mini|Musée Girodet, Montargis (2019) Das Musée Girodet ist ein Kunstmuseum in der französischen Stadt Montargis im Département Loiret. Es ist im ehemaligen Hôtel Durzy untergebracht und nach dem dort geborenen klassizistischen Maler Anne-Louis Girodet-Trioson benannt. Das Museum trägt das Label Musée de France.

Geschichte Das Museum wurde 1853 als Musée d’art et d’histoire in einem Flügel des städtischen Theaters von Montargis gegründet und bezog zu Beginn der 1860er Jahre das Hôtel Durzy. Dort teilte es sich die Räumlichkeiten zunächst mit einer Berufsschule und einer Bibliothek. Das Hôtel Durzy selbst wurde ab 1855 eigens für die testamentarisch verfügte Durzy-Stiftung errichtet. Das Museum bezog das Gebäude ab 1861. Andere Quellen nennen das Jahr 1863 für den Umzug des Museums bzw. die Einrichtung der Stiftung. Die genaue Jahresangabe ist somit in den verfügbaren Quellen nicht einheitlich belegt. Namensgeber des Gebäudes ist Philippe-François Durzy (1764–1851). Er war ein aus Montargis stammender Offizier, der sein Vermögen für die Gründung einer nach ihm benannten Einrichtung bzw. Stiftung in Montargis vermachte. Aus diesem Erbe wurde 1867 zunächst eine Berufsschule für Mädchen im Hôtel Durzy eingerichtet, die 1910 in ein neues Gebäude in der Avenue Gaillardin umzog. Nach dem Auszug der Berufsschule im Jahr 1884 wurden die frei gewordenen Räume von städtischen Diensten genutzt, ohne dass der Museumsbetrieb dadurch infrage gestellt wurde. Das Museum gewann in der Folge an Bedeutung und erhielt anlässlich des 200. Geburtstags Girodets im Jahr 1967 dessen Namen. Nach dem Auszug der städtischen Verwaltung im Jahr 1988 nutzt das Museum das gesamte Gebäude mit Ausnahme des weiterhin vom Rathaus verwalteten Trausaals. Seit 2002 trägt das Museum das Label Musée de France.

Zwischen 2008 und 2018 wurde eine umfassende Sanierung der Gebäude durchgeführt, um dem Platzmangel in den Ausstellungsräumen zu begegnen. Am 2. März 1977 wurde das Museum Opfer eines Kunstdiebstahls. Das dabei entwendete Gemälde Der Lautenspieler von Judith Leyster ist seitdem verschwunden. Beim Hochwasser im Jahr 2016 kam es zwischen dem 30. Mai und dem 1. Juni zu einem außergewöhnlichen Anstieg des Loing. Dabei drang Wasser in die Depoträume des Museums ein. Diese befanden sich im ehemaligen Tresorraum einer Bank, der eigentlich als wasserdicht galt. Der damalige Bürgermeister Jean-Pierre Door sprach von einer kulturellen Katastrophe, da ein Großteil der rund 3.000 Werke des Museums beschädigt wurde. An den anschließenden Restaurierungsarbeiten waren Restauratoren aus Orléans und Tours sowie vom Musée du quai Branly in Paris beteiligt.

Das Gebäude mini|Bronzestatue des Le chien de Montargis (1874) von Gustave Debrie (1842–1924), im Garten vor dem Musée Girodet in Montargis Das Museum ist im Hôtel Durzy untergebracht, einem im 19. Jahrhundert errichteten, klassizistisch geprägten Gebäude mit symmetrischer Fassadengestaltung im Zentrum von Montargis. Es wurde ursprünglich als Sitz der Durzy-Stiftung errichtet, bevor es zum Museumsbau umgewidmet wurde. Es liegt inmitten des seit 1862 bestehenden Parks Parc Durzy, in dem sich unter anderem die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Arcades de Lorris – ursprünglich Teil des Hôtel Tournemotte in Lorris – sowie eine 1870 von Gustave Debrie geschaffene Statue des Der Hund des Aubry (Le chien de Montargis) befinden.

Sammlung Kern der Sammlung sind Werke des Malers Anne-Louis Girodet-Trioson. Er wurde am 5. Januar 1767 in Montargis geboren, starb am 9. Dezember 1824 in Paris und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise bestattet. In den Quellen finden sich abweichende Angaben zu seinem Geburtsdatum: Die deutschsprachige Wikipedia und die Datenbank der Deutschen Nationalbibliothek (GND) nennen den 5. Januar 1767, die französisch- und englischsprachige Wikipedia sowie weitere Nachschlagewerke den 29. Januar 1767. Der Museumsbestand (Fonds Girodet) umfasst 27 Gemälde, darunter das Portrait de Mustapha, sowie mehrere hundert Zeichnungen, die den künstlerischen Werdegang Girodets von den Anfängen bis zur Anerkennung dokumentieren. Die Stadt Montargis erweitert den Bestand fortlaufend durch Ankäufe. Zuletzt wurden zwei weitere Gemälde Girodets erworben. Neben den Werken Girodets besitzt das Museum eine Sammlung älterer europäischer Malerei sowie Werke von Zeitgenossen Girodets. Dazu zählen Gemälde von Francisco de Zurbarán, Adriaen van Ostade, Frans Francken II., Ludovico Carracci, Francesco Solimena, Nicolas de Plattemontagne, Charles-Joseph Natoire und Claude Joseph Vernet. Die Epoche Girodets ist durch Werke von Malern wie Jacques-Louis David, Antoine-Jean Gros, Alexandre Antigna, François-Louis Dejuinne, Charles Gleyre und François Bonvin sowie durch Théodore Géricaults Stillleben Trois crânes vertreten.

Einen umfangreichen Bestand bilden zudem Skulpturen und Bronzen, darunter ein bedeutender Werkstattnachlass von Henri de Triqueti mit den Gipsmodellen für seine Skulpturen der königlichen Kapelle von Windsor, die im Auftrag von Königin Victoria entstanden. Henri de Triqueti (1803–1874) stammte aus Conflans-sur-Loing bei Montargis und wirkte als Berater bei der Gestaltung des Hôtel Durzy mit. Weitere vertretene Bildhauer sind Joseph Chinard, James Pradier, David d’Angers und Jean-Baptiste Carpeaux.

Literatur

Musée Girodet (Hrsg.): L’Hôtel Durzy, d’hier à aujourd’hui. Les parcours thématiques. Montargis, ohne Jahr (PDF; 1,2 MB). Marie Doucedame; Texte: Sidonie Lemeux-Fraitot: En coulisses. Dessiner les restaurations des sculptures du musée Girodet. Éditions Liénart, Paris 2024. Sidonie Lemeux-Fraitot: En détails. Les plus beaux tableaux du musée Girodet. Éditions Liénart, Paris 2024, ISBN 978-2-35906-444-5. Valérie Bajou, Olivier Feignier, Sidonie Lemeux-Fraitot: Delacroix et le duel romantique. Éditions Le Passage, Paris 2021. Bruno Chenique; Sidonie Lemeux-Fraitot (Hrsg.): Girodet face à Géricault ou la bataille romantique du Salon de 1819. Coédition Musée Girodet / Éditions Liénart, Montargis / Paris 2019. Anne-Marie du Boucher, Sidonie Lemeux-Fraitot: Le musée Girodet. Collections et chefs-d’œuvre (= Dossier de l’Art, Nr. 265). Éditions Faton, Dijon 2018. Bruno Chenique: Triqueti et l’avant-garde du régiment Géricault. Un tableau inédit de Théodore Géricault. Musée Girodet / Papier & Co, Montargis 2007. Richard Dagorne, Sidonie Lemeux-Fraitot: Girodet sous le regard de Dejuinne. Portrait du maître dans son atelier. Musée Girodet, Montargis 2006. Sidonie Lemeux-Fraitot (Hrsg.): Gros & Girodet. Chemins croisés. Éditions Liénart, Paris 2024.

Weblinks

Website des Museums La légende du chien de Montargis

Einzelnachweise

Girodet Girodet Kategorie:Montargis Kategorie:Museumsgründung 1853 Kategorie:Organisation (Département Loiret) Girodet Girodet