Walter Nabholz (vollständiger Name Walther Karl Nabholz; auch Walter Nabholz-Oberlin; Rufname unter Fachkollegen und Studierenden „Nabi“; * 4. Februar 1918 in Moskau; † 14. Dezember 1997 in Bern) war ein Schweizer Geologe. Von 1964 bis zu seiner Emeritierung 1986 war er ordentlicher Professor für Geologie und Direktor des Geologischen Instituts der Universität Bern; 1966/67 amtierte er als Dekan der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern, 1976/77 als deren Rektor. Von 1969 bis 1986 präsidierte er die Schweizerische Geologische Kommission. Sein Forschungsschwerpunkt lag auf der Stratigraphie und Strukturgeologie der Bündnerschiefer zwischen Vorder- und Hinterrhein.Adrian Pfiffner: Nachruf: Walter K. Nabholz (1918–1997). In: Bulletin für angewandte Geologie, Bd. 3, Heft 1, Juli 1998, S. 153–154 (Digitalisat, e-periodica.ch); weitgehend inhaltsgleich auch erschienen als: Adrian Pfiffner: Zum Hinschied von Professor Dr. Walter K. Nabholz. In: UniPress – Forschungsmagazin der Universität Bern, 1997/98.
Leben Herkunft und Ausbildung Nabholz wurde als Sohn des aus Zürich stammenden Maschineningenieurs Paul Georg Nabholz und der Helene Nabholz, geb. Risch, Tochter von Carl Hugo Risch aus Tschappina (Graubünden), in Moskau geboren.Curriculum vitae, Anhang zur Dissertation, Universität Zürich, Juni 1944. Noch im Geburtsjahr kehrte die Familie in die Schweiz zurück. Nach mehrjährigem Aufenthalt in St. GallenNeue Zürcher Zeitung, 29. Juni 1926, Ausgabe 3, Traueranzeige „Helene Nabholz geb. Risch“, St. Gallen, Wildeggstr. 38: „Es hat Gott gefallen, meine liebe Gattin [...].“ Die Anzeige belegt den Wohnsitz der Familie Nabholz an der Wildeggstrasse 38 in St. Gallen. durchlief Nabholz von 1930 bis 1936 das Literargymnasium der Kantonsschule Zürich und schloss mit der humanistischen Matura (Typus A) ab.Studierenden-Matrikelkarte, Universität Zürich, Matrikel-Nr. 41397. 1936 immatrikulierte er sich an der Philosophischen Fakultät II der Universität Zürich.
Das Studium wurde durch wiederholte Aktivdiensteinsätze während der Mobilisierungen der Zweiten Weltkriegsjahre unterbrochen. 1942 erwarb Nabholz das Diplom für das höhere Lehramt in mathematisch-naturwissenschaftlicher Richtung mit den Hauptfächern Geologie und Geographie. Ab 1941 arbeitete er als Assistent am Geologischen Institut der ETH Zürich unter Rudolf Staub, ab 1942 zudem als Mitarbeiter der Geologischen Kommission der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft, für die er sein späteres Dissertationsgebiet geologisch neu kartierte. 1944 promovierte er bei Rudolf Staub mit Auszeichnung mit einer Dissertation über die Geologie der Bündnerschiefergebirge zwischen Rheinwald, Valser- und Safiental.Peter Heitzmann: Zum 75. Geburtstag von Prof. Dr. Walter K. Nabholz. In: Bulletin der Vereinigung Schweizerischer Petroleum-Geologen und -Ingenieure, Bd. 59, Nr. 135, Oktober 1992, S. 37–38 (Digitalisat, e-periodica.ch).
Militärdienst Während des Zweiten Weltkriegs diente Nabholz im Geologischen Dienst der Schweizer Armee, zunächst als Leutnant im Zentralbureau Zürich unter Hauptmann Rudolf Staub, dem Leiter des Dienstes, später als Chef eines Regionalbureaus.Rudolf Trümpy: Aus dem Geologischen Dienst der Schweizer Armee, 1939–1945. In: Swiss Bulletin für angewandte Geologie, Bd. 14, Heft 1+2, 2009, S. 5–12 (archiviertes PDF). Nach der Auflösung des Geologischen Dienstes 1945 initiierte Nabholz, gemeinsam mit Major Ueli Büchi, den Aufbau einer analogen Nachfolgeeinheit; dort wirkte er, inzwischen im Rang eines Hauptmanns, als Kommandant des Geologischen Dienstes der Armee und als Kommandant der Ausbildungskurse für Ingenieuroffiziere und Geologen.Ernst Niggli: Dem Geologen Walter Nabholz zum sechzigsten Geburtstag. In: Der Bund, 3. Februar 1978 (Digitalisat, e-newspaperarchives.ch).Über den Geologischen Diensteilungen für Sappeure, Pontoniere & Mineure, 36. Jg., Heft 2, 1971, S. 55–66. Als Kommandant des Geologischen Dienstes war er zudem an der Bearbeitung des geologischen Atlasblattes „Hörnli“ beteiligt (Heitzmann 1992). Bereits während des Zweiten Weltkriegs war er zudem als Experte im Kohlenbergbau des Kantons Wallis tätig (Niggli 1978).
Familie Walter Nabholz entstammte einer Schweizer Familie, die in Moskau ein Maschinenbau- und Giessereigeschäft betrieb; sein Vater Paul Georg Nabholz arbeitete dort als Ingenieur, bevor die Familie 1918 – im Geburtsjahr Walters – in die Schweiz zurückkehrte.Nabholz, Hans. In: Erste Ingenieure in der Schweiz (online). Sein Cousin Andreas Nabholz (1912–2005), Sohn von Walters Onkel Hans Nabholz, wurde ebenfalls in Moskau geboren und wirkte später als Kantonstierarzt des Kantons Zürich sowie als Direktor des Eidgenössischen Veterinäramtes.Sarah Brian Scherer: Nabholz, Andreas. In: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 2. September 2010 (online).
Im Frühjahr 1947 heiratete Nabholz Margarete Oberlin, genannt „Gretl“ bzw. „Grett“ (* 1. Februar 1923 in Marburg an der Lahn; † 26. Juli 2016 in Bern).Curriculum vitae, Anhang zur Dissertation von Margarete Nabholz-Oberlin, Universität Basel, 1950 (Digitalisat, Internet Archive).Todesanzeige Gretl Nabholz-Oberlin (1. Februar 1923 – 26. Juli 2016); Trauerfeier am 8. August 2016 in der Kapelle des Burgerspittels Bern. Aus der Ehe gingen die Töchter Esther (verheiratete Meier-Nabholz) und Annetta (verheiratete Meier-Nabholz) hervor.
Seine Ehefrau engagierte sich während seiner Berner Zeit im universitären Umfeld und koordinierte in den 1970er-Jahren die informelle Kontaktorganisation „International Neighbours“, die sich an Ehefrauen ausländischer Dozenten richtete und deren soziale Integration unterstützte.Vorlesungsverzeichnis der Universität Bern, Wintersemester 1976/77, S. 13 („International Neighbours“).
Akademische Laufbahn 1945 wurde Nabholz Adjunkt der Schweizerischen Geologischen Kommission in Basel; 1949 rückte er zu deren 1. Adjunkten auf, ein Amt, das er bis 1957 ausübte und in dem er vor allem für Aufnahme, Ausarbeitung und Drucküberwachung der Geologischen Generalkarte der Schweiz 1:200'000 sowie des Geologischen Atlas der Schweiz 1:25'000 verantwortlich war.
In dieser Funktion war er in die Arbeitsabläufe der geologischen Landesaufnahme eingebunden, die neben der Feldkartierung auch die Sammlung, Auswertung und Redaktion umfangreicher geologischer Unterlagen umfasste. Dazu gehörten Feldaufnahmen, Manuskripte und Gutachten, die teilweise erst im Rahmen der Kartenpublikation aufgearbeitet wurden. Die Tätigkeit der Kommission schloss somit auch die Auswahl und Veröffentlichung dieser Materialien ein, während ein Teil der erhobenen Daten zunächst nur innerhalb fachlicher und institutioneller Zusammenhänge verfügbar war.
Während seiner Basler Zeit entstanden daneben auch eigene Arbeiten im Juragebirge.upb: Neuer Rektor der Uni Bern im Amt. In: Der Bund, 5. Oktober 1976 (Digitalisat, e-newspaperarchives.ch). Von 1951 bis 1957 war er zudem Privatdozent in Basel, wo er 1951 die venia docendi erhielt und sich mit einer Habilitationsschrift über die Beziehungen zwischen Fazies und Zeit an der Universität Basel habilitierte; daneben beschäftigte er sich in dieser Zeit auch mit Spröddeformation.Universitätsarchiv Basel, Personendossier Nabholz, Walter, 1951–1958, Signatur Universitätsarchiv XI A 3.2 81 (Verzeichniseintrag, Staatsarchiv Basel-Stadt). und veröffentlichte im selben Jahr die gleichnamige stratigraphische Studie.Walther K. Nabholz: Beziehungen zwischen Fazies und Zeit. In: Eclogae Geologicae Helvetiae, Bd. 44, Heft 1, 1951, S. 131–156, .Seine Tätigkeit als Privatdozent ist zusätzlich in einem eigenen Personendossier des Basler Erziehungsdepartements für die Jahre 1951–1957 dokumentiert (Staatsarchiv Basel-Stadt, Signatur ED-REG 1c 154-2 (1) 8, Verzeichniseintrag). Neben dem Bürgerrecht von Zürich besass Nabholz auch das Bürgerrecht der Stadt Basel (schriftliche Auskunft des Staatsarchivs Basel-Stadt, Christoph Manasse, vom 19. Juli 2026).
1957 wurde Nabholz mit Wirkung zum 1. Oktober 1957 zum ausserordentlichen Professor für Stratigraphie und spezielle Kapitel der regionalen Geologie sowie zum Oberassistenten am Geologischen Institut der Universität Bern gewählt.Universität Bern: Jahresbericht mit Dies academicus, 23. November 1957, Abschnitt „Neuwahlen“ (Digitalisat). 1964 erfolgte, als Nachfolger von Professor Joos Cadisch, die Beförderung zum Ordinarius und die Ernennung zum Direktor des Geologischen Instituts, ein Amt, das er fast 30 Jahre lang ausübte. Im Februar 1969 erhielt Nabholz einen ehrenvollen Ruf auf den Geologielehrstuhl der Freien Universität Berlin als Nachfolger von Professor Max Richter, lehnte diesen jedoch ab und blieb der Universität Bern treu.Ehrenvolle Berufung abgelehnt. In: Berner Tagwacht, Jg. 77, Nr. 117, 22. Mai 1969 (Digitalisat, e-newspaperarchives.ch). Nicht zuletzt aufgrund dieser abgelehnten Berufung erlebte das Geologische Institut in den 1960er Jahren eine Aufstockung: Zwei zusätzliche Extraordinariate verstärkten die zu dieser Zeit aufblühenden Gebiete der Stratigraphie und Paläontologie. Zwei Jahre nach seiner Beförderung zum Ordinarius, 1966/67, amtierte er als Dekan (zuvor auch als Sekretär) der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät.
1969 wurde er zum Präsidenten der Schweizerischen Geologischen Kommission gewählt, ein Amt, das er bis 1986 innehatte.
Ab Herbst 1976 amtierte er, als Nachfolger des Germanisten Hans Jürg Lüthi, ein Jahr lang als Rektor der Universität Bern; turnusgemäss war er anschliessend im akademischen Jahr 1977/78 Prorektor. Während sechs Jahren präsidierte er ausserdem die Kreditkommission der Universität und war längere Zeit Mitglied des Senatsausschusses. 1986 wurde Nabholz emeritiert; seine letzte Vorlesung am 18. Juni 1986 galt dem Flimser Bergsturz und dem Segnesgletscher, zwei Themen, die seine lebenslange Verbundenheit mit der Geologie und Landschaft Graubündens illustrieren.René Herb: Zum Rücktritt von Professor Dr. Walter Nabholz, Ordinarius für Geologie und Institutsdirektor – Der Schweizer Geologie Impulse gegeben. In: Der Bund, Bd. 137, Nr. 139, 18. Juni 1986, S. 26 (Digitalisat, e-newspaperarchives.ch). Zum Rücktritt würdigte ihn sein Kollege René Herb (Professor für Geologie und Paläontologie) in einem Artikel im „Bund“ als jemanden, der „der Schweizer Geologie Impulse gegeben“ habe, insbesondere durch den von ihm gesetzten Forschungsschwerpunkt auf der Sedimentologie der Molasse des schweizerischen Mittellands – einem Gebiet, dem viele führende Schweizer Geologen zuvor wenig Beachtung geschenkt hatten –, sowie als geschichtsbewussten, humorvollen und unverblümten akademischen Lehrer und gefragten Experten für angewandte Geologie, etwa beim Tunnel- und Stollenbau für Kraftwerksanlagen.
Auch während seiner Berner Zeit blieb Nabholz eng in die Arbeiten der geologischen Landesaufnahme der Schweiz eingebunden. Als Hochschullehrer und Präsident der Schweizerischen Geologischen Kommission verlagerte sich seine Tätigkeit von der operativen Bearbeitung hin zu koordinierenden und wissenschaftsleitenden Aufgaben. Er wirkte insbesondere an der Beurteilung, Priorisierung und Publikation geologischer Arbeiten mit und war damit an der institutionellen Organisation geologischer Informationsbestände beteiligt.
Lebensabend und Tod