mini|Die Niederlage der Spanischen Armada 1588 mini|Die Schlacht zwischen der Spanischen Armada und der englischen Flotte (Gemälde der Englischen Schule, 16. Jahrhundert)

Die Spanische Armada (kurz: Armada) war die Kriegsflotte unter dem Befehl des Herzogs von Medina-Sidonia, die König Philipp II. von Spanien im Sommer 1588 aussandte, um England zu erobern und dessen Königin Elisabeth I. zu stürzen. Ihr stand die englische Flotte unter Charles Howard und den Vizeadmiralen Francis Drake, John Hawkins und Martin Frobisher gegenüber.

Zwischen dem 31. Juli und dem 8. August 1588 trafen beide Flotten im Ärmelkanal mehrfach aufeinander. Letztlich siegten die Engländer, die über modernere, manövrierfähigere Galeonen und weiterreichende Kanonen verfügten. Der Armada gelang es nicht, die in den Spanischen Niederlanden stehenden Invasionstruppen des Herzogs von Parma aufzunehmen und in England zu landen. Bei der aufgrund widriger Winde notwendigen Rückfahrt rund um die britischen Inseln wurde ein Großteil der verbliebenen Flotte durch Stürme zerstreut und zerstört. Die Niederlage der Armada gilt als Beginn des Niedergangs Spaniens und des Aufstiegs Englands als Seemacht.

Begriff Das Wort armada (von lateinisch armatus/-a/-um, „bewaffnet“) bedeutet im Spanischen „bewaffnet“, „gerüstet“ oder „gepanzert“ und wurde im Mittelalter für gepanzerte Belagerungsmaschinen, Türme oder Burgen, Schiffe, Formationen gepanzerter Kämpfer oder eine bewaffnete Macht im Allgemeinen verwendet. Durch die programmatische Bezeichnung der spanischen Kriegsflotte als Armada Invencible („unbesiegbare Streitmacht“) durch Philipp II. verengte sich die Bedeutung des Begriffs im späten 16. Jahrhundert auf „Kriegsflotte“. Heute bedeutet „Armada“ im Spanischen Kriegsmarine. Für die Flotte von 1588 wurde die propagandistische Bezeichnung Grande y Felicísima Armada (etwa „große und vom Kriegsglück reich beschenkte Kampfflotte“) gewählt. Im Deutschen und in vielen anderen Sprachen wurde die „Spanische Armada“ zum feststehenden Begriff.

Vorgeschichte Die Auseinandersetzung zwischen England und Spanien hatte verschiedene Ursachen. In der sich im Laufe des 16. Jahrhunderts abzeichnenden Auseinandersetzung ging es in erster Linie um den Kampf des alten, feudalen, absolutistischen und religiös intoleranten Spanien mit den vom aufstrebenden Bürgertum mit ersten demokratischen Ansätzen regierten Staaten. Der in England und den Niederlanden sich entwickelnde Kapitalismus ging einher mit größeren Rechten für das Bürgertum. Spanien und mit ihm der Feudalismus stand auf der Höhe seiner Macht. Der sich entwickelnde Kapitalismus in England jedoch sollte zeigen, dass er die leistungsfähigere Wirtschaftsform war. Hinzu kamen insbesondere auf spanischer Seite auch religiöse Erwägungen mit dem Anspruch der alleinseligmachenden katholischen Kirche, aber auch persönliche Abneigungen der Herrscherhäuser. Insbesondere England hatte sich von der katholischen Kirche und Teilen ihrer Lehre losgesagt und man praktizierte erstmals Ansätze einer Religionsfreiheit, wie sie im streng katholischen Spanien undenkbar war.

In Spanien und Portugal hatten sich Ende des 15. Jahrhunderts starke Königreiche herausgebildet, die leistungsfähige Flotten unterhalten konnten. Das östliche Mittelmeer kontrollierten die erstarkten Osmanen. Sie sahen sich als die Erben des byzantinischen Reiches an und strebten nach einem Reich, welches das gesamte Mittelmeer umfassen sollte, ähnlich dem antiken römischen Reich. Die alten Handelsrouten in den Osten kamen unter ihre Kontrolle und weitgehend zum Erliegen. Die sich in Nordafrika herausbildenden Barbareskenstaaten gefährdeten zusätzlich die alten Handelsrouten in den Osten nachhaltig, so dass die neuen Reiche des Westens sich andere Wege suchen mussten. Portugal suchte und fand den Weg nach China und Indien im Osten um Afrika herum, Spanien suchte den Weg nach Westen und fand auf diesem Weg Amerika wieder, welches es in den folgenden Jahrhunderten ausplünderte und mit dessen Gold- und Silber es seine Flotte und seine Armee finanzierte und so zur größten See- und Landmacht Europas aufstieg.

Frankreich war durch die Hugenottenkriege innerlich zerstritten und konnte deshalb keine Gelder für eine größere Flotte zur Sicherung eigener Interessen mobilisieren, jedoch kam es immer wieder zur Ausrüstung von Schiffen für lukrative Piraterieunternehmungen. Dem Heiligen Römischen Reich waren trotz seiner Größe durch die Kleinstaaterei die Hände gebunden. Die einzelnen Fürsten konnten sich keine Flotte leisten; auch lagen die größeren Fürstentümer nicht am Meer. Den halbherzigen ersten Versuchen Brandenburgs, des späteren Preußens, war kein Erfolg beschieden, da sich die wenigen Kriegsschiffe Brandenburgs nicht mit den Flotten anderer Staaten messen konnten. Sie dienten eher als Begleitschiffe zum Schutz von Konvois oder von Walfängerflotten vor muslimischen Korsaren und französischen Kaperern. Der deutsche Kaiser Karl V., der Vater Philipps II. von Spanien, war als Karl I. auch König von Spanien. Er unterhielt zwar eine schlagkräftige Galeerenflotte im eher ruhigen Mittelmeer, meinte aber, auch keine deutsche Hochseeflotte aufbauen zu müssen, da ihm die spanische und niederländische Flotte (die Niederlande waren zu der Zeit noch unter spanischer Herrschaft) ebenfalls zu Diensten stand. Mit der Trennung der Königshäuser von Spanien und dem der österreichischen Habsburger verlor das Heilige Römische Reich alle atlantiktauglichen Schiffe, es besaß aber auch keinen Hafen mehr, in dem es diese stationieren konnte. Die einzigen dazu fähigen freien Reichsstädte Bremen und Hamburg verweigerten sich dem Kaiser. Sie wollten keine Kriegsflotten in ihren Häfen, ihr Erfolg beim Handel beruhte nicht zuletzt auf ihrer strikten Neutralität gegenüber jeder ausländischen Macht, da es aufgrund der Schwäche des Deutschen Reiches durch seine Kleinstaaterei kein Druckmittel gab, um ihre Interessen militärisch durchzusetzen. Zudem hatten Teile des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation genug mit den aufstrebenden Osmanen zu tun und auch mit innerdeutschen Konflikten wie der Reformation. In England gab es neben Inlandskrisen auch noch Kriege mit Schottland. Die Großmacht Schweden suchte ihre Ziele im Osten und in Norddeutschland.

Die Welt außerhalb Europas hatte Papst Alexander VI. 1493 mit einer päpstlichen Bulle in zwei katholische Hälften geteilt. Der westliche Teil sollte Spanien, der östliche Portugal gehören, was diese am 7. Juni 1494 im Vertrag von Tordesillas regelten. Andere Länder waren vom Papst nicht berücksichtigt worden. Die Trennlinie verlief zweihundert Meilen westlich der Azoren und Kapverden vom Nord- zum Südpol. Nachdem Ferdinand Magellan die Erde umrundet hatte, wurde die Linie im Vertrag von Saragossa auf die pazifische Seite erweitert. Da die Ostausdehnung Südamerikas zumindest den Spaniern damals noch nicht allgemein bekannt war, verlief eine etwas modifizierte, neue Trennlinie durch Südamerika, was es Portugal erlaubte, dort Siedlungen zu gründen. Aus ihnen entstand später der einzige Portugiesisch sprechende Staat Lateinamerikas: Brasilien.

Das englische Bürgertum war jedoch im Aufstreben, und England erstarkte nach der Überwindung innerer und äußerer Zwistigkeiten im Laufe des 16. Jahrhunderts zunehmend. Mitte des 16. Jahrhunderts entdeckten die Engländer den Fischreichtum Neufundlands und wilderten somit in vom Papst Spanien und auch Portugal zugeschriebenen Gewässern. Die Entscheidung des Papstes hatte jedoch wenig Einfluss, da der eigene regierende König (und nicht mehr der Papst) Oberhaupt ihrer anglikanischen Kirche war. Spanien protestierte, hatte aber keine Schiffe frei, welche die Engländer im für Spanien wirtschaftlich unwichtigen Norden Amerikas in die Schranken hätte weisen können. Die spanische Flotte wurde zur Bewachung der wichtigen Gold- und Silbertransporte gebraucht, weil diese von Piraten verschiedener Länder gezielt und recht erfolgreich überfallen wurden.

Als Engländer 1568 im Hafen von San Juan de Ulúa im Golf von Mexiko ihre Schiffe reparierten, wurden sie von einer starken spanischen Flotte überfallen, nur wenige entkamen nach England (Hauptartikel: San Juan de Ulúa). Das wird als Wendepunkt der bis dahin neutralen Beziehung zwischen England und Spanien angesehen, deren Annäherung 1554 sogar in der Heirat von Philipp II. mit Maria Tudor, von 1553 bis 1558 Königin von England und Irland, gegipfelt hatte. Aus dieser Verbindung ergab sich aber kein rechtmäßiger Nachwuchs und auch kein Einfluss Philipps II. auf die englische Politik. Die von ihm gewünschte Restauration der katholischen Kirche in England kam nicht zustande. Nach dem Tod von Maria Tudor im November 1558 bestieg ihre Halbschwester Elisabeth am 15. Januar 1559 den Thron. Sie unterstützte die gegen Spanien gerichtete Piraterie, wollte aber den offenen Krieg vermeiden. Zwischen 1569 und 1580 kam es zu inoffiziellen Feindseligkeiten zwischen England und Spanien im Karibischen Meer. Die Rivalität im Handel entwickelte sich durch die religiösen Zwistigkeiten und das Bekanntwerden von Misshandlungen britischer Gefangener bis hin zu deren Verbrennung als Ketzer durch die Spanier zur offenen Feindschaft.

1580 starb das portugiesische Königshaus aus und Portugal fiel an Spanien, wodurch Philipp II. als Philipp I. auch König von Portugal wurde. Er war mit der portugiesischen Erbprinzessin Maria von Portugal verheiratet gewesen, bis diese 1545 im Alter von 17 Jahren kurz nach der Geburt ihres Sohnes Don Carlos im Kindbett verstarb. Somit fiel ihm auch der portugiesische Teil der vom Papst geteilten Welt zu, welche er nun uneingeschränkt kolonisieren durfte und entsprechend der päpstlichen Bulle missionieren sollte. Frankreich war innenpolitisch weiterhin sehr zerstritten, jedoch erstarkte das Bürgertum in den Niederlanden und England. Die von Frankreich, England und den Niederlanden aus operierenden Piraten wurden zunehmend für Spanien zum Problem. Im Interesse dieser Staaten lag es, Spanien zu schwächen, um sich einen größeren Anteil an den Eroberungen, aber auch beim lukrativen Sklavenhandel zu sichern. Deshalb unterstützte England die Hugenotten in Frankreich und die Protestanten in den Niederlanden, welche sich aus der spanischen Abhängigkeit zu befreien versuchten.

Auf den Weltmeeren herrschte wirtschaftliche Konkurrenz. Die Angriffe und der Schmuggel englischer Freibeuter wie Francis Drake und John Hawkins in der Karibik oder die Weltumsegelung des Francis Drake (1577–1580) forderten die Spanier in ihren Kolonien heraus und brachten den Silberfluss aus dem bolivianischen Potosí nach Spanien ins Stocken. Am 4. April 1581 erhob Königin Elisabeth Drake an Bord seines Schiffes in den Ritterstand. Sie ließ ihn vor sich niederknien und übergab einem französischen Diplomaten das Schwert, mit dem dieser ihn zum Ritter schlug. Wahrscheinlich war das als Affront gegen den König von Spanien gedacht und sollte dazu beitragen, Spanien in einen Konflikt mit Frankreich zu verwickeln. Philipp II. hatte vorher in einer Protestnote gefordert, Drake an Spanien auszuliefern.

Ein weiterer Aspekt war die religiöse Komponente, die dem streng katholischen Philipp sehr am Herzen lag: Die protestantische Elisabeth unterstützte die Protestanten in Frankreich und den Niederlanden. So stand sie in Frankreich hinter Heinrich von Navarra, dem „König ohne Krone, der ohne Geld Krieg führt“, und stützte ihn gegen die katholische Gegenpartei des Herzogs von Guise, der wiederum von Spanien unterstützt wurde. In den Niederlanden unterstützte sie die Aufständischen (Geusen) und Wilhelm von Oranien gegen die spanische Besatzung.