Peindre en Normandie (deutsch: Malerei in der Normandie) ist eine Kunstsammlung mit Werken von Malern, die in der Normandie ihre Motive fanden. Ein Schwerpunkt stellt die Landschaftsmalerei aus der Zeit von 1750 bis 1950 dar. Neben bekannten Künstlern wie Jean-Baptiste-Camille Corot, Gustave Courbet, Claude Monet und Édouard Vuillard, sind auch zahlreiche weniger bekannte Künstler aus dem Umfeld des Impressionismus in der Sammlung vertreten. Die gleichnamige Vereinigung und Trägerin der Sammlung, L’association Peindre en Normandie, entstand 1992 durch Beschluss des Regionalrats (Conseil régional) der Basse-Normandie und durch die finanzielle Unterstützung von Mäzenen und Sponsoren. Die kontinuierlich zusammengetragene Sammlung mit ihren inzwischen 187 Werken (Stand 2026)Informationen auf der Website von Peindre en Normandie ist im Museum Les Franciscaines Deauville deponiert, wird dort aber nicht dauerhaft ausgestellt. Teile der Sammlung waren wiederholt in kuratierten Wechselausstellungen im In- und Ausland zu sehen und einzelne Werke standen als Leihgabe anderen Museen zur Verfügung.
Geschichte Die Sammlung Peindre en Normandie geht auf die Initiative des Kunstliebhabers Paul-Louis Halley zurück, der als ehemaliger Präsident der Einzelhandelskette Promodès über die notwendigen finanziellen Mittel zum Aufbau der Sammlung verfügte. Er wurde dabei unterstützt von René Garrec, der als Präsident des Regionalrats (Conseil régional) der Basse-Normandie in der regionalen Politik und Gesellschaft gut vernetzt war. Zusammen wirkten sie an der Gründung der L’association Peindre en Normandie mit, die 1992 formal vom Conseil régional beschlossen wurde. Ziel war es, eine Kunstsammlung mit Werken von in der Normandie tätigen Künstlern aufzubauen.La collection « Peindre en Normandie » déménage au musée des Franciscaines à Deauville, Onlineartikel im Portal actu.fr vom 8. Januar 2021. Insbesondere sollten die Werke der Sammlung die Landschaft der Normandie darstellen.Informationen auf der Website von Peindre en Normandie
Mit dem Aufbau der Sammlung war vor allem deren wissenschaftlicher Leiter Alain Tapié betraut, der zudem ihr Direktor wurde.Informationen auf der Website von Peindre en Normandie Zuvor war er als Kurator am Musée des Beaux-Arts de Caen und am Musée des Beaux-Arts de Lille tätig. Präsident der Association Peindre en Normandie ist Jacques Belin. Zunächst war die Sammlung in der Abbaye aux Dames, dem Gebäude des Conseil régional (Regionalrat), in Caen deponiert, seit 2021 ist der neue Standort das Musée des Franciscaines in Deauville. Teile der Sammlung werden in unterschiedlich zusammengestellten Wechselausstellungen im In- und Ausland gezeigt, teilweise ergänzt durch Leihgaben anderer Museen. Zudem stellt die Sammlung einzelne Werke anderen Institutionen als Leihgabe zur Verfügung.
Kunstsammlung
Die Sammlung umfasst Werke von Künstlern, die die Landschaften der Normandie und den Alltag der dort lebenden Menschen als Motiv wählten. Dazu gehören vor allem Ansichten der Küste mit ihren Sandstränden und Steilküsten, Boote auf dem Wasser, Hafenmotive und Stadtansichten von Orten wie Fécamp, Étretat, Trouville, Dieppe, Port-en-Bessin, Honfleur und Le Havre. Weiterhin finden sich die Landschaften entlang der Seine mit den Orten Rouen und Vétheuil oder Caen mit der von Landwirtschaft geprägten Umgebung in den Gemälden wieder. Hinzu kommen einige Porträts, Genrebilder und Stillleben. Der zeitliche Rahmen spannt sich vom ausgehenden 18. Jahrhundert bis zur Mitte des 20. Jahrhundert.
Aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts finden sich in der Sammlung Werke von der Romantik bis zur Schule von Barbizon. Dazu gehören drei Bilder von Camille Corot, darunter das Motiv Honfleur, bateau en construction. Weiterhin gibt es das Pferdebildnis Le Cheval du plâtrier von Théodore Géricault, die Hafenansicht Port-en-Bessin von Théodore Gudin, das Küstenbild Soleil du soir sur les côtes de la Manche von Eugène Lepoittevin, die Strandszene Paysage maritime von Georges Michel, das Fischermotiv Retour de pêche à Villerville von Charles Mozin und das Bauernhofthema Ferme en Normandie von Eugène Isabey.
Um 1850 malte Paul Huet zwei Gemälde mit Motiven aus der Umgebung von Trouville, die in dunkler Farbgebung die raue Küstenregion zeigen. Mit einer Szene von Strandurlaubern im Gemälde La Baignade à Étretat zeigt Eugène Lepoittevin, wie Mitte des 19. Jahrhunderts die Küste der Normandie als Ort des Freizeitvergnügens an Bedeutung gewinnt. In den Jahren nach 1850 entstanden zudem eine Reihe von Strandszenen, wie die Darstellung der Meeresbrandung Marine, gros temps von Gustave Courbet, das Küstenmotiv Bord de mer à Sainte-Adresse von Johan Barthold Jongkind oder die Darstellung des bewegten Meeres Villerville-les-Graves, coup de soleil von Charles-François Daubigny. In dieser Zeit entstand ebenso die Hafenansicht Le Port de Fécamp von Jules Noël. Von dem aus Honfleur stammenden Louis-Alexandre Dubourg gibt es in der Sammlung eine Gruppe von Bildern, darunter Strandszenen und Genrestücken. Indirekt mit der Küste verbunden ist zudem das Stillleben mit Meeresfrüchten Huître et timbale von Théodule Ribot. Zudem gibt es in der Sammlung einige Stillleben von Guillaume Fouace.
Ein Schwerpunkt der Sammlung sind Werke des Impressionismus, wobei nur wenige Arbeiten der bekannten Künstler dieser Stilrichtung zur Sammlung gehören. So gibt es von Claude Monet die Ansicht der Steilküste Étretat und von Pierre-Auguste Renoir die Meeresstudie Sonnenuntergang. Umfangreicher ist der Bestand von Gemälden von Künstlern, die zwar weniger bekannt sind, aber zum direkten Umfeld des Impressionismus gehören. Beispielsweise besitzt die Sammlung ein Seestück von Ludovic-Napoléon Lepic und eine Reihe von Arbeiten der Künstler Adolphe-Félix Cals und Stanislas Lépine, die wie Monet und Renoir 1874 zu den Teilnehmern der ersten Gruppenausstellung der Impressionisten gehörten. Eugène Boudin nahm ebenfalls an der Schau von 1874 teil und ist in der Sammlung Peindre en Normandie mit mehreren seiner Gemälde vertreten, darunter die Hafenansicht Trouville, la jetée à marée haute. Einen großen Werkblock gibt es zudem von Jules Louis Rame, der vor allem die Umgebung von Caen als Motiv für seine Bilder wählte. Auch Frank Myers Boggs ist mit einer kleinen Werkgruppe in der Sammlung vertreten, darunter die Hafenansicht La Lieutenance à Honfleur. Hinzu kommen weitere Gemälde wie La Plage du Havre von Maxime Maufra und Voiliers sur la mer dans le lointain von Henri Le Sidaner.
Aus dem 20. Jahrhundert stammen Gemälde wie das postimpressionistische Brückenmotiv La Seine à Rouen au crépuscule von Robert Antoine Pinchon sowie eine größere Gruppe mit Werken der École de Rouen, darunter Arbeiten von Albert Lebourg, Marcel Couchaux, Joseph Delattre und Charles Angrand. Von Letzterem ist unter anderen das farbenfrohe Bild Au verger in der Sammlung. Ein Beispiel für einen Vertreter der Künstlergruppe Nabis ist das Bild Le Jardin à Amfreville von Édouard Vuillard. Aus der Gruppe der Fauve gibt es in der Sammlung mehrere Werke von Albert Marquet, Louis Valtat, Raoul Dufy und Othon Friesz. Dabei reicht das Spektrum von Dufys in dunkler Palette gehaltenen Stadtmotiv Le Bassin du Roy au Havre bis zu Othon Friesz’ leuchtendem Hafenmotiv Voiliers à Honfleur. Weiterhin findet sich eine Gruppe von Werke von Maurice Louvrier in der Sammlung, dessen Gemälde Die Manneporte bei Étretat deutlich den Einfluss von Claude Monet zeigt. Auch das 1934 entstandene Strandbild Ciel orageux sur la plage de Dieppe von Jacques-Émile Blanche steht in der Tradition der Impressionisten.
Zu den weitern im Museum vertretenen Künstlern gehören Auguste Bonheur, Karl Daubigny, Pierre Dumont, Paul-Élie Gernez, Antoine Guillemet, George Lacroix und Charles Léandre. Hinzu kommen Gemälde von Künstlern wie Henri Levavasseur, Jean-Louis De Marne, Jules-Georges Moteley, Charles François Pécrus, Auguste Prévot-Valéri, Jacques Villon und Charles-Victorien Toutain.
Ausstellungen (Auswahl)
1995: Peindre en Normandie, Assemblée nationale, Paris 2006: Painting in Normandy, from Monet to Vuillard, Kunstmuseum Bergen, Bergen (Norwegen) 2006: Painting in Normandy, from Monet to Vuillard, Riihimäen taidemuseo, Riihimäki (Finnland) 2007: Normandiets Malere, Kroppedal, Taastrup (Dänemark) 2009: Gleznots Normandijā, izstāde Latvijas Nacionālajā mākslas muzejā, Lettisches Nationales Kunstmuseum, Riga 2009–2010: Normandia Maalijad, Kumu, Tallin 2013: Målare i Normandie, Millesgården, Stockholm 2014: Galerie Klovićevi, ZagrebWebsite zur Ausstellung in Zagreb 2014 2015: Slikati v Normandiji. Ob izvirih impresionizma, Slowenische Nationalgalerie, LjubljanaInformationen zur Ausstellung auf der Website der Slowenische Nationalgalerie 2019–2020: Palazzo Mazzetti, AstiMonet et les impressionnistes en Normandie exposés à Asti, Artikel im Onlineportal finestresullarte.info vom 13. September 2019. 2021: Beijing World Art Museum, PekingInformationen zur Ausstellung auf der Website des Institut français in Peking 2022: Monet e gli Impressionisti in Normandia, Museo Revoltella, TriestInformationen zur Ausstellung auf der Website des Museo Revoltella 2022: Meet Impressionism: Monet, Renoir, and Norman Masters, Meet You Museum, ShanghaiInformationen zur Ausstellung auf der Website der Meet You Museen. 2022: Meet Impressionism: Monet, Renoir, and Norman Masters, Meet You Museum, ChengduInformationen zur Ausstellung auf der Website der Meet You Museen. 2023: Meet Impressionism: Monet, Renoir, and Norman Masters, Meet You Museum, NanjingInformationen zur Ausstellung auf der Website der Meet You Museen. 2024: Meet Impressionism: Monet, Renoir, and Norman Masters, Meet You Museum, PekingInformationen zur Ausstellung auf der Website der Meet You Museen. 2024: Meet Impressionism: Monet, Renoir, and Norman Masters, Meet You Museum, HangzhouInformationen zur Ausstellung auf der Website der Meet You Museen. 2024: With The Sunshine, Across The Sea: From French Impressionism to Landscape Paintings of Macao, Universität von Macau, MacaoInformationen zur Ausstellung auf der Website der Universität Macao 2024–2025: Museo degli Innocenti, FlorenzWebsite zur Ausstellung in Florenz 2024. 2025: Licht und Landschaft. Impressionisten in der Normandie, Augustinermuseum, Freiburg im BreisgauWebsite zur Ausstellung in Freiburg 2026: Palazzo Reale, PalermoWebsite zur Ausstellung in Palermo
Literatur
Alain Tapié, Nicole Moulonguet (Hrsg.): Peindre en Normandie, XIXe et XXe siècles. Ausstellungskatalog Assemblée nationale, Galerie des Tapisseries, Paris 1995, ISBN 2-11-089281-1. Alain Tapié: Peindre en Normandie, XIXe et XXe siècles. Musée des beaux-arts de Caen, Conseil Régional de Basse-Normandie, Imprimerie Nationale Éditions, Paris 2001, ISBN 2-7433-0420-0. Ginta Gerharde-Upeniece (Hrsg.): Gleznots Normandijā, izstāde Latvijas Nacionālajā mākslas muzejā. Ausstellungskatalog Lettisches Nationales Kunstmuseum, Latvijas Nacionālais mākslas muzejs, Riga 2009, ISBN 978-9934-8026-3-8. Alain Tapié: Peindre en Normandie à l’époque impressionniste. Somogy, Paris 2010, ISBN 978-2-7572-0263-0. Alain Tapié: Peindre en Normandie, aux temps de l’impressionnisme. Éditions du Regard, Paris 2022, ISBN 978-2-84105-420-6.
Weblinks
Offizielle Website von Peindre en Normandie
Einzelnachweise
Kategorie:Kunstsammlung Kategorie:Organisation (Bildende Kunst) Kategorie:Bildende Kunst (Frankreich)