mini|Der deutsche Psychiater und langjährige Leiter der Heil- und Pflegeanstalt Andernach Friedrich Nötel (1839–1899) Friedrich Nötel oder Friedrich Gustav Nötel (* 21. November 1839 in Posen; † 31. Oktober 1899 in Andernach) war ein deutscher Arzt und Psychiater und als solcher 18 Jahre lang Leiter der Heil- und Pflegeanstalt Andernach. Er bemühte sich um die Einführung der Familienpflege in/an seiner Klinik.
Leben und Wirken Friedrich Gustav Nötel kam als Sohn Chefpräsident des Appellationsgerichts in Breslau in Posen zur Welt. Er besuchte die Gymnasien in Posen, Stettin, Frankfurt (Oder), Arnsberg und studierte zwischen 1857 und 1861 Medizin an den Universitäten Heidelberg und Berlin. In Berlin promovierte er über Meningitis der Hirn- und Rückenmarkshirnhäute (»De meningitide spinali«).
Nach einem verpflichtenden einjährigen Militärdienst als Truppenarzt durchlief er seine Assistentenzeit und bildete sich insbesondere in pathologischer Anatomie und Psychiatrie fort. Während des Deutsch-Dänischen Krieges wurde er erneut eingezogen. Vom Mai 1865 bis 1868 arbeitete er als Hilfsarzt an der Großherzoglich Mecklenburgischen Irren - Heilanstalt Sachsenberg unter Löwenhardt und wechselte im Juli 1868 als zweiter Arzt an die Landesirrenanstalt zu Eberswalde.
In den 1870er Jahren wurden im Rheinland anstelle der einzigen psychiatrischen Anstalt in Siegburg fünf neue Anstalten für die fünf Regierungsbezirke der Rheinprovinz geschaffen. Im Rahmen dieser Reorganisation der Versorgung psychiatrischer Patienten wurde Nötel zum 1. April 1876 Leiter der neu eröffneten Anstalt zu Merzig.
Aufgrund der geplanten und im Januar 1882 erfolgten Eröffnung der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt BonnKurzbericht zu 140 Jahren LVR-Klinik Bonn wechselte der bekannte Psychiater Karl Friedrich Werner Nasse bereits im Jahre 1881 von Andernach nach Bonn und so wurde Ende Juni 1881 Friedrich Nötel Nasses Nachfolger als Leiter der Heil- und Pflegeanstalt Andernach.
Ein großes Anliegen Nötels in den letzten Jahren seines Lebens war die Etablierung der Familienpflege im Rheinland, das heißt der möglichst lange Verbleib psychisch Kranker im Familienverbund und Pflege durch betreuende Angehörige bei gleichzeitiger Betreuung und Unterstützung der Angehörigen durch die Heil- und Pflegeanstalt. Nachdem er die Einführung maßgeblich konzipiert hatte, wurde er in den ersten Schritten der praktischen Umsetzung durch Krankheit und im Oktober 1899 erfolgten Tod aus der eigentlichen Implementierung herausgerissen.
Anerkennung Nötel erhielt im Jahre 1888 den Titel eines Sanitätsrats und wurde bei seiner Pensionierung im Juli 1899 Geheimer Sanitätsrat. Er beriet wiederholt das Großherzogtum Luxemburg in Sachen der „Irrenfürsorge“ und für seine Unterstützung mit dem Ritterkreuz des Grossherzoglich-Luxemburgischen Ordens der Eichenkrone, später mit dem Officierskreuz desselben Ordens geehrt. 1885 wurde er zum Ehrenmitglied der Société royale de médecine mentale de Belgique gewählt.
Weblinks Nachruf auf Friedrich Nötel von Paul Brie (Oberarzt und später Direktor der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Grafenberg) in der »Psychiatrischen Wochenschrift 1.1899/1900«, S. 324–326
Einzelnachweise
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