Bathysuchus (von altgr. bathys = "tief" und soukhos = "Krokodil") ist eine Gattung ausgestorbener Meereskrokodile aus dem Oberjura von Europa. Die einzige bekannte Art ist Bathysuchus megarhinus.

Beschreibung links|mini|Zahn von Bathysuchus megarhinus. Maßstabsleiste = 3 cm. Bathysuchus megarhinus lässt sich von anderen bekannten Mitgliedern der Teleosauroidea durch eine kaum sichtbare Ornamentierung des Scheitelbeins und eine deutlich ausgeprägte, seitliche Ausdehnung des Zwischenkieferbeins unterscheiden. Außerdem ist das von vorne gezählte fünfte Zahnpaar des Unterkiefers schräg nach hinten gerichtet und liegt am hinteren Ende der spatelförmigen Spitze des Kiefers. Ähnlich Aeolodon hatte Bathysuchus im Vergleich zu anderen Teleosauroidea kleinere und dünne Osteoderme.Johnson, M. M., Young, M. T., & Brusatte, S. L. (2020). The phylogenetics of Teleosauroidea (Crocodylomorpha, Thalattosuchia) and implications for their ecology and evolution. PeerJ, 8, e9808.

Forschungsgeschichte Der Holotypus (eine fragmentarische Schnauze) wurde im Jahr 1870 in der nähe des englischen Dorset in den Schichten des Kimmeridge Clay gefunden und von dem Antiquar John Clavell Mansel-Pleydell an John Whitaker Hulke übergeben.Foffa, D., Johnson, M. M., Young, M. T., Steel, L., & Brusatte, S. L. (2019). Revision of the Late Jurassic deep-water teleosauroid crocodylomorph Teleosaurus megarhinus Hulke, 1871 and evidence of pelagic adaptations in Teleosauroidea. PeerJ, 7, e6646. Dieser beschrieb und benannte das Fossil als Teleosaurus megarhinus. Den Artnamen (von altgr. mega = "groß" und rhis = "Nase") wählte Hulke, da die Nasenöffnungen der Schnauze deutlich größer als bei den anderen ihm bekannten Teleosaurus-Arten waren.Hulke, J. W. (1871). Note on a fragment of a teleosaurian snout from Kimmeridge Bay, Dorset. Quarterly Journal of the Geological Society, 27(1–2), 442–443. Richard Lydekker hat im Jahr 1888 die Art stattdessen in die Gattung Steneosaurus gestellt.Lydekker, R. (1999). Catalogue of the Fossil Reptilia and Amphibia in the British Museum: Part 1. Containing the Orders Ornithosauria, Crocodilia, Dinosauria, Squamata, Rhynchocephalia, and Proterosauria. Order of the Trustees, London, 309 Seiten. Pierce et al. (2009) haben vorgeschlagen Steneosaurus megarhinus als ein Synonym von Steneosaurus leedsi (= Charitomenosuchus) anzusehen,Pierce, S. E., Angielczyk, K. D., & Rayfield, E. J. (2009). Morphospace occupation in thalattosuchian crocodylomorphs: skull shape variation, species delineation and temporal patterns. Palaeontology, 52(5), 1057–1097. [doi|10.1111/j.1475-4983.2009.00904.x] was allerdings von späteren Arbeiten angezweifelt wurde. Foffa et al. (2019) haben für die Art schließlich die eigene Gattung Bathysuchus eingeführt, sowie eine weitere Schnauzenspitze aus Dorset und einen Schädel aus dem französischen Quercy der Art zugeordnet. Letzterer wurde bereits von Vignaud et al. (1993) tendenziell als Artgenosse des britischen Funds gesehen.Vignaud, P., Lange-Badre, B., Hantzpergue, P., Dutrieux, M., & Maury, G. (1993). Découverte d'un crâne de Teleosauridae dans la Zone à Eudoxus du Kimméridgien supérieur quercynois (France). Comptes rendus de l'Académie des sciences. Série 2, Mécanique, Physique, Chimie, Sciences de l'univers, Sciences de la Terre, 317(11), 1509–1514. Eine Schnauzenspitze aus der Nähe des bayerischen Kallmünz könnte ebenfalls zu Bathysuchus gehören.Spindler, F., & Kimmig, J. (2025). Kleine Schnauze, viel dahinter: Fragment eines Meereskrokodils aus der Oberpfalz / Fragmentary snout of a marine crocodile from the Upper Palatinate, Bavaria. Archaeopteryx, 40, 38–47.

Systematik Bathysuchus wird innerhalb der Thalattosuchia der Familie Teleosauridae zugeordnet. Innerhalb dieser ist die Gattung Teil der Tribus Aeolodontini. Die Schwestergattung ist Sericodon.

Kladogramm nach Young et al. (2024):Young, M. T., Wilberg, E. W., Johnson, M. M., Herrera, Y., de Andrade, M. B., Brignon, A., Sachs, S., Abel, P., Foffa, D., Fernàndez, M. S., Vignaud, P., Cowgill, T., & Brusatte, S. L. (2024). The history, systematics, and nomenclature of Thalattosuchia (Archosauria: Crocodylomorpha). Zoological Journal of the Linnean Society, 200(2), 547–617.

Paläoökologie links|mini|Osteoderme von Bathysuchus megarhinus. Maßstabsleiste = 3 cm. Bathysuchus wird gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Aeolodontini (namentlich Sericodon und Aeolodon) als Generalist interpretiert, der mehr an eine pelagische Lebensweise angepasst war als die meisten anderen Teleosauroidea. Dafür sprechen die nur gering ornamentierten Schädelknochen und die reduzierten Osteoderme. Ein ähnlicher Trend lässt sich bei den rein pelagischen Metriorhynchiden beobachten, wobei argumentiert wird, dass diese Arten aufgrund ihrer Lebensweise weniger auf ein Sonnenbad als semiaquatische Arten angewiesen waren und deshalb weniger stark von Blutgefäßen durchsetzte, ornamentierte Knochen ausgebildet haben.Foffa, D., Johnson, M. M., Young, M. T., Steel, L., & Brusatte, S. L. (2019). Revision of the Late Jurassic deep-water teleosauroid crocodylomorph Teleosaurus megarhinus Hulke, 1871 and evidence of pelagic adaptations in Teleosauroidea. PeerJ, 7, e6646.

Weblinks

Referenzen

Kategorie:Crocodylomorpha (Archosaurier) Kategorie:Crocodylomorpha Kategorie:Ausgestorbenes Krokodil