Junges Gemüse ist ein DEFA-Spielfilm von Günter Reisch von 1956 nach dem Drehbuch von Günther Rücker.

Handlung Der Leiter des Volkseigenen Erfassungs- und Aufkaufbetriebes (VEAB) Amann beschließt, dass die bisherige Produktion von Weißkohl in der LPG Neuland in Blumenkohl umgewandelt wird, da dieses die Bevölkerung stärker benötige. Die resolute junge Buchhalterin Gritt protestiert dagegen. Der Schriftsteller Hans Brauer, der die Bedingungen der landwirtschaftlichen Produktion vor Ort kennenlernen will, wird von Amann irrtümlich für einen Instrukteur aus Berlin gehalten, worauf er seine Änderungspläne schnell wieder fallen lässt.

Hintergründe Günter Reisch war seit 1950 Regieassistent bei mehreren Filmen von Kurt Maetzig. Dieser empfahl ihm die Komödie Shakespeare dringend gesucht von Heinar Kipphardt für sein Spielfilmdebüt, was deren Autor aber ablehnte, da er den Regisseur als zu jung dafür empfand.Poss, Warnecke, 2006, S. 109, nach den Erinnerungen von Günter Reisch, diese Komödie wurde in dieser Zeit im Deutschen Theater in Berlin gespielt

Daraufhin entschied sich Günter Reisch für das kritische und humorvolle Drehbuch Junges Gemüse von Günther Rücker, den er kurz vorher kennengelernt hatte. Das Motiv eines unangekündigten Kontrolleurs, der für viel Aufregung sorgt, stammte offenbar aus der Komödie Der Revisor von Gogol. Für beide und auch für den Kameramann Horst E. Brandt war es ihr Filmdebüt.

Die Premiere war am 29. März 1956 im DEFA-Filmtheater in Berlin, ab dem 30. März wurde der Film in den Kinos gezeigt. In Westdeutschland durfte er dagegen nicht gezeigt werden.Junges Gemüse Filmzensur West-Ost, eine Begründung für das Verbot ist nicht erhalten; in anderen vergleichbaren Filmen genügte die positive Hervorhebung von Organisationen der DDR für ein Verbot oder zumindest für Kürzungen 2011 wurde er im Zeughauskino in Berlin wieder aufgeführt.Junges Gemüse Informationsblatt des Zeughauskinos, zur Vorführung am 4. November 2011

Rezeption Die Rezensionen in den zeitgenössischen Zeitungen waren überwiegend positiv und lobten vor allem die erste Komödie der DEFA über zeitgenössische Probleme.Grisko, 2020, S. 54–56, mit einigen kurzen Zitaten aus den zeitgenössischen Rezensionen Der Morgen schrieb: Dieser Film ist wirklich fröhlich, witzig, einfallsreich, lebensmöglich, wenn nicht völlig lebenswahr, kritisch, satirisch, vergnüglich (...).M-o, Die Sache mit dem Kohl, in Der Morgen vom 29. März 1956; zitiert in Grisko, 2020, S. 55f. Der Rezensent der Zeitung Die Union fand den Film ausgelassen, unbeschwert, voll frechen Spotts und voller Persiflage.Karlheinz Ulrich, Zeitgemäß und sogar lustig oder das der erste heitere Lustspielfilm der DEFA. Junges Gemüse, in Die Union, Dresden, vom 7. April 1956; zitiert in Grisko, 2020, S. 54 (dort kleiner Schreibfehler: statt korrekt voll frechen Spotts irrtümlich von)

Der Filmhistoriker Michael Grisko, der sich ausführlich mit diesem Film auseinandergesetzt hatte, resümierte 2011

Der Filmdienst beschrieb den Film als Weitgehend klamaukhafte, frische, an Gogols "Revisor" angelehnte Komödie um Selbstherrlichkeit und bürokratische Mentalität; aus der zeitlichen Distanz heraus ein aufschlussreiches kulturpolitisches "Dokument".Junges Gemüse Filmdienst, ohne Angabe von Verfasser und Jahr der Rezension, wahrscheinlich um 2010/2015

Literatur Michael Grisko: DEFA-Geschichte in Filmen. Baden-Baden 2020. S. 33–57, mit ausführlichen Angaben und Fotos Ingrid Poss, Peter Warnecke (Hrsg.): Spur der Steine. Zeitzeugen über die DEFA. 2. Auflage. Ch. Links, Berlin 2006. S. 108–109, mit einigen Informationen Klaus-Detlev Haas, Dieter Wolf (Hrsg.): Sozialistische Filmkunst. Dietz, Berlin 2011. S. 121–122 (PDF), mit vollständiger Besetzungsliste

Weblinks Junges Gemüse DEFA-Stiftung Junges Gemüse Filmblatt 2011, mit einigen Informationen Junges Gemüse Filmportal

Programmheft Junges Gemüse DDR-Museum

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1956 Kategorie:DDR-Film Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Landwirtschaft im Film Kategorie:Landwirtschaft (DDR)