Das Verbrechen von Zaleszczyki im Juli 1941 war ein Massenmord, der zwischen dem 5. und 7. Juli 1941 von Funktionären des NKWD in Zaleszczyki verübt wurde. Die Opfer waren überwiegend polnische Gefangene, die in versiegelten Eisenbahnwaggons aus den Gefängnissen von Tschortkiw und Kolomyja herbeigebracht und anschließend im Dnister versenkt wurden.
Die genaue Zahl der Ermordeten ist unbekannt – Zeitzeugen schätzten sie auf mehrere Hundert Personen. Das Verbrechen war eines von vielen sogenannten Gefängnismassakern des NKWD, die nach Beginn der deutschen Invasion der Sowjetunion verübt wurden.
Ablauf der Ereignisse Am 22. Juni 1941 begann das nationalsozialistische Deutschland mit dem Überfall auf die Sowjetunion. Die ersten Kriegswochen verliefen für die deutsche Seite äußerst erfolgreich. Den Divisionen der Wehrmacht gelang es, die Truppen der sowjetischen Grenzmilitärbezirke zu zerschlagen und anschließend tief in sowjetisches Gebiet vorzudringen.
Angesichts des raschen Vormarsches der deutschen Offensive begann das NKWD mit der Liquidierung der politischen Gefangenen, die in der Kampfzone festgehalten wurden. Im Sommer 1941 wurden in Gefängnissen und Haftanstalten der sowjetisch besetzten östlichen Grenzgebiete der Zweiten Polnischen Republik zwischen 20.000 und 30.000 Menschen ermordet.Krzysztof Popiński, Aleksandr Kokurin, Aleksandr Gurjanow: Drogi śmierci. Ewakuacja więzień sowieckich z Kresów Wschodnich II Rzeczypospolitej w czerwcu i lipcu 1941. Warszawa: Wydawnictwo „Karta”, 1995, S. 7
Zwischen dem 5. und 7. Juli 1941 traf in Zaleszczyki ein Transportzug ein, in dem sich zwei oder drei versiegelte Waggons voller Gefangener befanden. Höchstwahrscheinlich waren die Häftlinge aus den Gefängnissen von Tschortkiw und Kolomyja hergebracht worden. Anhand der Aufschriften auf den Waggons schlossen Zeugen, dass mit dem Transport Polen befördert wurden. Eisenbahner hörten zudem Stimmen, die aus den Waggons drangen und Polnisch sprachen. Eine der weiblichen Gefangenen soll gerufen haben, dass die Häftlinge aus Tschortkiw gebracht worden seien. Sie fügte hinzu, dass sie während der dreitägigen Fahrt kein einziges Mal Wasser erhalten hätten. Wahrscheinlich befanden sich unter den Gefangenen auch zahlreiche Häftlinge ukrainischer Nationalität. Eines der Opfer wurde später als Pawło Kutyka, Vorsitzender des Masłosojuz in Zaleszczyki, identifiziert.
mini|Die von den Sowjets gesprengte Eisenbahnbrücke in Zaleszczyki. Über den weiteren Verlauf der Ereignisse existieren widersprüchliche Darstellungen. Einer Version zufolge brachten die Sowjets die Waggons auf die Eisenbahnbrücke über den Dnister und zündeten anschließend die darunter angebrachten Sprengladungen. Dadurch stürzten die Waggons zusammen mit der Brücke in den Fluss. Einer anderen Darstellung zufolge wurden die Waggons erst nach der Sprengung der Brücke mit Hilfe einer Lokomotive in den Fluss geschoben.
Eine weitere Version berichtet, dass einige Waggons zusammen mit der Brücke gesprengt wurden, während andere zusammen mit angehängten Kesselwagen voller Benzin in den Fluss gestoßen wurden. Dies soll dazu geführt haben, dass der Dnister „über seine gesamte Breite in Flammen stand“.Ksenya Kiebuzinski, Alexander Motyl: The Great West Ukrainian Prison Massacre of 1941. A Sourcebook. Amsterdam: Amsterdam University Press, 2017, S. 61Józef Juzwa, Karol Zieliński. Nieznany szlak kuriersko-przerzutowy w Zaleszczykach 1939/1940 r. „Głosy Podolan”. 2010, S. 14
Keiner der Gefangenen überlebte das Massaker. Die Zahl der Opfer ist bis heute unbekannt. Einer der Zeugen berichtete, dass nach dem Einmarsch der mit den Deutschen verbündeten ungarischen Truppen in Zaleszczyki aus dem Dnister mehr als 300 Leichen geborgen wurden.
Nachwirkungen Die geborgenen Leichen wurden auf dem Friedhof von Zaleszczyki bestattet.
Nach dem Rückzug der Sowjets veranstalteten örtliche Ukrainer mit Unterstützung der Deutschen in Zaleszczyki ein Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Im nahegelegenen Hinkowce wurde ein Teil der jüdischen Opfer im Dnister ertränkt.
Während der Sowjetherrschaft war ein Gedenken an das Verbrechen des NKWD nicht möglich. Die offizielle Darstellung lautete, dass die Deutschen beim Rückzug aus diesem Gebiet im Jahr 1944 die Brücke zusammen mit den Gefangenen gesprengt hätten. Erst nach dem Zerfall der Sowjetunion und der Entstehung der unabhängigen Ukraine wurde in der Nähe der Eisenbahnbrücke von Zaleszczyki ein Gedenkkreuz errichtet.Witold Mędykowski: W cieniu gigantów. Pogromy 1941 r. w byłej sowieckiej strefie okupacyjnej. Jerozolima: 2018, S. 172, 273
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Einzelnachweise
Kategorie:Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg Kategorie:NKWD Kategorie:Geschichte (Oblast Ternopil) Kategorie:Kriminalfall 1941