mini|Ludolf Friedrich Adolf Freiherr von Boenen, späterer Graf von Westerholt und Gysenberg, um 1790 gemalt von Georg Oswald May Ludolf Friedrich Adolf Freiherr von Boenen zu Berge, genannt „der alte Boenen“, durch Heirat (1769) und kaiserliches Dekret (1779) Ludolf Friedrich Adolf Freiherr von Westerholt-Gysenberg, durch kurfürstliches Dekret (1790) Ludolf Friedrich Adolf Reichs- und Burggraf zu Westerholt und GysenbergWesterholt. I. Reichs- und Burggrafen zu Westerholt und Gysenberg. In: Genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser. Justus Perthes, 26. Band, Gotha 1853, S. 807 f. (Google Books) (* 29. Juli 1747 auf Schloss Berge in Buer, Vest Recklinghausen; † 1. April 1828 in Münster, Provinz WestfalenGerd Dethlefs: Die Ritterschaft des Fürstbistums Münster 1679–1802. In: Westfälische Zeitschrift, 158 (2008), S. 57 (PDF)), war ein fürstbischöflich münsterischer Geheimrat und Obriststallmeister sowie herzoglich arenbergischer Statthalter in Recklinghausen, Dülmen und Meppen.Peter Neu: Die Arenberger und das Arenberger Land. Das 19. Jahrhundert. Adelsleben, Besitz, Verwaltung. Verlag der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Koblenz 1989, S. 397

Leben Ludolf Friedrich Adolf war als Sohn von Wilhelm Ludolf von Boenen zu Berge (1669–1759) und dessen Gemahlin Anna Josina Juliana Catrina Johanna Theodora von der Reck (1723–1769) ein Spross des westfälischen Adelsgeschlechts Boenen. Nach dem Besuch des Pädagogiums Halle studierte er 1765/1766 an der Georg-August-Universität GöttingenGernot Uwe Gabel, Wolfgang Schmitz: Kölner Sammler und ihre Bücherkollektionen in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. Köln 2003, ISBN 978-3-931596-25-5, S. 23 und ging dann auf Reisen.

Am 6. Oktober 1769 nahm er durch Heirat mit der reichen Westerholter Erbin Wilhelmine Friderike Franziska Anna Freiin von und zu Westerholt und Gysenberg (1757–1820) den Adelsnamen seiner Ehefrau an. Außerdem bekannte er sich in diesem Zuge gemäß dem 1726 geschlossenen Westerholter Familienfideikommiss zum katholischen Glauben. Seine Namensänderung wurde am 27. Juli 1779 durch kaiserliches Dekret bestätigt.Anton Fahne: Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter in Stammtafeln, Wappen, Siegeln und Urkunden. Teil 1: Stammfolge und Wappenbuch (A–Z). Verlag von J. M. Heberle (Heinrich Lempertz), Köln/Bonn 1848, S. 197 (Google Books)Westerholt, Friedrich Ludolf Adolf von, Freiherrnstand, „Wohlgeboren“, Bewilligung den bisherigen Geschlechtsnamen Boenen auszulassen und den des ausgestorbenen Geschlechtes von Westerholt und Gyssenberg anzunehmen und die Wappen zu vereinigen, Datenblatt im Portal archivinformationssystem.at, abgerufen am 19. Juli 2026 Am 16. August 1790 erhob ihn Kurfürst und Reichsvikar Karl Theodor von Pfalz-Bayern in den Reichsgrafenstand.Westerholt-Gysenberg (Westerhold). In: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch. Band 2, 6. Teil: August von Grass, A. u. U. Bierbrauer zu Brennstein (Bearbeitung): Der Adel in Baden. Verlag von Bauer und Raspe (Emil Küster), Nürnberg 1878, S. 39 (Google Books)

1773 war er unter Franz von Fürstenberg zum fürstbischöflich münsterischen Obriststallmeister und Geheimen Rat avanciert.Marcus Weidner: Landadel in Münster 1600–1760. Stadtverfassung, Standesbehauptung und Fürstenhof (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster. Neue Folge, Band 18). Münster 2000, Teil 1, S. 471 Als solcher hatte er Wirkungskreise im Regierungskollegium des Hochstifts in MünsterHans Galen, Gerd Dethlefs: 1789. Wien – Münster – Paris am Vorabend der Revolution. Ausstellungskatalog, Stadtmuseum Münster, Münster 1989, ISBN 978-3-923166-31-2, S. 48 und am Hofe der Kurfürsten Maximilian Friedrich von Königsegg-RothenfelsVerein für Orts- und Heimatkunde Gelsenkirchen-Buer (Hrsg.): Beiträge zur Stadtgeschichte. Band 17 (1992), S. 225 und Maximilian Franz von Österreich in Bonn.

Prosper Ludwig von Arenberg ernannte ihn, nachdem ihm die Herrschaft über das im Februar 1803 durch Reichsdeputationshauptschluss an das Haus Arenberg gefallene Herzogtum Arenberg-Meppen am 14. August 1803 von seinem Vater Ludwig Engelbert übertragen worden war, am 3. Oktober 1804 zu seinem Statthalter.Arthur Kleinschmidt: Geschichte von Arenberg, Salm und Leyen 1789–1815. Gotha 1912, S. 30 f. (Digitalisat)Wilhelm Kohl, Helmut Richtering (Bearbeitung): Behörden der Übergangszeit 1802–1816 (= Das Staatsarchiv Münster und seine Bestände, Band 1). Münster 1964, S. 103 Als aufgrund von Art. 35 der Rheinbundakte, der Arenberg-Meppen zum militärischen Beistand in napoleonischen Kriegen verpflichtete, Herzog Prosper Ludwig mit seinen Truppen am Vierten Koalitionskrieg teilzunehmen gehalten war, erneuerte jener die Vollmachten Westerholts durch Reskript vom 3. November 1806. Das Jahresgehalt als Statthalter wurde auf 3000 Gulden festgesetzt. Auch wurde ihm in diesem Staatsamt sein jüngster Sohn an die Seite gestellt.Arthur Kleinschmidt: Geschichte von Arenberg, Salm und Leyen 1789–1815. Gotha 1912, S. 44 Am 28. Januar 1808 ließ Herzog Prosper Ludwig durch Westerholt den Code civil mit Wirkung vom 1. Juli in Kraft setzen und dadurch die Leibeigenschaft aufheben.Verordnung über die Einführung des Code Napoléon und Aufhebung der Leibeigenschaft vom 28. Januar 1808. In: Ludwig Bödiker: Sammlung der Gesetze, Verordnungen, Rescripte u.s.w. des vormaligen Bisthums Münster und des jetzigen Herzogthums Arenberg-Meppen bis 1810 einschließlich. Hannover 1855, S. 303 f. (Google Books) Bis zur Annexion des Herzogtums Arenberg-Meppen durch das Kaiserreich Frankreich und das Großherzogtum Berg im Jahr 1811 leitete er als Statthalter die Landesverwaltung in der Engelsburg Recklinghausen.Vest Recklinghausen (Essay), Webseite im Portal dorsten-lexikon.de, abgerufen am 19. Juli 2026 Dabei war er zuletzt mit dem Problem konfrontiert, dass Herzog Prosper Ludwig weit entfernt für Frankreich im Spanischen Krieg focht. Am 23. Februar 1811 übergab Westerholt dem kaiserlich-französischen Kommissar Théobald Bacher die Regierung.Arthur Kleinschmidt: Geschichte von Arenberg, Salm und Leyen 1789–1815. Gotha 1912, S. 70

Nach dieser Tätigkeit zog er sich ins Privatleben zurück, das er auf Schloss Berge und im Westerholtschen Hof in Münster verbrachte, einem Bestandteil des Westerholtschen Familienfideikommisses, den er 1773 übernommen hatte.Marcus Weidner: Landadel in Münster 1600–1760. Stadtverfassung, Standesbehauptung und Fürstenhof (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster. Neue Folge, Band 18). Münster 2000, S. 1044 (PDF) In Münster gehörte er der Freimaurerloge „Friedrich zu den drei Balken“ an, einer Loge der Strikten Observanz.Theodor Förster: Geschichte der Loge „Zu den drei Balken“ in Münster i. W. mit kulturgeschichtlichen Zeitbildern der deutschen Freimaurerei von 1778 bis 1902. Ernst Siegfried Mittler & Sohn, Berlin 1902, S. 33 (Google Books) Von 1778 bis 1788 saß er ihr als Meister vom Stuhl vor, ehe er sich von ihr zurückzog. Später belebte er dort sein Engagement wieder. Zusammen mit seiner Frau besaß er auf Schloss Berge eine große Bibliothek, sein kulturelles Interesse galt auch dem Theater.Gitta Böth: Johann Ignaz Franz Maria von Landsberg-Velen (1788–1863). Ein adeliger Unternehmer im bürgerlichen Zeitalter. Waxmann Verlag, Münster 2009, ISBN 978-3-8309-2207-0, S. 57 (Google Books)Theater-Journal für Deutschland. 6, 1778, S. 43 f.

Nachkommen Aus Ehe Ludolf Friedrich Adolfs mit Wilhelmine Friderike Franziska Anna Freiin von und zu Westerholt und Gysenberg gingen mehrere Kinder hervor, unter ihnen Maximilian Friedrich Wilhelm von Westerholt und Gysenberg (1772–1854, ⚭ Friederike von Bretzenheim, Tochter des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz-Bayern) Karl Theodor (1799–1850) Maria Anna (1802–1852, ⚭ Karl von Leiningen) Friedrich Ludolf Gustav (1804–1869, ⚭ Johanna Cornelia Charlé) Wilhelm Achill (1806–1854, Domherr in Münster) Karoline Annunciata (1810–1865, ⚭ Arthur von Oertzen, Gutsherr auf Kahren im Kreis Cottbus) Maria Anna Wilhelmina Adolphina von Westerholt und Gysenberg (1775–1852, ⚭ Friedrich Clemens von Elverfeldt genannt Beverförde zu Werries) Carl Adolph Maria von Elverfeldt genannt Beverförde zu Werries (1795–1863) Friedrich August von Elverfeld genannt von Beverförde-Werries (1796–1864) Max Friedrich von Elverfeldt genannt von Beverförde-Werries (1798–1874) Wilhelm von Elverfeldt genannt von Beverförde-Werries (1799–1863) Wilhelmina Gisberta (1801–1876) Wilhelm Ludwig Joseph von und zu Westerholt und Gysenberg (1782–1852, ⚭ Martha Charlotte von Fürstenberg) Friedrich Otto (1814–1904) Luise von und zu Westerholt und Gysenberg (1797–1866, ⚭ Ignaz von Landsberg-Velen und Gemen) Friedrich von Landsberg-Velen und Gemen (1815–1898)

Literatur Herjo Frin: Von Westerholt. Ein Adelsgeschlecht der Vestischen Ritterschaft. Genealogische Aufstellung der ersten zwanzig Generationen. In: Vestische Zeitschrift Band 82/83 (1983/1984), S. 243–326. Hans Udo Thormann: Franken und Franzosen im Vest 1773 bis 1813. Einflüsse und Einmärsche, Einwanderung und Einverleibung. Bottrop 2010, ISBN 978-3-89355-262-7, S. 139.

Weblinks Westerholt-Gysenberg, von, Ludolf-Friedrich, Personendatenblatt im Portal lwl.org Westerholt-Gysenberg, Ludolf Friedrich Adolf von, Personendatenblatt im Portal leo-bw.de Ludolf Friedrich Adolf von Boenen, genealogisches Datenblatt im Portal gw.geneanet.org Ludolf Friedrich Adolf (Boenen) von Westerholt und Gysenberg, genealogisches Datenblatt im Portal genealogieonline.nl

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