Freud, der Außenseiter (Originaltitel: Outsider. Freud) ist ein Dokumentarfilm des israelischen Filmemachers Yair Qedar aus dem Jahr 2025 über Leben und Werk von Sigmund Freud, dem Begründer der Psychoanalyse. Der Film verbindet Auszüge aus Freuds Briefen, Interviews mit Psychoanalytikern und Historikern, Archivaufnahmen und 3D-Animationen und untersucht, wie Freuds Erfahrung als jüdischer Außenseiter im Wien des Antisemitismus seine Theorien und sein Leben prägte.

Der Film feierte am 5. Januar 2025 beim Haifa International Film Festival Premiere und wurde am 9. Januar 2025 im Sigmund-Freud-Museum in Wien gezeigt. Er wurde mit dem Gradiva Award 2025 der American Psychoanalytic Foundation als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Inhalt Der Film erzählt Freuds Leben in vier Kapiteln: „The Jew“, „Freud Becomes Freud“, „Love/Death“ und „Exile“. Er beginnt mit surrealen, in 3D animierten Traumbildern: Ein Eisenbahnzug fährt durch eine Berglandschaft, deren Boden ein Wohnzimmerteppich ist. Eisenbahnfahrten spielten in Freuds Gedankenwelt eine zentrale Rolle – in einem Brief schilderte er, wie er in einem Zugabteil als „dreckiger Jude“ beschimpft wurde, und in einem anderen Text beschrieb er seine Enttäuschung über seinen Vater, der sich nicht wehrte, als ihm auf der Straße der Hut vom Kopf geschlagen wurde.

Der Film behandelt Freuds jüdische Identität im antisemitischen Wien, die Entdeckung des Unbewussten, seine Krebserkrankung, die Tode seiner Tochter Sophie und seines Enkels sowie seine späte Flucht nach England nach dem „Anschluss“ 1938. Dabei macht der Film deutlich, dass Freud die Bedrohung durch die Nationalsozialisten lange nicht ernst nahm. Zu Wort kommen Freud-Experten wie Adam Phillips, der Historiker George Makari, Daniela Finzi (Sigmund-Freud-Museum), Lisa Appignanesi, Rémy Amouroux, Michael Molnar, der Freud-Biograf Christfried Tögel und der Psychoanalytiker Eran Rolnik – jeweils in ihrer Muttersprache Hebräisch, Englisch, Französisch oder Deutsch. Auszüge aus Freuds Briefen, unter anderem an Stefan Zweig, werden von Karl Markovics gelesen.

Produktion Outsider. Freud ist Teil von Qedars Dokumentarfilmprojekt „The Hebrews“ (Ha'Ivrim) über Persönlichkeiten der jüdischen und hebräischen Kultur und bildet nach Filmen über Baruch Spinoza und Karl Marx den Abschluss einer Trilogie über jüdische Denker. Qedar arbeitete rund fünf Jahre an dem Film, länger als an jedem seiner früheren Filme.

Der Film ist eine Koproduktion zwischen Israel, Österreich und Deutschland (Koproduzentinnen: Barbara Pichler und Gabriele Kranzelbinder, KGP Wien), unter Beteiligung der Sender Kan, ORF, RBB, Arte und SVT. Die Traumanimationen konzipierte Tal Kantor, deren Kurzfilm Letter to a Pig für einen Oscar nominiert war. Der Film verwendet zudem private Filmaufnahmen Freuds aus den 1930er Jahren, die größtenteils von Marie Bonaparte gedreht und erst während der Covid-Zeit digitalisiert wurden; sie zeigen Freud unter anderem beim Familienessen und beim Spielen mit seinen Hunden. Freuds Studien- und Behandlungszimmer wurde für den Film in 3D rekonstruiert.

Veröffentlichung Nach der Premiere in Haifa wurde der Film vom israelischen Sender Kan 11 ausgestrahlt. International wurde er unter anderem im Sigmund-Freud-Museum in Wien, im Freud Museum in London, in der Library of Congress in Washington, an Universitäten wie Stanford sowie in deutschen Kinos gezeigt, etwa im Bremer City 46 in Kooperation mit dem Psychoanalytischen Institut Bremen.

Rezeption Wilfried Hippen schrieb in der taz, Qedars „Mischung aus Dokumentar- und Arthousefilm“ sei „stilistisch reizvoll“; interessant werde der Film „immer dann, wenn er aufs Kernthema zurückkommt: Freud und der Antisemitismus“. Freud, „der Erforscher der Verdrängungsmechanismen“, habe die nationalsozialistische Bedrohung „selbst heftig verdrängt“. Zugleich merkte Hippen an, dass manche Themen in den 66 Minuten „eher eilig und oberflächlich“ behandelt würden. Hannah Brown von der Jerusalem Post schrieb, der Film beleuchte Freuds Leben „auf neue Weise“, und hob die „kraftvolle, traumartige Animation“ hervor. Francesco Salamone (University of Pennsylvania) nannte den Film „kein konventionelles Biopic“ mit „faszinierenden surrealistischen Traumsequenzen“.

Auszeichnungen

Gradiva Award für den besten Dokumentarfilm, American Psychoanalytic Foundation (2025) Bester dokumentarischer Animationsfilm, Jaipur International Film Festival (2025)

Weblinks

Offizielle Seite beim Projekt The Hebrews

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 2025 Kategorie:Werk über Sigmund Freud Kategorie:Israelischer Film Kategorie:Österreichischer Film Kategorie:Deutscher Film Kategorie:Dokumentarfilm