mini|Pierre Lacour – L'Artiste peignant un portrait de famille (1798). Musée des Beaux-Arts de Bordeaux Pierre Lacour, der Ältere; auch Pierre Lacour Père (* 15. April 1745 in Bordeaux; † 28. Januar 1814 ebenda) war ein französischer Maler, Zeichner, Kupferstecher und Museumskonservator. Er gilt als bedeutender Vertreter der Malerei in Bordeaux am Übergang vom Ancien Régime zum 19. Jahrhundert und war Gründer sowie erster Konservator des Museums der Bildenden Künste in Bordeaux.
Leben Pierre Lacour, ursprünglich Delacour genannt, erhielt seine erste künstlerische Ausbildung in Bordeaux im Atelier des Medailleurs André Lavau l’aîné. Ab 1764 studierte er gemeinsam mit seinem Jugendfreund Jean-Joseph Taillasson an der Académie royale de peinture et de sculpture in Paris im Atelier von Joseph-Marie Vien. Dort schloss er Freundschaft mit seinen Mitschülern François-André Vincent und Jacques-Louis David. 1769 erhielt er den zweiten Rompreis für das Gemälde Achilles mit der Leiche Hektors (Öl auf Leinwand, Paris, École nationale supérieure des beaux-arts). Damit war ihm das erhoffte königliche Rom-Stipendium jedoch nicht sicher. Stattdessen reiste er im November 1772 gemeinsam mit Taillasson auf eigene Kosten nach Rom, wo er bis Anfang 1774 blieb.
Anschließend ließ sich Lacour in Bordeaux nieder, wo er rasch Anerkennung fand. 1776 wurde er in die Académie royale des sciences, belles-lettres et arts de Bordeaux gewählt, deren Direktor er von 1784 bis 1787 war. Von 1811 bis zu seinem Tod leitete er die 1799 gegründete École gratuite de dessin et de peinture de la ville de Bordeaux sowie das 1801 gegründete Museum (heute Musée des Beaux-Arts de Bordeaux), dessen erster Konservator er war. Zudem war er korrespondierendes Mitglied der Académie des beaux-arts in Paris. Pierre Lacour spielte eine bedeutende Rolle im öffentlichen und kulturellen Leben von Bordeaux. Neben seiner Lehrtätigkeit betrieb er archäologische Forschungen, veröffentlichte 1806 gemeinsam mit seinem Sohn Pierre Lacour d. J. (Pierre Lacour Fils) eine entsprechende Publikation, betätigte sich als Kunstsammler und setzte sich für den Erhalt von Kunstwerken ein. Während der Französischen Revolution rettete er zahlreiche Werke vor der Vernichtung, die später in die Sammlungen des neuen Museums gelangten. In Bordeaux machte er sich zudem als gefragter Porträtist der städtischen Oberschicht einen Namen.
Sein Sohn Pierre Lacour der Jüngere (Pierre Lacour Fils) war als Graveur, Lithograf und Maler tätig und wurde sein Nachfolger als Museumskonservator.
Werk mini|Pierre Lacour – Portrait de Pierre-Paul Nairac (1782). Pierre Lacour erhielt zahlreiche Aufträge für repräsentative Porträts von Persönlichkeiten der Stadt Bordeaux, darunter Portrait d’un armateur bordelais. Weitere Werke sind Pierre Guibert (1809, Rouen, Musée des Beaux-Arts) und Louis Guy Combes, architecte (1810, Bordeaux, Musée des Beaux-Arts). Dokumentarisch bedeutsam ist das offizielle Gruppenbildnis der städtischen Amtsträger Les Juges et Consuls de la Bourse (Öl auf Holz, um 1785, Bordeaux, Musée des Beaux-Arts; drei Vorzeichnungen ebenda, Bibliothèque municipale).
Für Sakral- und Profanbauten in Bordeaux übernahm Lacour mehrere Auftragswerke: 1774 eine allegorisch-mythologische Deckenmalerei mit einem Bildnis des Marschalls Richelieu für das Grand Théâtre (nicht erhalten), 1776 eine lebensgroße Darstellung des heiligen Rochus für einen Altar der Église des Carmes des Chartrons, die später in die Kirche Saint-Louis des Chartrons kam, sowie Grisaillen in einem Saal des Rathauses. Im Auftrag von François-Armand de Saige, Generalprokurator von Bordeaux, gestaltete er die Galerie seines Hôtel Saige am Cours du Chapeau mit einem neunteiligen Gemäldezyklus zu historischen und mythologischen Themen. Die Übergabe des ersten Bildes erfolgte im Jahr 1778, der zugehörige Vertrag jedoch erst im Jahr 1781; zum Zeitpunkt des Todes von François-Armand de Saige im Jahr 1793 war der Zyklus noch unvollendet. Vier Gemälde befinden sich im Musée des Beaux-Arts in Bordeaux, je eines im Musée national du Château in Pau und in Privatbesitz. Drei Werke gelten als verschollen.
Historien- und mythologische Darstellungen nehmen in Lacours Schaffen breiten Raum ein, etwa Orpheus und Eurydike (Öl auf Holz, 1805, Bordeaux, Musée des Beaux-Arts, mit zugehöriger Skizze und Vorzeichnungen in der dortigen Bibliothèque municipale). Aus seinem Italienaufenthalt brachte er zudem Zeichnungen von Stadtansichten und Landschaften mit, darunter Vue des jardins de la villa Farnèse à Caprarola (signiert, um 1772/74) und Vue des jardins de la villa Médicis (signiert, 1773; beide Bordeaux, Musée des Beaux-Arts). Stilistisch erinnern diese an Landschaftszeichnungen von Jean-Honoré Fragonard und Hubert Robert. Gelegentlich stach Lacour auch nach eigenen Gemälden, etwa nach dem Ölbild Der gute Hirte (signiert und datiert 1810, Bordeaux, Musée des Beaux-Arts). mini|Pierre Lacour – Vue d’une partie du port et des quais de Bordeaux dits des Chartrons et de Bacalan. Musée des Beaux-Arts de Bordeaux Als sein Hauptwerk gilt die aus architektonischer und stadtgeschichtlicher Sicht bedeutende Ansicht Vue d’une partie du port et des quais de Bordeaux dits des Chartrons et de Bacalan (Öl auf Leinwand, 1804, Bordeaux, Musée des Beaux-Arts). Ein Selbstbildnis mit seiner Familie, das ihn beim Malen eines Porträts seiner Familie zeigt, ist als Porträt Lacours überliefert (L’artiste peignant un portrait de la famille, Öl auf Holz, 1798, Bordeaux, Musée des Beaux-Arts). Weitere Werke Lacours befinden sich im Musée des Beaux-Arts de Pau, im Musée des Beaux-Arts de Rouen, im Musée des Augustins in Toulouse sowie in der Kirche Saint-Pierre in Lisieux, für die er 1771 das Bild Bekehrung des heiligen Paulus schuf.
Rezeption Während der Großteil von Lacours Werk in der kunsthistorischen Bewertung als qualitativ durchschnittlich gilt, wird er mit seinem Hauptwerk, der Ansicht des Hafens von Bordeaux von 1804, als bedeutender Vertreter der klassischen französischen Landschaftsmalerei italienischer Prägung gewürdigt. Zudem wird seine Rolle als Gründer und erster Konservator des Museums von Bordeaux sowie als Leiter der städtischen Zeichenschule als prägend für das Kunstleben der Stadt am Übergang vom 18. zum 19. Jahrhundert angesehen.
Literatur
La peinture à Bordeaux 1750–1800. Ausstellungskatalog, Musée des Beaux-Arts de Bordeaux, Bordeaux 1989 (= Le Port des Lumières, Bd. 1). François Bergot u. a.: Musée des Beaux-Arts de Rouen. Réunion des Musées Nationaux, Paris / Musée des Beaux-Arts de Rouen, Rouen 1994. Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris 2006, S. ?. Olivier Le Bihan, Cécile Navarra-Le Bihan: Pierre Lacour. Le Port de Bordeaux. Histoire d’un tableau. Ausstellungskatalog, Musée des Beaux-Arts de Bordeaux, Le Festin, Bordeaux 2007. Eugène Goudiaby: Pierre Lacour (1745–1814): le peintre, le maître et le théoricien. Dissertation, Université Bordeaux III, Bordeaux 2008.
Weblinks
Galerie du musée des Beaux-Arts, Bordeaux
Einzelnachweise
Kategorie:Maler (Frankreich) Kategorie:Zeichner (Frankreich) Kategorie:Kupferstecher (Frankreich) Kategorie:Museumsleiter (Frankreich) Kategorie:Mitglied der Académie des Beaux-Arts Kategorie:Person (Bordeaux) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1745 Kategorie:Gestorben 1814 Kategorie:Mann