beschlagnahme durch; das Szenario simuliert Drogen- und Menschenschmuggel. Die vom U.S. Africa Command unterstützte Übung „Obangame Express“ zielt darauf ab, die regionale Zusammenarbeit, das Lagebild im maritimen Raum, den Informationsaustausch sowie die taktischen Fähigkeiten zum Unterbinden illegaler Aktivitäten zu verbessern. Damit sollen die gemeinsamen Kapazitäten der Anrainerstaaten des Golfs von Guinea und der westafrikanischen Länder gestärkt werden, um gegen illegale Aktivitäten auf See vorzugehen.

Vor Mitte der 1980er-Jahre besaß das unabhängige Gambia keine regulären, institutionalisierten Seestreitkräfte. Die Überwachung des riesigen Flussdeltas und der Gewässer wurde von einfachen Einheiten der Feldpolizei und der Küstenwache durchgeführt. Mit dem Gambia Armed Forces Act 1985 legte die Regierung unter dem ersten Präsidenten Dawda Jawara das rechtliche Fundament für die Aufstellung von vier Teilstreitkräften (Heer, Marine, Luftwaffe, Gendarmerie). Kurz darauf wurde die Marine-Einheit innerhalb der Nationalarmee aufgestellt. Die Einheit war personell und materiell schwach aufgestellt. Im Jahr 1989 erhielt Gambia von der spanischen Guardia Civil ein erstes hochseetaugliches Patrouillenboot, die GNS Bolong Kanta. Es bildete für die nächsten Jahrzehnte die einzige nennenswerte Plattform zur Überwachung der nationalen Wirtschaftszone (AWZ).

Nachdem sich Leutnant Yahya Jammeh im Jahr 1994 durch einen unblutigen Militärputsch an die Macht geputscht hatte, reorganisierte er den gesamten Sicherheitsapparat. Jammeh löste die Marineeinheit aus dem direkten Verband des Heeres heraus und formierte sie im Juli 1996 mit dem Dekret Nr. 88 als völlig eigenständige Teilstreitkraft unter dem Namen Gambia Navy. Zu ihren ersten Offizieren gehörten Ebou Jallow und Assan Sarr, Captain Sarr wurde 1997 Chef des Marinestabes und blieb bis zu seiner Beförderung zum Chef des Verteidigungsstabes 2004 im Amt. Unter Jammehs Präsidentschaft litt die Marine massiv unter politischer Willkür. Befehlshaber wie der langjährige Marinechef Sarjo Fofana wurden im Zuge angeblicher Putschversuche verhaftet und durch loyale Interims-Kommandeure wie Sillah Kujabi ersetzt. Diese ständigen, oft gewaltsamen personellen Wechsel verhinderten den Aufbau stabiler, professioneller Führungsstrukturen. Mangels eigener finanzieller Mittel hing die Marine vollständig von ausländischen Spenden ab. Die Republik China (Taiwan) wurde in den 2000er-Jahren zum wichtigsten Geber und überließ der gambischen Marine mehrere Schnellboote der Hai-Ou-Klasse. Diese bildeten das Rückgrat für die Bekämpfung von Schmuggel im Flussdelta.

mini|links|Grenzen der ausschließlichen Wirtschaftszonen von Kap Verde, Mauretanien, Senegal, Guinea-Bissau, Guinea und Gambia

Der demokratische Machtwechsel Anfang 2017 – bei dem Jammeh nach verlorener Wahl ins Exil fliehen musste – markierte den wichtigsten historischen Wendepunkt für die Marine. Unter dem neuen Präsidenten Adama Barrow wurde eine umfassende Sicherheitssektor-Reform (SSR) eingeleitet. Die Marine wurde entpolitisiert und von einer paramilitärischen Truppe in eine spezialisierte Küstenwach- und Exekutivbehörde transformiert. Ihre Hauptaufgaben sind heute:

Die Bekämpfung der illegalen, ungemeldeten und unregulierten Fischerei (IUU-Fischerei). Das Abfangen lebensgefährlicher, irregulärer Migrantenboote auf der Westafrika-Route nach Europa. Das Aufdecken des internationalen Kokainschmuggels über den Seeweg.

Angesichts des massiven Plünderns nationaler Fischbestände durch ausländische Trawler ging die gambische Marine eine Partnerschaft mit der Umweltschutzorganisation Sea Shepherd ein. Seit 2019 führen bewaffnete Einheiten der Marine gemeinsam mit Sea-Shepherd-Schiffen (wie der Sam Simon und der Age of Union) geheime Patrouillen durch. Dabei wurden bis heute Dutzende illegale industrielle Trawler mitten in der geschützten Küstenzone festgenommen.

In den vergangenen Jahren erlebte die Marine die größte technologische Aufrüstung ihrer Geschichte, um den modernen Bedrohungen im Golf von Guinea gerecht zu werden. Am 20. Dezember 2023 übergab Präsident Barrow das neue Hochseepatrouillenschiff GNS Fankanta offiziell an die Marine. Das von Spanien gestiftete Schiff ist die erste größere maritime Anschaffung seit 1989. Es besitzt die Reichweite und technische Ausdauer, tagelang auf offener See zu kreuzen, und operiert heute in enger Absprache mit der senegalesischen Marine. Im Januar und Februar 2026 erhielt die Marine im Rahmen des EU-Sicherheitsförderprogramms SWAIMS (Support to West Africa Integrated Maritime Security) hochmoderne Festrumpfschlauchboote (RHIBs) und forensische Ausrüstung zur Beweissicherung bei Schiffsüberfällen. Die Ausbildung der gambischen Besatzungen wird direkt von Ausbildern der portugiesischen Marine (Marinha Portuguesa) durchgeführt.

Entwicklung der Personalstärke Die Personalstärke der Gambia Navy ist historisch betrachtet sehr gering. Als kleinste Teilstreitkraft der gambischen Streitkräfte (Gambia Armed Forces, GAF) schwankte ihre Stärke seit ihrer Formierung zwischen ca. 70 und knapp über 300 aktiven Soldaten. Aufgrund der jahrzehntelangen Militärdiktatur unter Yahya Jammeh (bis 2017) wurden exakte Truppenstärken häufig als Staatsgeheimnis behandelt. Dennoch lässt sich die Entwicklung anhand internationaler militärischer Jahrbücher – primär dem Military Balance des International Institute for Strategic Studies (IISS) – sowie offizieller Beförderungs- und Entlassungsdekrete präzise und chronologisch rekonstruieren.

Zeitraum Personalstärke (aktiv) Struktureller Fokus & Zusammensetzung Historischer Kontext / Beleg 1985–1995 ca. 70–100 Reine Techniker- und Hafenwache; minimale Kernbesatzungen für den Flusspatrouillendienst. Aufbauphase als integrierte Marine Unit im Rahmen des Armed Forces Act 1985 unter Präsident Dawda Jawara. 1996–2005 ca. 120–150 Erweiterte Besatzungsstrukturen nach der Ausgliederung aus dem Heer; Fokus auf erste Schnellboot-Schenkungen. Formierung der Gambia Navy als eigenständige Teilstreitkraft unter dem Jammeh-Regime im Juli 1996. 2015 ca. 300 Personeller Höchststand; massive Aufstockung der Unteroffiziers- und Mannschaftsränge für den Küstenschutz. Belegt durch eine militärische Großzeremonie am 8. Oktober 2015, bei der 245 Marinesoldaten zeitgleich befördert wurden. 2017–2024 ca. 250 Konsolidierung und Entpolitisierung; qualitative Ausbildung in Zusammenarbeit mit internationalen Partnern. Einleitung der weitreichenden Sicherheitssektor-Reformen (SSR) nach dem demokratischen Machtwechsel unter Adama Barrow. 2025–2026 ca. 240–250 Hochseefähige Besatzungen (u. a. für die GNS Fankanta); intensive Schulung auf modernen Abfangbooten. Bereinigung der Personalstruktur durch die gezielte Entlassung korrupter Offiziere im August 2025 bei stabiler Gesamtstärke.

Liste der Kommandeure der Gambia Navy Offiziell wird die Position des Kommandeurs als Commander of the Gambia Navy oder Chief of Naval Staff bezeichnet.

Zeitraum Commander Bemerkung Marine Unit der Gambia National Army ca. 1991 – 22. Juli 1994 Major Antouman Saho Commander der Marine Unit 22. Juli 1994 – 1996/1997 Mahmoud Babadi Sarr Commander der Marine Unit; anschließend Übergang zur Gambia Navy Gambia Navy 1996/1997 – 2004 Mahmoud Babadi Sarr Commander der Gambia Navy 2004 – vor 22. Juli 2005 Assan Sarr Ehemaliger Navy Commander spätestens 22. Juli 2005 – 2. März 2010 Rear Admiral Sarjo Fofana Commander der Gambia Navy 2. März 2010 – 8. März 2010 Commodore Sillah Kujabi Acting Commander der Gambia Navy 8. März 2010 – Februar 2016 Commodore Madani Senghore Commander der Gambia Navy spätestens 11. Februar 2016 – 2016 Commodore Sillah Kujabi Commander der Gambia Navy 2016 – März 2017 General Ansouman Tamba Übergang nach Sillah Kujabi März 2017 – 13. Dezember 2023 Commodore Madani Senghore Commander der Gambia Navy 13. Dezember 2023 – 21. März 2025 vakant Nach dem Tod von Madani Senghore seit 21. März 2025 Commodore Sambu Barrow Commander der Gambia Navy

Liste von Fahrzeugen der Gambia Navy Die Gambia Navy wurde im Jahr 1996 aufgestellt. Zuvor wurde der Küstenschutz maßgeblich von der Nationalgarde und der Polizei organisiert. Da Gambia eine kleine Marine besitzt, besteht die Flotte primär aus gespendeten oder gebraucht erworbenen Patrouillenbooten (Küstenwache) und schnellen Abfangbooten (Interceptors / RHIBs). Die folgende Liste der Fahrzeuge der Gambia Navy umfasst alle Schiffe und Boote, die sich im Besitz der Marine der Republik Gambia befanden, aktuell befinden oder in Zukunft zu besitzen planen, einschließlich unfertiger Schiffe oder solcher, deren Pläne abgebrochen wurden.

Bewaffnung der Fahrzeuge beschränken sich primär auf leichte, handgeführte Infanteriewaffen und Maschinengewehre.

Erläuterung der Tabelle: nicht mehr im Dienst befindliches Schiff geplantes oder in Bau befindliches Schiff Die Dimensionen: L: Länge des Schiffes (LOA), B: Breite des Schiffes (BOA) und Tg: Tiefgang Die Spalte Baujahr ist synonym mit Stapellauf. Die Aussage „in Dienst“ gestellt bezieht sich auf den Einsatz in Gambia. Es kann sein, dass das Schiff schon einen Einsatz hatte und gebraucht erworben wurde. Die Aussage „außer Dienst“ gestellt bezieht sich auf den Einsatz in Gambia. Es kann sein, dass das Schiff nach seinem Einsatz in Gambia weiterverkauft wurde.