mini|Kenneth und Mamie Clark (1958) Mamie Phipps Clark (* 18. April 1917 in Hot Springs; † 11. August 1983 in Hastings-on-Hudson) war eine afroamerikanische US-amerikanische pädagogische Psychologin und Sozialpsychologin und Kämpferin gegen die Rassentrennung in den USA.Kenneth B. Clark and Mamie Phipps Clark auf Columbia University, abgerufen am 18. Juli 2026.Mamie Phipps Clark (1917–1983) auf womenshistory.org, abgerufen am 18. Juli 2026.
Leben Ihr Vater war der Arzt Harold H. Phipps, ein damals seltener Beruf für einen Afroamerikaner. Ihre Mutter war Kate Florence Phipps, die sie und ihren jüngeren Bruder zu Hause betreute. In Arkansas besuchte sie eine nach Rassen getrennte Grundschule und erlebte die Gewalt des Rassismus. 1934 schloss sie die High School ab und erhielt mehrere Stipendienangebote von traditionell afroamerikanischen Hochschulen (HBCUs). Trotz der hohen Kosten eines Studiums, die durch die Weltwirtschaftskrise und die begrenzten Studienmöglichkeiten für Afroamerikaner noch verschärft wurden, waren ihre Eltern fest entschlossen, dass sie einen Hochschulabschluss erlangen sollte. Dank eines Leistungsstipendiums begann sie an der Howard University in Washington, D.C. zu studieren. Ursprünglich studierte sie Mathematik und Physik, um Lehrerin zu werden. Dort lernte sie den Psychologiestudenten Kenneth Clark kennen, er stellte ihr die Professoren des Fachbereichs Psychologie vor und ermutigte sie, Psychologie zu studieren. Obwohl sie wusste, dass sie als afroamerikanische Frau in diesem Bereich Schwierigkeiten haben würde, eine Anstellung zu finden, studierte sie Psychologie und schloss ihr Studium 1938 mit einem B.A. und mit Auszeichnung ab. Nach ihrem Bachelor-Abschluss und dem Beginn ihres Masterstudiums in Psychologie an der Howard University arbeitete sie als Sekretärin für Charles Hamilton Houston, einem Anwalt der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP), dessen Kanzlei als juristisches Zentrum für die Bekämpfung der Rassentrennung im ganzen Land diente. Ihren M.A. erwarb sie 1939, ihre Masterarbeit hatte den Titel „The Development of Consciousness in Negro Pre-School Children“; dabei untersuchte sie 150 afroamerikanische Jungen und Mädchen im Vorschulalter aus einem Kindergarten in Washington, D.C., um Fragen der Rasse und der kindlichen Entwicklung zu erforschen. Insbesondere wollte sie herausfinden, in welchem Alter afroamerikanische Kinder sich ihrer afroamerikanischen Herkunft bewusst werden. 1940 begann sie ihr Promotionsstudium in Psychologie an der Columbia University. 1943 promovierte sie als zweite Afroamerikanerin (nach ihrem Mann) in der Geschichte der Universität zum Ph.D. Ihr Doktorvater war Henry E. Garrett, ein Psychologe, der sich für die Beibehaltung der Rassentrennung ausgesprochen hatte.
Nach ihrem Studienabschluss arbeitete sie als Analystin bei der American Public Health Association und anschließend als Forschungspsychologin am U.S. Armed Forces Institute. Danach wurde sie Testpsychologin im Riverdale Home for Children, einem Heim für obdachlose Mädchen. Um mehr Unterstützung und Ressourcen für die von ihr betreuten Kinder und Jugendlichen zu erhalten, gründete sie mit ihrem Mann 1946 das Northside Center for Child Development. Es war die erste und einzige Einrichtung in der New York, die psychologische Betreuung für afroamerikanische Kinder anbot, darunter psychologische Tests oder psychiatrische, soziale und schulische Leistungen. Dieses entwickelte sich zu einem Zentrum für Aktivismus und Interessenvertretung in Harlem und für seine Bewohner. Sie leitete das Northside Center bis zu ihrer Pensionierung 1979.
Werk Aufbauend auf ihre Doktorarbeit entwickelte und implementierte sie in den 1940er Jahren den „Puppentest“ (The Doll Test). Dabei untersuchten sie und ihr Mann 253 afroamerikanische Kinder im Alter von drei bis sieben Jahren (134 besuchten segregierte Kindergärten in Arkansas und 119 integrierte Schulen in Massachusetts). Den Kindern wurden vier Puppen gezeigt (zwei mit weißer Haut und blonden Haaren, zwei mit brauner Haut und schwarzen Haaren). Sie sollten die Hautfarbe der Puppe bestimmen und angeben, mit welcher sie spielen wollten. Die überwiegende Mehrheit der Kinder wollte mit der weißen Puppe spielen und schrieb ihr positive Eigenschaften zu. Aus der Studie wurde geschlussfolgert, dass afroamerikanische Kinder bis zum dritten Lebensjahr eine ethnische Identität entwickeln und dieser negative Eigenschaften zuschreiben, die dann durch Segregation und Vorurteile weiter verfestigt werden. Die Studie belegte tiefsitzende Minderwertigkeitskomplexe und einen verinnerlichten Rassismus als Folge der Rassentrennung. Gemeinsam mit dem Legal Defense Fund der National Association for the Advancement of Colored People (NAACP) trugen ihre Studien zu den Auswirkungen von Rassismus auf die Identität und das Selbstwertgefühl von Schulkindern maßgeblich zu dem wegweisenden Urteil des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten im Fall Brown v. Board of Education bei, das die Rassentrennung an öffentlichen Schulen für verfassungswidrig erklärte.
Ehrungen/Positionen Mamie Phipps Clark Diversity Research Grant von Psy Chi (International Honor Society in Psychology)Mamie Phipps Clark Diversity Research Grant auf Psy Chi, abgerufen am 18. Juli 2026. Legacy Honoree der American Academy of Arts and SciencesMamie Phipps Clark (1917–1983) Social psychologist auf American Academy of Arts and Sciences, abgerufen am 18. Juli 2026. Mitglied im Kuratorium des Teachers College der Columbia University Mitglied im Kuratorium des Mount Sinai Medical Center Mitglied im Kuratorium der New York Mission Society Mitglied im Kuratorium der New York Public Library Mitglied im Kuratorium des Phelps Stokes Fund Mitglied im Kuratorium des Museum of Modern Art Mitglied im Kuratorium der American Broadcasting Company (ABC) 1966: Verleihung der Nicholas Murray Butler Silbermedaille durch die Columbia University 1940, 1941, 1942: Julius-Rosenwald-Stipendien zur Förderung und Unterstützung der Leistungen von Afroamerikanern
mini|Kenneth and Mamie Clark mit ihren Kindern (1958) Privates Sie war verheiratet mit Kenneth Clark (1914–2005), den sie in ihrer Zeit als Doktorandin an der Howard University in Washington, D.C. kennengelernt hatte; aus der Ehe stammten zwei Kinder. Während ihrer Promotion zog sie auch ihre und Kenneths Tochter Kate groß, während Kenneth Forschungsreisen unternahm.1943 wurde Hilton, das zweite Kind des Paares, während ihrer Zeit an der Columbia University geboren. Sie starb im Alter von 66 Jahren an Lungenkrebs.
Publikationen (Auswahl) Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Kenneth Clark: Racial Identification and Preference in Negro Children. In: Theodore M. Newcomb, E. L. Hartley (Hrsg.): Readings in social psychology. Holt, Rinehart & Winston, New York 1947, S. 602–611 (de.scribd.com). Mit Kenneth B. Clark: Skin color as a factor in racial identification of Negro preschool children. In: J. Soc. Psych. 1940, 11, S. 159–169. Segregation as a factor in the racial Identification of negro preschool children: A Preliminary Report. In: J. Exper. Educ. 9, 1939, S. 161–163. The development of conscience of self and the emergence of racial identification in negro. In: J. Soc. Psych. 10, 1939, S. 591–599.
Weblinks
Black History Month: Fulfilling Black Children’s Lives – Dr. Mamie Phipps Clark. In: The British Psychological Society, 2020. A Revealing Experiment: Brown v. Board and ‘The Doll Test’. Auf: NAACP Legal Defense and Education Fund, abgerufen am 18. Juli 2026. Kenneth and Mamie Clark Doll. Auf: National Park Service, abgerufen am 18. Juli 2026. Stephan N. Butler: Mamie Katherine Phipps Clark (1917–1983). Auf: Encyclopedia of Arkansas, 2021, abgerufen am 18. Juli 2026. Bayan Atari: Mamie Phipps Clark: The Pioneering Psychologist Behind the Famed “Dolls Test”. Auf Howard University vom 10. März 2022, abgerufen am 18. Juli 2026. What a Woman Ought to Be: The Legacy of Dr. Mamie Phipps Clark auf kennethclark.commons, abgerufen am 18. Juli 2026. Black History Month Spotlight: Dr. Mamie Phipps Clark auf YouTube, abgerufen am 25. Juli 2026. The Shocking Doll Test That Changed America. Mamie Phipps Clark auf YouTube, abgerufen am 25. Juli 2026.
Literatur Lynnette Mawhinney: Mamie Phipps Clark, Champion for Children (Extraordinary Women in Psychology). American Psychological Association, Washington, DC 2024, ISBN 978-1-4338-3048-8. Amanda Nkeramihigo; Danielle Alexandra; Danielle Alexandra Christie; Desiree Salis; Alexandra Rutherford: Mamie Phipps Clark. In: Dana S. Dunn (Hrsg.): Psychology. Oxford University Press, New York 2023. Tim Spofford: Dr. Mamie Phipps Clark: Hot Springs Heldin lange übersehen. In: The Record, 2023, 6.1–6.12. Goodfriend Wind; Amber L. Garcia; Meara M. Habashi: Dr. Mamie Phipps Clark: Erste afroamerikanische Frau mit einem Doktortitel in Psychologie von der Columbia University. In: Jon E. Grahe; Michelle L. Ceynar; Rihana Shiri Mason (Hrsg.): Frühe psychologische Forschungsbeiträge von Frauen of Color. Routledge, New York 2023. Andrea Harris Smith: Being the only one leaves a mark: a Black mother on the long shadow of school segregation. In: The Guardian vom 21. Februar 2023 (theguardian.com abgerufen am 18. Juli 2026). Loretta N. McGregor: Mamie Katherine Phipps Clark (1917–1983): Amerikanische Psychologin und gebürtige Arkansaserin. In: Cherisse Jones-Branch; Gary T. Edwards (Hrsg.): Arkansas Women: Their Lives and Times. University of Georgia Press, Athens 2018. Shirley Abbott: Mamie Phipps Clark, eine Frau aus Hot Springs, die ‚alle Widrigkeiten überwand‘. In: The Record. 47, 2006, S. 15–22. S. Lal: Giving children security: Mamie Phipps Clark and the racialization of child psychology. In: American Psychologist. 57 (1), 2002, S, 20–28. Gerald Markowitz; Rosner David: Kinder, Rasse und Macht: Kenneth und Mamie Clarks Northside Center. University Press of Virginia, Charlottesville 1996.
Einzelnachweise
Kategorie:Sozialpsychologe Kategorie:Pädagogischer Psychologe Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren 1917 Kategorie:Gestorben 1983 Kategorie:Frau