Ferdinand Fischler Graf von Treuberg (* 24. Januar 1845 in São Paulo; † 3. Juli 1897 auf Gut Holzen) war ein deutscher Gutsbesitzer, Königlich-Bayerischer Kämmerer sowie Mitglied des Landrats von Schwaben und Neuberg. Er war ein Freund und Mäzen des Künstlers Wilhelm Leibl.Werner Hofmann und Klaus Herding (Herausgeber): Courbet und Deutschland [Begleitkatalog zur gleichnamigen Kunstausstellung von 1978/1979], Köln 1979, S. 432.
Leben
Ferdinand Fischler Graf von Treuberg entstammte dem Adelsgeschlecht Fischler von Treuberg und war ein Sohn des Ernst Joseph Johann Fischler von Treuberg (1810–1867), ⚭ 14. April 1843 in München Isabella Maria de Alcantara Brasileira du Brésil, Duqueza de Goyaz (Herzogin von Goiás; 1824–1898), legitimierte Tochter des brasilianischen Kaisers Peter I. von Brasilien und der Domitilia de Castro, Marquesa de Santos (1797–1867).
Von 1882 an hatte er als Vertreter des größeren Grundbesitzes ein Mandat für den Landrath von Schwaben und Neuburg und wurde 1890 Mitglied des ständigen Ausschusses und Referent des Landrats.
Er war Königlich-Bayerischer Kämmerer (Kammerherr) und durch den frühen Tod seines Vaters ab 1867 Guts-, Schloss- und Patronatsherr auf Gut Holzen, eine ehemalige Benediktinerinnen-Abtei, das bereits seit 1806 in Treuberg-Besitz war. Da der Kaiser von Brasilien, Dom Pedro II., sein Onkel war (der Kaiser und die Mutter waren Halbgeschwister), weilte der Kaiser öfter auf dem Treuberg'schen Familiensitz in Holzen, insbesondere in den Jahren 1871/72, 1876/77 und 1887/88. Die detaillierten Verläufe der Besuche auf Gut Holzen („Castelo de Holzen“) sind gut dokumentiert durch die Tagebücher, die der Kaiser führte (Diàrios de D. Pedro II, herausgegeben vom brasilianischen Instituto Histórico e Geográfico Brasileiro / Museu Imperial).Paulo Rezzutti: D. Pedro I – A história não contada, São Paulo 2015, S. 368.Paulo Rezzutti: Dom Pedro II – O último imperador do Novo Mundo revelado por cartas e documentos inéditos, São Paulo 2019, S. 245–258 und 271–290 (Kapitel zu den großen Europareisen des Kaisers).
Anfang Juli 1877, im 33. Lebensjahr, zog sich der deutsche Realist Wilhelm Leibl auf das Treuberg'sche Gut Holzen zurück, auf Einladung seines Altersgenossen, Freundes und Mäzens, des Grafen Ferdinand von Treuberg, wo er bis Oktober desselben Jahres blieb. In einem Brief an seine Mutter betonte Leibl die Naturverbundenheit seiner dortigen Arbeitsweise, wie der Leibl-Biograph Julius Mayr berichtet. Leibl verbrachte eine bedeutende Schaffensphase auf dem Gut Ferdinand Treubergs. Er konnte hier frei abseits des akademischen Betriebs in München arbeiten. Auf Gut Holzen fand der Künstler eine anregende Umgebung und traf dort mit Künstlerkollegen zusammen.Wilhelm Leibl auf Schloß Holzen, in: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte, Band 22, 1959. Dort malte er Ferdinand Treuberg auf einem Pferd und porträtierte dessen damals 28-jährige Ehefrau Rosine Gräfin Treuberg mehrfach. Heute befinden sich die Fassungen des Porträts der Rosine Gräfin Treuberg (entstanden 1877–1878) in bedeutenden Museen, darunter ein Gemälde von 1877 im Wiener Belvedere und ein weiteres, 1878 datiertes Bildnis in der Hamburger Kunsthalle. Wilhelm Leibl malte auch das Reitpferd des Grafen.
mini|hochkant|Rosine Fischler, Gräfin von Treuberg (Wilhelm Leibl, 1878, Hamburger Kunsthalle) Familie 1873 heiratete er Rosine Antonie Therese von Poschinger (1849–1935). Aus der Ehe sind vier Söhne und zwei Töchter, darunter Ernst Ludwig Ferdinand Franz Xaver Fischler von Treuberg (1874–1950, Ehemann der Hetta Gräfin Treuberg), hervorgegangen. Sie waren die Eltern des Schauspielers und Dramaturgen Franz Friedrich Graf Treuberg (1907–1982).
Auszeichnungen Verdienstorden vom Heiligen Michael
Einzelnachweise
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