mini|hochkant|Anne-Louis-Henri de La Fare mini|hochkant|Kardinalswappen Anne-Louis-Henri de La Fare (* 8. September 1752 in Bessay, Poitou; † 10. Dezember 1829 in Paris) war ein französischer Kardinal der Römisch-katholischen Kirche, Bischof von Nancy und Erzbischof von Sens und Auxerre.

Leben Herkunft und Ausbildung Anne-Louis-Henri de La Fare entstammte einer alten Adelsfamilie. Sein Vater Joseph-Louis-Dominique de La Fare war früher Kavallerieoffizier; seine Mutter war Gabrielle Gazeau de Champagné. Er war ein entfernter Verwandter des Kardinals François-Joachim de Pierre de Bernis.

Unter der Leitung seines Hauslehrers absolvierte er Studien am Collège d’Harcourt in Paris, wo er unter anderem mit Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord zusammen studierte. Nach dem Besuch des Priesterseminars St. Sulpice setzte er seine Studien am Collège royal de Navarre fort. 1778 erwarb er das Lizenziat und 1783 das Doktorat der Theologie an der Universität Paris. Er empfing am 21. September 1776 die Priesterweihe und wurde zwei Jahre später, im Alter von 26 Jahren, mit Unterstützung des Kardinals de Bernis zum Generalvikar des Bischofs von Dijon, Jacques-Joseph-François de Vogüé, ernannt, ebenfalls einem entfernten Verwandten.

Nacheinander war er Dekan der Sainte-Chapelle in Dijon, Vizekanzler der Akademie von Dijon, Generaldeputierter der Provinz Burgund (1784–1787) und Mitglied der Assemblée des notables.

Bischof von Nancy Am 7. Oktober 1787 wurde er zum Bischof von Nancy ernannt; Pius VI. bestätigte seine Ernennung am 17. Dezember 1787. Die Bischofsweihe empfing er am 13. Januar 1788 durch Bischof René des Monstiers de Mérinville.

Als Bischof von Nancy wurde er als Deputierter des Klerus des Bailliage von Nancy für die Generalstände von 1789 gewählt. Von Ludwig XVI. designiert, hielt er die Predigt bei der Eröffnungsmesse. Er war auch der Initiator des Entwurfs einer Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte des 6. Büros der Versammlung, der als Diskussionsgrundlage für die Ausarbeitung der Erklärung von 1789 diente. Anfangs gemäßigt, lehnte er schließlich die meisten von einem großen Teil der Versammlung geforderten Reformen ab und trat entschieden gegen die Zivilverfassung des Klerus auf. 1789 veröffentlichte er ein Werk mit dem Titel Considérations politiques sur les biens temporels du clergé.

Nachdem die Zivilverfassung des Klerus verabschiedet worden war, bereitete er sein Bistum auf die bevorstehende Kraftprobe vor, entzog sich jedoch dem Druck, der auf ihn ausgeübt werden sollte, indem er Frankreich Anfang Januar 1791 verließ. Er flüchtete zunächst nach Trier, zum Fürstbischof-Kurfürsten Clemens Wenzeslaus von Sachsen (einem Onkel Ludwigs XVI.), von wo aus er gemeinsam mit dem gesamten lothringischen Episkopat den Widerstand gegen die Zivilverfassung in seinem Bistum organisierte. Er hielt sich auch in Bayern auf, wo es ihm gelang, einen Teil seines emigrierten Klerus unterzubringen, bevor er nach Wien ging, wo er von Ende 1792 bis 1814 blieb.

1795 ernannte ihn der Graf von Provence (der spätere König Ludwig XVIII.) zu seinem Geschäftsträger und vertraute ihm die Leitung seiner Interessen am Wiener Hof an.

Als Pius VII. durch das Breve Tam Multa von den legitimen Bischöfen verlangte, ihm ihren Rücktritt zu überreichen, verweigerte La Fare die Demission, erlaubte aber seinen Diözesanen, sich Antoine Eustache d’Osmond, dem neuen Bischof von Nancy, anzuschließen. Er enthielt sich fortan jeder pastoralen Tätigkeit, bis er im September 1814 nach Frankreich zurückkehrte. Am 17. Januar 1815 beteiligte er sich als Zeuge an der Exhumierung der Leichname Ludwigs XVI. und Marie-Antoinettes. Am 8. November 1816 legte er das Amt des Bischofs von Nancy nieder.

Erzbischof von Sens und Kardinal Am 1. Oktober 1817 wurde er zum Erzbischof von Sens und Auxerre ernannt; am 31. Oktober 1817 erfolgte die Amtseinführung. 1822 wurde er zum Pair de France erhoben. Im Konsistorium vom 16. Mai 1823 ernannte ihn Pius VII. zum Kardinalpriester mit der Titelkirche Santa Maria in Traspontina. Am 29. Mai 1825 hielt er anlässlich der Krönung Karls X. in der Kathedrale von Reims eine Ansprache. Er nahm am Konklave 1823, aus dem Leo XII. hervorging, sowie am Konklave 1829, aus dem Pius VIII. hervorging, teil.

Anne-Louis-Henri de La Fare starb am 10. Dezember 1829 im Palais des Tuileries in Paris. Nach der Trauerfeier am folgenden Tag in der Kirche St-Germain-l’Auxerrois, gehalten von Hyacinthe-Louis de Quélen, dem Erzbischof von Paris, wurde sein Leichnam noch am selben Tag nach Sens überführt und in der Krypta der Kathedrale Saint-Étienne beigesetzt.

Literatur Bernard de Brye: Un évêque d’Ancien Régime à l’épreuve de la Révolution, le cardinal Anne Louis Henri de La Fare, évêque de Nancy (1752–1829). Publications de la Sorbonne, Paris 1985. Bernard de Brye: Consciences épiscopales en exil (1789–1814), à travers la correspondance de Mgr de La Fare, évêque de Nancy. Éditions du Cerf, Paris 2005.

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